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Nadine Werner

Motoren faszinieren mich schon seit immer. Ich kann zwar nachvollziehen, dass manche Menschen vorbeirauschende Motorräder als „Lärm“ empfinden, nehme es aber selber als entspannendes Geräusch war, das in mir die Sehnsucht weckt, loszufahren. Ein eigenes Motorrad zu besitzen war schon seit vielen Jahren mein Traum – den ich mir vor zwei Jahren erfüllt habe. Auch wenn ich vollstes Vertrauen zu meinem Partner habe und auch wirklich gerne bei ihm mitfahre – selber den Gashebel aufzudrehen ist schon ungleich toller!

Dieses Stück Freiheit ist auch Bestandteil meines Ausgleiches zu meiner Tätigkeit als Leitung unserer Hauswirtschaft hier am Internat Solling: Ich schwinge mich gerne auf mein Motorrad, um den Kopf frei zu kriegen. Merke ich allerdings, dass mir dies nicht gelingt, so kehre ich um. Auch beim Sporteln kann ich gut abschalten (zwei Mal die Woche Fitness ist gesetzt), die täglichen Hunderunden mit unserem vierbeinigen Familienmitglied Aiden (der seit 10 Jahren bei uns ist und streng genommen mein erstes Baby war) sind eine liebe Pflicht, während der ich entspanne. Ich habe nicht immer so großen Wert darauf gelegt, mich zu bewegen, dies ist ein Resultat der dreijährigen Krankheit meines Mannes, der 2015 seinem Krebsleiden erlag. Diese Zeit hat mich gelehrt, mehr im Moment zu sein und Dinge auch mal liegen zu lassen – ein perfekter Haushalt ist nicht halb so wichtig wie Genusszeit und die richtige Balance im Leben! Sein Befund und mein positiver Schwangerschaftstest fielen mehr oder weniger in ein und dieselbe Woche. Wenn man mal so etwas mitgemacht hat, ist man umso dankbarer für das, was man hat: Gesundheit; ich habe einen tollen Sohn, einen wunderbaren Lebensgefährten, der meine Liebe zu Live – (Rock-)Konzerten (ganz besonders weit oben steht ACDC!) teilt, wir haben uns vor zwei Jahren den Traum eines eigenen Hauses erfüllen können und mein Job ist super. Ich könnte und wollte nicht ohne! Hier am LSH habe ich es sehr gut getroffen, ich genieße es, in der gesunden Mischung aus Menschenkontakt und administrativen Tätigkeiten in einem unglaublich schönen, gut funktionierenden Umfeld arbeiten zu können. Es freut mich, den jungen Menschen etwas für ihr späteres Leben mitgeben zu können – sei es, zu lernen, dass Wohnraum ordentlich gehalten werden muss oder sich an Uhrzeiten zu halten. Wenn sie vergessen haben, ihre Wäsche zur rechten Zeit abzuholen, dann ist es halt mal so. Sobald sie später alleine wohnen, müssen sie ja auch an ihre Haustürschlüssel denken! Die halbe Stunde Fahrzeit pro Weg nutze ich, um auf dem Hinweg zum Internat den Tag durchzudenken und zu planen, auf dem Rückweg schalte ich ab. Das bedeutet im Umkehrschluss für die Schüler, dass sie mich (die im Zweifelsfall eher ein Auge zudrückt und ihnen Dinge ermöglicht) in dringenden Fällen anschreiben dürfen, ich aber nicht wegen jeder Kleinigkeit für sie auf der LSH-Matte stehe!

Die Entscheidung für eine Tätigkeit im hauswirtschaftlichen Bereich ist meiner Leidenschaft für das Backen und Kochen geschuldet. Auch mein Lebensgefährte kann sich für gutes Essen begeistern und so kann man guten Gewissens „Essen gehen“ als gemeinsames Hobby von uns bezeichnen! Mein Sohn Jonathan und ich backen oft miteinander – es ist schon gut, dass ich gerne Sport mache! Auch diesbezüglich habe ich die richtige Balance gefunden.