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Kirsten Tavener

Meine unbändige Neugierde auf Menschen ist sicherlich der Hauptgrund dafür, dass ich meine Tätigkeit für die Rubrik „Ganz persönlich“ unserer Homepage so sehr liebe. Es gibt für mich nichts Schöneres als: Fragen zu dürfen. So verschieden die Menschen sind, so unterschiedlich fallen auch bei jedem einzelnen Gespräch die Antworten aus – ich mag und genieße dies sehr! Zudem werde ich jedes einzelne Mal beschenkt: Ich kann Reiseerinnerungen ein Stück weit miterleben, mir wird von interessanten Büchern berichtet (die ich als Viellesende dann allzu oft gleich im Anschluss an die Gespräche ordere, es geht vergeht kein Tag ohne Buch vor meiner Lesebrille!), freue mich als Sprachfanatikerin an noch nie oder lange nicht mehr gehörten Wörtern, erfahre von spannenden Lebensentwürfen, darf gedanklich die Nase in fremde Kochtöpfe stecken und – das größte Geschenk von allen: Das mir entgegen gebrachte Vertrauen. Ich sehe mich als Protokollantin Ihrer Erinnerungen und verschriftliche einen kleinen Ausschnitt Ihrer Geschichte, Ihrer Person.

Es gelingt mir nun schon seit 46 Jahren nicht, die Geduld einzuholen, was wahrlich nicht daran liegt, dass ich aufgrund meiner Gehbehinderung (infolge eines lebensbedrohlichen Autounfalls Anfang 2014) nicht eben schnell zu Fuß bin! Allzu oft überholt mich meine Impulsivität, diesbezüglich (ver-) tröste ich mein Umfeld gerne mit der Aussicht auf Altersweisheit…Zur Ruhe komme ich während des Kochens, am Herd vergesse ich alles um mich herum. Den Alltag kriege ich nicht immer klein, Gemüse & Co hingegen schon! Das Kleinschneiden, Abschmecken, das (mitunter wilde) Kombinieren von Geschmäckern und Texturen, durch die Wohnung ziehende Düfte – all dies hat für mich etwas von Meditation. Zu meiner großen Freude teilen viele Altschüler diese Leidenschaft und so gab es schon lebhafte Korrespondenz zum Thema korrespondierende Weine! Auch das Eindecken des Tisches, der mit seinen 2,10 m aus alten Holzbohlen einen sehr zentralen Platz in unserer kleinen Altbauwohnung einnimmt, entspannt mich und so weist unser Küchenschrank eine schlichtweg unvernünftige Anzahl von Tellern verschiedenster Designs vor. Unser Esstisch ist nicht nur der Familien-Treffpunkt, sondern vielmehr auch Austragungsort unzähliger Erzähl-und Genussstunden, Arbeitsplatz, Schlemmerparadies, Diskussionsstätte, Veranstaltungsort und vieles mehr.

Wirklich ganz und gar zur Ruhe komme ich an einem Ort, an dem ich so oft wie lebensmöglich bin: die Nordseeinsel Amrum. Am Strand meines Lieblingsortes Nebel kann ich das, was mir im Alltag nur selten gelingt: Innehalten und einfach nur schauen. Als gebürtige Norddeutsche gibt es für mich nicht das falsche Wetter, sondern nur die falsche Kleidung! Auch wenn ich leider nicht fließend Plattdeutsch (und schon gar nicht Friesisch!) spreche, ist es für mich mit einem tiefen Heimatgefühl verbunden, diese Dialekte zu hören.

Die Finger an meiner rechten Hand sind selten ohne Tintenflecken anzusehen. Schreibe ich nicht gerade für das LSH, so pflege ich meinen Freundeskreis tatsächlich über Postkarten und Briefe.
Wann darf ich für Sie schreiben? Ich bin wirklich leicht einzuholen, halten Sie mich gerne an. Ich freue mich darauf!

im September 2020