Ich liebe es, Dinge zu entschlüsseln und sie zu verstehen.

 

Schon im Kindergarten habe ich die anderen Kinder beobachtet und versucht, mir vorzustellen warum sie gerade so fühlen und handeln wie sie es tun.

Auch bei Gedichten rührt ein Teil meiner Liebe zu ihnen daher, dass ich sie gerne auseinandernehme und durch die Analyse durchdringen und verstehen kann.

„Ganz und gar“ ist in vielen Lebensbereichen von mir Thema, da ich durchaus einen Hang zum Perfektionismus habe. Sachen, die ich mir vornehme, sollen 100%ig so werden, wie ich sie mir vorgestellt habe, da achte ich auch sehr auf jedes einzelne Detail. Zwar kann ich am Ende akzeptieren, wenn es nicht ganz so hingehauen hat, wie von mir geplant, doch beschäftigt mich das dann schon sehr. Erst in der Oberstufe habe ich gelernt, Noten nicht mehr ganz so wichtig zu nehmen und auch, im Moment zu leben. Ich versuche jeden Tag aufs Neue, nur das zu sehen, was ich in den vor mir liegenden 24 Stunden machen kann – danach schaue ich weiter. Da ich das Abitur mit einem Schnitt von 1,4 bestanden habe, obwohl ich jeden Samstag in der Disco war, war dieser Weg wohl der richtige!

Ehrlich gesagt macht mir die auf mich zukommende, eher planlose Zeit ohne das Internat Solling wirklich ein bisschen Angst. Ich habe immer gern die Tage voll geplant und an endlos vielen Arbeitsgemeinschaften und Projekten teilgenommen. Hier am Internat bin ich erst so richtig aufgeblüht und habe gelernt, auf andere zu – und aus mir heraus zu gehen. Wobei mir nicht wichtig ist, im Mittelpunkt zu stehen. Ich möchte lediglich für Dinge eintreten, zu denen ich eine Meinung habe. Auch habe ich es immer als selbstverständlich angesehen, unserer Gemeinschaft etwas zurück zu geben und so zum Beispiel gerne Klavier vorgespielt oder Abendsprachen gehalten. Das wäre vor meiner Zeit hier undenkbar gewesen. Ich war sehr introvertiert und wusste gar nicht, wie ich auf andere zugehen kann.

Nun werde ich, beginnend mit einer Studienreise nach Italien, ein Jahr lang reisen. Ich wünsche mir, neue Leute kennen zu lernen, fremde Länder zu entdecken und mich neuen Herausforderungen stellen. Ich möchte auch auf jeden Fall nach Mexiko, um Spanisch zu lernen. Nun gilt es für mich eine kleine Weile nur das zu tun, was vorher Ausgleich zur Schule war. Im Anschluss daran werde ich mich dann wieder dem Lernen zuwenden: Nach vielem Hadern und Abwägen habe ich gemerkt, dass meine Begeisterung für Philosophie und Kunstgeschichte so groß ist, dass ich mich für diese Studienfächer entschieden habe. Allen mahnenden Vernunftstimmen zum Trotz, dass dies brotlose Kunst ist. Ich glaube fest daran, dass man sich in jedem Bereich durchsetzen kann, wenn man liebt was man tut und darin gut ist. Diese Entscheidung war nicht geplant von mir, denn ich war jahrelang fest davon überzeugt, dass ich Psychologie studieren werde. Schlussendlich habe ich dann aber festgestellt, dass man nicht alles im Leben planen kann und dass es am Ende sowieso immer anders kommt, als man gedacht hat. Die Hauptsache für mich ist, dass ich mit meiner Entscheidung glücklich bin und es sich richtig anfühlt.

Am allerwichtigsten ist für mich aber, das Erlernte bei zu behalten: In der Gegenwart zu leben und das Hier und Jetzt vollkommen zu genießen. Ganz und gar, das ist doch klar!

Anna
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