50-prozent
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Lars van Almsick

Ich bin zu 99% spontan. Das eine „Minusprozent“ ist meiner Ausbildung zum Industriekaufmann geschuldet – in der Arbeitszeit kann ich ja nicht einfach alles stehen-und liegenlassen!
Tatsächlich ist das spontane Aufbrechen zu gemeinsamen Unternehmungen etwas, das ich in meiner Internatszeit lieben gelernt und mir seither bewahrt habe. Da mein persönliches Umfeld nach wie vor zum Großteil aus LSHlern besteht, haben wir im Anschluss an unsere Schulzeit diesen Teil unseres Miteinanders einfach nach Hannover exportiert! Nach wie vor verbringe ich nahezu alle meine Abende mit LSHlern, sei es auf ein Feierabendgetränk oder bei gemeinsamen Abendessen mit anschließendem Kartenspiel (häufig das Spiel „Durak“, das mir mal im Lion beigebracht wurde). Als LSHler kennt man ja überall jemanden und so kann es auch durchaus sein, dass wir binnen zehn Minuten beschließen, nach Hamburg aufzubrechen oder einer Einladung auf ein Glas Wein nach Köln zu folgen. Vor Kurzem sind wir in einem Anflug von Nostalgie kurzerhand ins Lion gefahren, um dort ein Bier zu trinken… Diese Form von Freiheit und Spontanität, die sicherlich manchmal mit einem Hauch von Verrücktheit unterlegt ist, kenne ich nur von LSHlern. Wahrscheinlich ist es ein Stück weit deswegen so, da es tagtäglich Bestandteil unserer Freizeitgestaltung war, auf kurzem Wege jemanden zu finden, der Lust hatte, etwas mitzumachen. Interessanterweise spielen nun die Jahrgänge keine Rolle mehr, unsere Gemeinsamkeit ist die Internatszeit – die nach wie vor bei unserem allwöchentlichen Donnerstags-Stammtisch Thema ist! Man erlebt Sachen ja nicht in der Unterrichtszeit, sondern gemeinsam mit anderen in der Zeit außerhalb der Schulstunden, natürlich schweißt das zusammen!
Streng genommen war schon mein Einstieg in das Internat Solling von großer Spontanität geprägt. Der Vorstellungstermin bei Frau Volger war an einem Samstag – am darauffolgenden Montag, also quasi „übermorgen“, bin ich nach Holzminden gezogen. Damit hatte nun wirklich niemand gerechnet, selbst meine Eltern haben mir im Nachhinein gesagt, dass es in ihren Augen eigentlich ein reiner Informationstermin war. Streng genommen gab es für mich keinen Grund, zu Hause auszuziehen und Hannover zu verlassen – ich wollte lediglich die Fächer für das Abitur wechseln! Doch war mir schon auf dem Rückweg klar, dass ich auf das Internat Solling gehen möchte. Eines steht mal fest: Mein Alltag wäre noch heute ein komplett anderer, hätte ich damals nicht diese so richtige Entscheidung getroffen!
Das breit gefächerte Freizeitangebot am Internat ist mir damals sehr entgegengekommen, ich habe am Internat Solling Hand- und Volleyball sowie Tennis gespielt und dank des mit Herrn Singer gemachten Bootsführerscheins ist Segeln mein derzeit liebstes Hobby. Aufgrund der vielen AG-Angebote hat man die wunderbare Möglichkeit, überhaupt erst Dinge zu entdecken, die man mag. Die sehr individuelle Förderung eines jeden einzelnen Schülers ist in meinen Augen der wichtigste Unterschied zu Staatsschulen. Da Meinungsbildung immer gefördert wurde und auch die Lehrer immer dafür offen waren, auf Augenhöhe mit uns zu diskutieren, kenne ich keinen LSHler, der anderen nach dem Mund redet. Auch habe ich nicht eine einzige Situation erlebt, in der ich mich gezwungen gesehen hätte, zu lügen oder in der ich angelogen worden bin.
Für mich war auch prägend, dass ich mit Jeffrey… aus Mexiko zusammengewohnt habe. Natürlich habe ich die Tagespresse mitverfolgt, doch haben die Schilderungen seines Lebensalltags mir diesen natürlich sehr viel nähergebracht, als es reine Lektüre ohne persönliche Bezüge jemals vermocht hätte. Dank meiner reisefreudigen Eltern habe ich schon viel von der Welt gesehen, bisher allerdings kein Land zwei Mal besucht. Es gibt so viel zu entdecken, da muss man meines Erachtens nicht zwei Mal an denselben Ort reisen – das könnte man, hätte man schon alles gesehen, was es zu sehen und zu erleben gibt!
Auch durch meinen unternehmungsfreudigen Freundeskreis bin ich viel unterwegs, umso wichtiger ist mir, in meiner minimalistisch gehaltenen Wohnung keinen mich bindenden Kram anzuhäufen. Lieber bewege ich mich frei und ungebunden! Vermutlich genieße ich eben wegen dieses Freiheitsgefühls das Paragliding (eine Leidenschaft, die ich mit meinem Vater und meinem Bruder teile) so sehr – der absolute Überblick in Kombination mit dem Gefühl von Schwerelosigkeit! So ich nachvollziehen kann, warum man ein Risiko eingeht, bin ich sofort dabei, das Erlebnis zu teilen – allerdings wiege ich aber trotzdem immer einen kurzen Moment ab, ob es das wert ist. Dies ist wohl Bestandteil zu meinem einen „Minusprozent“ an der hundertprozentigen Spontanität. Was ich zu 100% bin, das ist LSHler. Das war ich von meiner ersten Mittagsversammlung an, und ich kann mir mein Leben ohne diese Freundschaften überhaupt nicht vorstellen.