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Carsten Grueber

Mir ist wichtig, für unterschiedliche Denkweisen und Ansichten offen zu sein. Neben dem (vielleicht meinem jetzigen Alter geschuldeten) Bewusstsein, dass es durchaus Lebensbereiche gibt, in denen ich mich noch verbessern kann, wird mir mehr und mehr bewusst, wie viele Glücksmomente der Alltag birgt. Sei es ein besonders schönes Erlebnis mit meiner Familie, ein beruflicher Erfolgsmoment oder ein außergewöhnlich köstliches Essen – ich versuche, in solchen Momenten innezuhalten, um sie intensiver wahrzunehmen und dadurch viel mehr wertschätzen zu können.

Als sogenanntes „Crossborderchild“, das aufgrund der diplomatischen Karriere meines Vaters sehr international aufgewachsen ist, war das Internat Solling (das wir aus einem rein pragmatischen Grund ausgewählt haben – es war am nächsten am Studienort meines Bruders, Göttingen, dran) ein wichtiger Fixpunkt in meinem Leben. Es war die siebte, letzte und prägendste Schule meiner Schulzeit. Nach Schulen in Kobe (Japan), Kairo, Paris, Bonn und Kingston (Jamaika) konnte ich am Internat Solling zum ersten Mal kontinuierliche Freundschaften schließen. Dies ist einer der Gründe, weswegen ich nach wie vor eine tiefe Bindung zum Internat Solling spüre. Wann immer ich im Nachgang mit meinen Eltern über das Internat gesprochen habe, habe ich ihnen versichert, dass es gut investiertes Geld gewesen ist! Nicht unbedingt meiner akademische Leistung wegen – wir waren der schlechteste Abiturjahrgang seit sehr langem, unsere Verabschiedungsrede von Herrn Seidler glich eher einer Beerdigungsrede… Nein, das intensive Miteinander mit Gleichaltrigen hat lebenslange Bindungen erschaffen. Interessanterweise haben sich im Laufe der Zeit die Jahrgänge vermischt, es steht die gemeinsame Internatserfahrung im Vordergrund. So, wie ich Patenonkel der Kinder einiger LSHler bin, so sind auch die Paten meiner Kinder Altschüler. Schon allein diese intensiven Bindungen wären Grund genug, auch meinen beiden Töchtern später einen Internatsbesuch im Solling zu ermöglichen, sollten sie dies wollen.

Am LSH ist übrigens der Grundstein für eines meiner liebsten Rituale in meinem persönlichen Jahreskalender gelegt worden: das Fasten. Zustande kam es aufgrund einer „ich kann eine Woche lang nichts essen“-Wette, die einzuhalten mit Disco (damals noch dreimal die Woche) und dem Erscheinen bei den Mahlzeiten wirklich schwer war – aber ich habe gesiegt! Da ich ein paar Jahre später während meines Studienjahres in den USA frappierend zugenommen hatte, haben meine Eltern mir zum Geschenk für das abgeschlossene Studium eine Fastenkur im Schwarzwald spendiert. Während dieser mehrwöchigen Fastenkur habe ich die wunderbare Erfahrung gemacht, wie leicht und klar man sich nach dem Überwinden der ersten schwierigen, von Müdigkeit und Kopfschmerzen geprägten, Fastentage fühlt. Mittlerweile faste ich zweimal im Jahr zwischen zwei und drei Wochen. Da sich die bereits erwähnte Leichtigkeit bei mir erst nach ca. einer Woche einstellt, lohnt sich für mich kürzeres Fasten nicht. Tatsächlich ist es so, dass ich mich richtig freue, wenn sich der Termin des Fastens nähert.

Die Internationalität ist nach wie vor ein bestimmender Faktor meines Lebens. Meine Frau ist aus Neuseeland, wir sprechen Englisch miteinander (mit unseren Töchtern spreche ich Deutsch, sie Englisch. Interessanterweise haben die Zwei sich untereinander für die im wahrsten Sinne des Wortes Muttersprache entschieden). In meinem Berufsleben habe ich das große Glück, mit einem Team von spannenden und engagierten Menschen aus Stockholm, Dublin, London, Berlin, Warschau und Brüssel politische Kunden bei der Umsetzung ihrer Kampagnen auf der Plattform „Facebook“ unterstützen zu dürfen. Es bereitet mir große Freude, meine interkulturelle Kompetenz und mein Interesse an Politik einbringen zu können. Tatsächlich macht mir meine Arbeit so viel Spaß wie nie zuvor! In einem internationalen Umfeld fühle ich mich wohl und komme auf Hochtouren. Da ich beruflich auch viel dort bin, wo mein Team sitzt, genieße ich es einmal mehr, nun ein Zuhause zu haben, das nicht andauernd wechselt.