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16. Dezember 2020
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Der Altschüler Bernd Schultz – Initiator des Exilmuseums Berlin

17. Dezember 2020

Wie aus einer Idee ein Ort werden kann, zeigt derzeit unser Altschüler Bernd Schultz. Der 79-jährige Gründer des Berliner Auktionshauses Villa Grisebach ist mit Nobelpreisträgerin Herta Müller die treibende Kraft hinter einer zivilgesellschaftlichen Initiative, die ihresgleichen sucht: Die beiden setzen sich mit großem Engagement dafür ein, dass in Berlin endlich ein Museum entsteht, dass an die Exilanten der NS-Zeit erinnert. Ein solches gibt es bisher nicht.

Die vor drei Jahrzehnten aus der rumänischen Ceausescu-Diktatur nach Berlin emigrierte Schriftstellerin mahnte schon 2011 in einem offenen Brief an die Kanzlerin: „Nirgends in diesem Land gibt es einen Ort, an dem man den Inhalt des Wortes Exil an einzelnen Schicksalen entlang darstellen kann. Das Risiko der Flucht, das verstörte Leben im Exil, Fremdheit, Angst und Heimweh. (…) In einem Exilmuseum könnten sich die jüngeren Deutschen ein Bild machen. Es wäre Erziehung zur Anteilnahme.“

Es soll im neuen Museum aber keinesfalls nur um die großen Namen berühmter Exilanten wie Bert Brecht, Thomas Mann und Sigmund Freud gehen. Es geht um die Alltagserfahrungen der Durchschnittsbürger, denen das Museum Gesicht und Geschichte geben möchte. Sie alle sind Beispiele für den ab 1933 von den Deutschen vertriebenen Geist und den bis heute nachwirkenden Verlust an Menschen, Kultur und Zivilisation.

Mittlerweile hat das Projekt bereits klare Strukturen. Der Gewinnerentwurf des Architekturwettbewerbs für den Museumsneubau am Anhalter Bahnhof liegt vor, und die beiden Initiatoren haben weitere prominente Unterstützer an der Seite: Der ehemalige Staatssekretär für Kultur in Berlin und vielfache Stiftungs-Vorstand André Schmitz zum Beispiel übernimmt auch für die Stiftung Exilmuseum den Vorsitz. Claudia Vossen ist Kuratorin und als Gründungsdirektor des Museums konnte der Historiker Prof. Dr. Christoph Stölzl gewonnen werden, der ein ausgewiesener Museumsmann ist. Ex-Bundespräsident Joachim Gauck wirkt als Schirmherr mit und findet: „Dieses bisher viel zu wenig beachtete Drama von Vertreibung und Exil, von Menschen, die ihre Heimat verlassen mussten, um ihr Leben zu retten, gehört zu unserer gemeinsamen Geschichte.“ Er sei bewegt und begeistert von der bürgerschaftlichen Initiative und den Personen, die dahinter stehen. Um so ein bedeutendes Vorhaben zum Erfolg zu bringen, brauche es neben der Ideengeberin viele andere engagierte Bürgerinnen und Bürger: Etwa einen Mäzen. In diesem Fall einen Kunstliebhaber, dessen bedeutende Zuwendung den finanziellen Grundstein für das Museum legte.

In Zahlen bedeutet dies folgendes: Unter dem Titel „Abschied und Neuanfang“ hat Bernd Schultz einen beträchtlichen Teil, rund 350 Zeichnungen aus fünf Jahrhunderten, seiner eigenen Kunstsammlung versteigert. Den Erlös von über 6 Millionen Euro hat er in seine „Stiftung Exilmuseum Berlin“ (www.stiftung-exilmuseum.berlin) eingebracht und damit das Projekt finanziert. Er selbst erklärt es so: „Ich bin seit 1965 Kunsthändler und habe (…) unzählige Emigranten kennengelernt, ihre Sammlungen, ihre Verluste, ihre Schicksale – und was wir ihnen verdanken und schulden. Das Exil gehört zum kollektiven Gedächtnis der Deutschen.“

Bisher wird das Museum von dieser Privatinitiative getragen – aber das wird nicht reichen bei geschätzten 40 Millionen Euro Baukosten. Bernd Schultz hofft auf erhebliche Spenden, die dazu beitragen, dass das Exilmuseum Berlin ein Ort unvergesslicher Geschichten wird, ein Ort des Nachdenkens, ein Ort der Empathie. Ein Ort, der den Inhalt des Wortes Exil begreifbar macht und so ein Zeichen setzt gegen Totalitarismus und Inhumanität.

Wir wollen uns den Worten des ehemaligen Bundespräsidenten anschließen, die dieser an Bernd Schultz richtet: „Ihr nicht nur finanzielles Engagement ist beispielgebend für zivilgesellschaftliches, altruistisches Handeln, und dafür werden wir Ihnen bleibend dankbar sein.“ Und wir Landschulheimer sind zudem ein bisschen stolz, so jemanden in unseren Reihen zu wissen.

Text: Anna Schütz
Bilder: Katalog Stiftung Exilmuseum Berlin, September 2020

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Datum:
17. Dezember 2020
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