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Felix von Lewinski

Ich habe mir selber mal ein „Helfersyndrom“ diagnostiziert. Wenn ich es irgendwie möglich machen kann, bin ich der Erste, der hilft. Natürlich muss es im Rahmen meiner persönlichen Möglichkeiten sein – dann aber bin ich sofort da und helfe. So bin ich einfach. Das ist meine Art, Gemeinschaftsgefühl zu leben.

Das ist vermutlich auch der Grund, warum ich bei uns in der Gemeinde im Ausschuss Bau, Verkehr und Landwirtschaft tätig bin und mich auch im Vorstand unseres Kindergartens engagiere. Die Gemeinde hat uns damals, als mein Vater das Land hier erworben hat, freundlich willkommen geheißen, davon gebe ich jetzt ein wenig an die Gemeinschaft zurück (ich wage sogar die These, dass die Brandenburger offener sind als die Norddeutschen!). Ich denke, die Generation meiner Kinder, die von der Mauer und den Abgrenzungen nur noch durch unsere Erzählungen wissen, sind jetzt die ersten Gesamtdeutschen. Was natürlich nicht heißt, dass wir nicht mehr „die Zugezogenen“ sind!
Mit dem Erwerb des Landes hier in Brandenburg haben mein Vater und ich eine GbR gegründet. Das war 1998, direkt nach meinem Abitur.
Für mich hieß das, an den Heimfahrtwochenenden von der Bundeswehr einen Hof mit zu führen.
Nach meiner Bundeswehrzeit habe ich dann eine Ausbildung zum Landwirt gemacht. Das anschließende Studium der Argrarökonomie in Kiel habe ich leider nicht abgeschlossen. Die Kombination aus Aktivitäten innerhalb meiner Studentenverbindung und einem Anfahrtsweg von einer halben Stunde war einfach sehr ungünstig. Stattdessen habe ich wenig später den staatlich geprüften Wirtschafter für Landwirtschaft gemacht. All dies immer parallel zu dem bereits bestehenden Betrieb.
Einen Familienbetrieb zu führen, ist nicht immer einfach. Auch die Idee, in einem Mehrgenerationenhaus zu leben, haben wir recht schnell aufgegeben. Die Zusammenarbeit ging irgendwann auch nicht mehr, die Ideen und Ansichten waren in manchen Dingen einfach zu unterschiedlich. So habe ich den Hof für einige Jahre verlassen und in einem völlig anderen Gebiet – Vertrieb und Immobilien – gearbeitet. Manchmal muss man auf Abstand gehen, um sehen zu können, wie sehr man etwas liebt.
Mittlerweile lebe ich mit meiner vierköpfigen Familie wieder auf dem Hof. Wir haben den Betrieb vollkommen umstrukturiert, ein Großteil des Landes ist nun verpachtet. Die verbliebenen 120 ha Acker und Grünland nutzen wir für die Produktion von Kurzumtriebsplantagen und Heu als Pferdefutter. Wir haben zwei große Ferienwohnungen eingerichtet, die perfekt für Familien mit Kindern sind, die diesen ermöglichen wollen, naturnah Tiere zu erleben. Da man in der Familie von Lewinski eher reiten als laufen kann, ist es für mich selbstverständlich, dass wir Pferde halten und mittlerweile auch züchten.
Übrigens war ich einer der ersten Schüler, der sein eigenes Pferd mit an das Internat Solling gebracht hat! Dies hatte viele Vorteile, da ich auf Turnieren und Lehrgängen natürlich als Junge auf wenig Konkurrenz getroffen bin und im Internat meinen Sport hatte, der mich täglich stundenlang beschäftigt hat. Einmal hat Herr Ueckermann mich beim Aussteigen am Stall erwischt. Irgendwie habe ich es geschafft, mich aus der Situation zu winden, indem ich ihm erklärt habe, ich sei dort (in einem weißen Pulli wohlgemerkt!), weil es meinem Pferd nicht gut ginge. Er hat mir geglaubt! Selbsterklärend, dass ich an dem Abend auf der Bude geblieben und nie wieder in einem weißen Pulli ausgestiegen bin!
Auch haben Pferde für mich immer ein Stück weit Heimat bedeutet. Wenn ich Sorgen, Nöte oder Probleme hatte, habe ich stundenlang in der Pferdebox gesessen und sie meinem Pferd erzählt. Pferde sind tolle Zuhörer. Vielleicht, weil sie nicht kommentieren.
Über die Tiere habe ich auch meine Frau kennen gelernt. Obgleich unsere Familien sich schon länger kennen und wir uns oft parallel zueinander in denselben Städten aufgehalten haben, sollte es wohl erst nach meiner Rückkehr nach Brandenburg so sein. Da sie eine Fahrpraxis als Tierärztin hat, ist gemeinsame Familienzeit rar und heilig. So versuchen wir, drei Mahlzeiten am Tag miteinander einzunehmen und genießen diese Zeit miteinander sehr. Selbstverständlich hat unsere dreijährige Tochter ein Pony, so dass wir gemeinsam ausreiten oder eine Fahrradtour unternehmen.
Zeit ganz für mich allein, die nehme ich mir im Wald unseres Hochwildreviers, das ca. 680 ha umfasst. Einfach dasitzen mit meinen Gedanken oder auch Nichtgedanken, Tiere beobachten und natürlich auch erlegen, um dadurch für Lebensmittel zu sorgen.
Im Bereich Lebensqualität haben wir auf alle Fälle alles richtig gemacht!

Felix von Lewinski, LSH 1993 – 1998
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