Am 09.01.2014 hat ein Autofahrer, der sein Handy der Straßenverkehrsordnung vorgezogen hat, mein Leben maßgeblich verändert. Seit diesem lebensbedrohlichen Autounfall bin ich Gehbehinderte mit chronischen Schmerzen. 

Durch das Unfallereignis sind mir nun körperliche Grenzen gesetzt. Diese kann ich nicht verändern, aber immer wieder ein bisschen verschieben. Dickköpfigkeit kann durchaus etwas Gutes haben! Auch meine Neugierde auf das Leben ist nach wie vor ungebremst.

Mein Wissensdurst ist sicherlich ein Hauptgrund dafür, warum ich meine Tätigkeit für die Rubrik „Ganz persönlich“ unserer Homepage so liebe. Es gib für mich nichts Schöneres als: Fragen zu dürfen. So verschieden die Menschen sind, so unterschiedlich fallen auch bei jedem einzelnen Gespräch die Antworten aus, ich liebe und genieße dies sehr! Auch werde ich jedes einzelne Mal beschenkt: Ich kann Reiseerinnerungen ein Stück weit miterleben, mir wird von tollen Büchern berichtet (die ich Viellesende dann allzu oft gleich auf der Rückfahrt vom Zug aus ordere!), freue mich als Sprachfanatikerin an noch nie oder lange nicht mehr gehörten Wörtern, darf gedanklich die Nase in fremde Kochtöpfe stecken und - das größte Geschenk von allen: Das mir entgegen gebrachte Vertrauen. Ich sehe mich als Protokollantin Ihrer Erinnerungen und verschriftliche einen kleinen Ausschnitt Ihrer Geschichte, Ihrer Person.

So ungeduldig ich im Alltag auch oft bin, beim Kochen kann ich alles um mich herum vergessen. Den Alltag kriege ich nicht immer klein, Gemüse & Co hingegen schon! Das Kleinschneiden, Abschmecken, das (mitunter wilde) Kombinieren von Geschmäckern, durch die Wohnung ziehende Düfte – all dies hat für mich etwas von Meditation. Auch das Eindecken des Tisches, der mit seinen 2,10 m aus alten Holzbohlen einen sehr zentralen Platz in unserer kleinen Altbauwohnung einnimmt, entspannt mich. Wenn sich dann noch meine beiden Kinder und / oder Freunde am Tisch einfinden und es allen mundet, stellt dies einen sich nie abnutzender Freudemoment dar.

Wirklich ganz & gar zur Ruhe komme ich an einem Ort, an dem ich so oft wie lebensmöglich bin: Die Nordseeinsel Amrum. Sobald ich von der Fähre aus den Leuchtturm sehe, fährt innerlich ein Fahrstuhl runter und ich bin glückl_ich. Als gebürtige Norddeutsche gibt es für mich nicht das falsche Wetter, sondern nur die falsche Kleidung! Auch wenn ich selbst leider nicht fließend Plattdeutsch (und schon gar nicht Friesisch!) spreche, ist es für mich mit einem tiefen Heimatgefühl verbunden, diesen Dialekt zu hören.

Die Finger an meiner rechten Hand sind selten ohne Tintenflecken anzusehen. Schreibe ich nicht gerade für das LSH, so pflege ich meinen Freundeskreis tatsächlich über Postkarten und Briefe.

Wann darf ich für Sie schreiben?

Kirsten Tavener
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