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13. November 2019
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MINT-Abendsprache zum Thema Alzheimer im Internat Solling

14. November 2019

Am 7. November 2019 war Prof. Ingo Bechmann vom Anatomischen Institut der Universität Leipzig für eine MINT-Abendsprache zu Gast im Internat Solling. Unter dem Titel „Wie unser Gehirn sich wäscht: Neues aus der Alzheimerforschung“ gewährte uns der Mediziner einen kritischen Einblick in die aktuelle Forschung.
Die Alzheimer-Krankheit stellt in der modernen Zivilisation eine Volkskrankheit dar; nicht zuletzt, weil die Lebenserwartung immer weiter steigt. Entsprechend wird weltweit enormer Forschungsaufwand betrieben, um Therapien zu entwickeln, die den Verlauf der Erkrankung aufhalten oder zumindest verlangsamen.
Zu Beginn seines Vortrages ging Prof. Bechmann zunächst auf eine Besonderheit ein, die das Gehirn vom Großteil anderer menschlicher Zellen unterscheidet: unser Denkorgan ist ein sogenanntes immunprivilegiertes Gewebe. Das bedeutet, dass Zellen des Immunsystems im Gehirn nicht mit der gleichen Vehemenz gegen krankhafte Veränderungen vorgehen wie an anderen Stellen im Körper.
Morbus Alzheimer gehört zu den neurodegenerativen Erkrankungen. In ihrem Verlauf kommt es im menschlichen Gehirn zu Ablagerungen (Plaques) von Eiweißen, in der Folge sterben Neuronen ab und die Funktion der betroffenen Hirnareale wird zunächst eingeschränkt, um in der Folge vollständig verloren zu gehen. Die betroffenen Patienten büßen immer mehr ihrer kognitiven Fähigkeiten ein und werden zunehmend dement.
Untersuchungen an Säugetieren mit ähnlichen Lebensspannen wie die des Menschen zeigen, dass die Alzheimer-Krankheit nur im menschlichen Gehirn auftritt. Insofern sind viele Tiermodelle, die zur Entwicklung von Behandlungsmethoden herangezogen werden, für die Vorgänge im menschlichen Gehirn schlichtweg irrelevant. Immer wieder scheitern Pharmafirmen daher mit neu entwickelten potentiellen Medikamenten in klinischen Studien, wenn die Wirksamkeit der Behandlung nach erfolgreichen Tierversuchen auch bei menschlichen Probanden nachgewiesen werden soll.
Einen möglichen neuen Ansatzpunkt für Alzheimertherapien bietet das sogenannte glymphatische System, das auch von Prof. Bechmann und seinem Team an der Universität Leipzig erforscht wird. Es handelt sich hierbei um eine Art Drainagesystem im menschlichen Gehirn, über das Stoffwechselprodukte der Neuronen aus dem Gehirn ausgespült werden. Dieses System besteht unter anderem aus Mikrogliazellen, die die Immunwächter im Gehirn sind, und Kanälen, die pulsierend von Hirnwasser durchspült werden. Die Druckimpulse werden durch die Ausbeulung der Arterien im Gehirn während der Pulsschläge erzeugt. Im Laufe eines Menschenlebens lässt das glymphatische System allerdings in seiner Leistungsfähigkeit nach: Die Mikrogliazellen altern mit dem Menschen, da sie sich nicht durch Zellteilung erneuern. Gealterte Mikrogliazellen werden zunehmend träge beim Abbau von Eiweißablagerungen im Gehirn. Auch die Wände der Blutgefäße altern und büßen an Elastizität ein. Dadurch werden die von ihnen ans Hirnwasser vermittelten Druckimpulse schwächer.
Immer noch werden im menschlichen Gehirn neue anatomische Details des glymphatischen Systems gefunden, aber bereits jetzt verdichten sich die Hinweise, dass das Entstehen und Fortschreiten einer Alzheimererkrankung durch ein schlecht funktionierendes glymphatisches System gefördert wird. Die für Alzheimer typischen Eiweißplaques werden nicht mehr abgebaut bzw. aus dem Gehirn gespült und häufen sich immer weiter an. Die Neuronen ersticken gewissermaßen an ihrem eigenen Stoffwechselabfall.
Eine Therapie, die das glymphatische System in seiner Funktion und Effizienz wiederherstellen oder verbessern kann, wäre vor diesem Hintergrund ein vielversprechender neuer Ansatz zur Behandlung der Alzheimer-Krankheit. Bereits ein Herauszögern der Erkrankung um fünf Jahre würde dem größten Teil der Patienten eine letzte Lebensphase ohne Demenz ermöglichen.

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Datum:
14. November 2019
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