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Babo - Barbara Bode-Hanse (LSH 1967 - 1975)

Streng genommen habe ich, die im September 1967 als 12jährige ankam – zumindest innerlich – das LSH seither nie ganz verlassen. Schon vor meinem Abitur wurde ich für Ehrenämter (ich habe 18 Jahre die Redaktion der Giftschonung geleitet und war im Vorstand des LSH-Bundes) herangezogen, die ich bis 2006 (zu diesem Zeitpunkt wurde ich gebeten, die Geschäftsführung des Reitvereins vor Ort zu übernehmen und konnte und wollte mich nicht zerteilen) gerne innehatte. Da das Schreiben eine Passion von mir ist, hat mich das Mitwirken an der Giftschonung immer darüber hinweggetröstet, dass ich den Beruf der Journalistin aufgrund einer Fächerumstellung an der Universität nie erlernen und praktizieren konnte. Zurückblickend ist es sehr gut so, was wäre geschehen, ich wäre meinem Traum folgend Korrespondentin im Nahen Osten geworden? Da mein Vater leider deutlich zu früh verstorben ist, habe ich den pragmatischen Weg der Berufswahl genommen und das weitergemacht, was mich ernährt (und für mich bedeutet, mich in seinen beruflichen Fußstapfen zu bewegen). Auch als Juristin habe ich viel mit Sprache zu tun, zudem bin ich leidenschaftlich gerne für meine Mandant:innen da. Ab Herbst dieses Jahres müssen sowohl meine Mandanten, als auch ich uns umgewöhnen – um meiner Tochter den Wiedereinstieg ins Berufsleben zu erleichtern, werde ich an zwei Nachmittagen die Woche meine Enkeltochter Mia bestaunen und beaufsichtigen. Diese zwei Nachmittage gehören dann ganz uns!

Etwas, das häufig enormen organisatorischen Aufwand bedeutet hat, als unsere beiden Töchter noch klein waren. Der Kindergarten hatte gerade mal von 9.00-11.30 Uhr auf, das reichte hinten und vorne nicht. Zum Glück haben wir Mütter untereinander geholfen – ich konnte ja wohl kaum eine/n Richter:in bitten, die Verhandlung zu verschieben, da ich mal eben Kinder abholen müsse – und auch wenn wir durchaus skurrile Situationen mit Kinderfrauen erlebt haben, so war es doch immer toll, dass es diese gab!

 Meine Bindung zum Internat war derart stark, dass Locki die „3. Großmutter im Bunde“ für meine Töchter, insbesondere für Dina, war. Wann immer ich für Giftschonung & Co. in Holzminden war – Dina war dabei und wir haben bei ihr geschlafen. Als sie nach ihrem Schlaganfall ihren Hund Tocky nicht mehr versorgen konnte, haben wir ihn selbstverständlich in Pflege genommen und nach ihrem Tode von Herzen gerne adoptiert. Wobei es sich ehrlich geschrieben vermutlich um eine innerfamiliäre Angewohnheit handelt – gebliebene Pflegetiere. Der Hund, Kaninchen, Wellensittiche, Wüstenrennmäuse (welche wir eigentlich nur über die Schulferien in Pflege hatten, die sich aber in dieser Zeit vermehrten und selbstverständlich Nachkommen bei uns zurückließen), ein Scheidungspferd und auch die uralte Stute und ein Pony haben bis zu ihrem Ende bei uns gelebt. Die Wasserschildkröten (auch LSHler, lebten sie doch dank einer Sondergenehmigung mit Dina am LSH) leben nun bei unser Tochter Anja in einem großen Teich. Es bereitet mir und uns große Freude, Tieren ein schönes Leben und auch einen schönen Lebensabend zu bescheren. Meines Erachtens gehört selbstverständlich dazu, ihnen am Ende Qualen zu ersparen. Das ist Teil meiner Verantwortlichkeit als Mensch.

Mein Lieblingsbuch ist vermutlich „Buddenbrooks“, da es nach wie vor unserer Gesellschaft den Spiegel vorhält, was Selbstüberschätzung, Arroganz und das Unvermögen von Ablegen überholter Vorurteile aber auch Verantwortungsbewusstsein angeht. Neben dem im LSH entwickelten ausgeprägten sozialen Verantwortungsgefühl sind das schnelle Einschätzen von zwischenmenschlichen Situationen und die Eigenschaft, gut zuhören zu können, vor allem auch die Menschen, die mich nach wie vor an das Internat Solling binden. Unser Freundeskreis von damals besteht bis heute und steht im regen Kontakt – weshalb ich den Spitznamen „Babo“ auch noch immer gerne trage. Wir waren derzeit drei Mädchen, die Barbara hießen, da hat die pragmatische Locki uns nach den Anfangsbuchstaben „Ba“ und den ersten zwei Buchstaben des Nachnamens benannt. Dass ein LSHler immer ein LSHler bleibt, hat sich wohl auch darin gezeigt, dass ich damals meiner Tochter, die auch Schülerin im LSH war, gesagt (nicht gepetzt!) habe, dass die Lehrer wussten, dass und wann sie und ihre Freund:innen aussteigen wollten. Das wurde kurzerhand verschoben, niemand wurde erwischt und der Zusammenhalt unser aller untereinander wieder einmal unter Beweis gestellt! Wer in der Trutzburg LSH groß wird, teilt eine nahezu unzertrennliche Verbundenheit.