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Jeder kennt wohl das Gefühl, mit einem Problem alleine da zu stehen. Diesen hilflosen Leerraum wollen wir anderen gerne ersparen – zumal wir hier am LSH ja letzten Endes wie eine große Familie sind, die für einander einsteht. Da ist es völlig egal, ob sich eine Person aus dem persönlichen, engen Umfeld an uns wendet, oder aber ein Mitschüler, dessen Namen wir gerade mal kennen. Gerade bei Mitschülern, mit denen wir sonst nicht in Kontakt sind, nehmen wir die Verantwortung zur Hilfe bei Problemlösungen ganz besonders ernst (selbstverständlich auch unter Freunden, doch ist es da normaler – dafür sind Freunde ja schließlich auch da). Erik: „Das fühlt sich an, als läge ein Goldbarren auf meiner Hand, den ich auf gar keinen Fall fallen lassen darf, damit er keinen Kratzer bekommt“.
Natürlich sind wir letzten Endes „nur“ Schüler, die anderen Schülern helfen – und nicht ausgebildete Psychologen oder Erwachsene mit Entscheidungsgewalt. Wir sehen uns eher als „1. Hilfe – Anlaufstelle mit ganz viel Herz und Seele“ und sind nicht die Rettung anderer, sondern vielmehr diejenigen, die anderen helfen, gerettet zu werden. Wir sehen die Vertrauenslehrer als unsere Kollegen an, mit denen wir gemeinsam beschließen, was die nächsten Schritte zur Lösung eines Problems sind. Hier gilt: immer erst, nachdem die betroffene Person eingewilligt hat, dass wir das Problem mit Erwachsenen besprechen!
Anna: „Für mich war am schwersten zu lernen damit umzugehen, wenn ich nicht weiterwusste. Da hatte ich ein mir anvertrautes Problem und wo sollte ich damit hin?“.
Wir haben jeder für sich in unserer Zeit als Vertrauensschüler gelernt, nicht sachlich, aber emotionsfreier und ruhiger an Probleme ranzugehen. Ganz bestimmt haben wir auch mehr Menschenkenntnis als vorher!
Lustigerweise werden wir beide am häufigsten in der Disko angesprochen. Es kommt oft vor, dass Erik in der einen, Anna in der anderen Ecke in Problemgespräche verwickelt steht. Die letzte halbe Stunde der Disko gehört dann definitiv uns! Es passiert aber auch schon mal, dass wir in den Ferien kontaktiert werden. Das stört uns nicht, ganz im Gegenteil: Zum einen ist es ein noch größerer Vertrauensbeweis und zum anderen zeigt es auch die Dringlichkeit des Anliegens auf. In unseren Augen ein klarer Beweis dafür, wie wichtig am LSH die Vertrauensschüler als Schnittstelle zwischen Schülern und Pädagogen sind. Wir stehen in gutem Austausch und sehen die Tatsache, dass wir beide von der Schülerschaft gewählt wurden, als Legitimation an, einander zu beraten – selbstverständlich im anonymen Bereich, wir würden nie den Namen einer uns vertrauenden Person ohne das Einverständnis der Betroffenen nennen! Es ist wertvoll, sich gemeinsam in das Problem hineinzuversetzen. Haben wir es durchgefühlt, so können wir uns viel besser fragen, was es mit uns machen würde, müssten wir uns damit herumschlagen und was uns in dieser Situation helfen würde. Ist dann ein Problem gelöst, so ist dies nicht nur für die betroffene Person, sondern definitiv auch für uns toll! Es erfüllt uns mit tiefer Freude, erleben zu können, wie die Last von den Schultern eines Mitschülers fällt und wir ihn aus unserer Verantwortung entlassen können. Auch wenn wir beide nächstes Jahr aufgrund des Abiturs unser Amt niederlegen, sind wir davon überzeugt, dass auch unsere Nachfolger sich voll und ganz für Euch einsetzen werden.
Erik: „Letzten Endes macht mich die Tätigkeit als Vertrauensschüler zu einem glücklicheren Menschen, da ich durch den verstärkten Fokus auf Glück das meine stärker wahrnehme. Diese Stärke wiederum nutze ich, um gut für andere da sein zu können“.
An dieser Stelle Dank an all diejenigen, die uns mit ihrem Vertrauen beschenkt haben. Anna und Erik