Terminkalender

Abendsprache zum 3. Oktober

Biermann Abendsprache Internat Solling

 

Vor 27 Jahren, am 3. Oktober 1990, traten die ostdeutschen Länder zum Geltungsbereich des Grundgesetzes über. Damit war die deutsche Teilung, die nach dem 2. Weltkrieg entstanden war, endlich und glücklich überwunden. Joachim Schütte spricht anlässlich dieses Jahrestages in der Abendsprache über Wolf Biermann: „Es gibt für mich kaum jemanden, der in seiner Biographie und in seinem Werk das Thema der deutschen Teilung und die deutsche Einheit so verkörpert wie der am 15. November 1936 in der schönen Stadt Hamburg geborene Dichter und Liedermacher Wolf Biermann.“

Schütte erzählt den Schülern, dass Biermanns Vater, Jude und Kommunist, 1943 in Auschwitz ermordetet worden sei, Biermann und seine Mutter aber den Krieg in Hamburg überlebt hätten. Aus Protest gegen die alten Nazi-Seilschaften, die es auch in die hohen Ämter der neuen Bundesrepublik geschafft hatten, zieht Biermann als 16-Jähriger in die DDR. „Er tut es in dem Glauben, in das bessere Deutschland zu kommen, in ein Deutschland ohne Nazibeamte, regiert von den Kommunisten, den Genossen seines ermordeten Vaters“, weiß Schütte. Aber auch dort habe Biermann die Augen nicht vor der Wirklichkeit verschlossen, sondern sehr schnell das Unrecht, die Unterdrückung, die fehlende Freiheit, die Ärmlichkeit und Humorlosigkeit der DDR gesehen. Und so sei er innerhalb weniger Jahre ein Oppositioneller geworden, „der zur Gitarre freche Lieder sang und sich den verrotteten Herrschenden gegenüber, die ihre Ideale verraten hatten, als der ‚wahre Kommunist’ fühlte“. Das ZK beschließt daher bald nicht nur ein totales Auftritts- und Publikationsverbot, sondern auch die Zersetzung seiner Person, die von der Zerstörung von Liebesverhältnissen bis zu falscher medizinischer Behandlung reichte. Der Gipfel ist erreicht, als Biermann nach einem Konzert in Köln nicht mehr in die DDR zurückreisen darf. Gegen diese Ausbürgerung Biermanns wenden sich zahlreiche ostdeutsche Künstler und Intellektuelle in einem offenen Brief an die DDR-Führung. Wer auch auf Druck diese Unterschrift nicht zurücknahm, wurde mit Berufsverbot belegt. Schütte weiß: „Die sogenannte ‚Biermann-Affäre’ war ein ganz wesentlicher Schritt der Delegitimierung des DDR-Regimes.“ Auch in der Bundesrepublik hört Biermann nicht auf, weiter kritische Lieder zu singen. Und als 1989 die Mauer fällt, dauert es keine vier Wochen bis er in Leipzig wieder auf der Bühne steht: „Die Messehalle, in der das Konzert stattfand, war bitterkalt, die Akustik fürchterlich – aber es war eine einzige rauschende Siegesfeier der endlich Befreiten“, erinnert sich Joachim Schütte.

2014 wird der Liedermacher vom damaligen Bundestagspräsidenten Norbert Lammert zur Feierstunde des Deutschen Bundestages zum Mauerfall eingeladen. Und mit einem Mitschnitt des Auftritts im Plenarsaal, bei dem Biermann nicht nur sein berühmtestes Lied „Ermutigung“ singt, sondern sich auch mit seinen alten Feinden von der Links-Partei anlegt, endet eine interessante Abendsprache zum 3. Oktober in der Hohen Halle.

 

 

Kategorie: Abendsprachen, Aktuelles   Start: Sonntag, 1. Oktober 2017   19:00   Ende: Sonntag, 1. Oktober 2017   19:30   Event-Export: Als iCal-Datei herunterladen

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Sandra Knecht
PR und Marketing

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