Terminkalender

Zum Gedenken an den Ausbruch des 1. Weltkriegs vor 100 Jahren

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Joachim Schüttes Abendsprachen haben es in sich. Sie sind nicht nur Dokumente umfassender geschichtlicher Bildung, sondern haben stets auch das Hier und Heute, die gegenwärtige Situation der Zuhörer im Blick. Am gestrigen Sonntag sprach der stellvertretende Schulleiter über das Attentat vom 28. Juni 1914 auf den österreichischen Erzherzog und habsburgischen Thronfolger Franz Ferdinand in Sarajevo. Dieses gilt als Auslöser für den 1. Weltkrieg, der gut einen Monat später ausbricht. Er soll die „Urkatastrophe des XX. Jahrhunderts“ werden, 17 Millionen Todesopfer fordern und eine ungeheure Brutalisierung und furchtbare Kräfte hervorbringen, die für den Rest des Jahrhunderts die Welt heimsuchen sollten.

Aber der stellvertretene Schuleiter erzählt den Schülern eben nicht nur detailliert von den historischen Umständen und den Fakten, die zu alldem geführt haben. Er beginnt die Abendsprache mit Zitaten aus dem Werk Stefan Zweigs. Der großartige österreichische Schriftsteller beschreibt in seiner Autobiographie die Welt vor 1914 als das goldene Zeitalter der Sicherheit: „Alles in unserer fast tausendjährigen österreichischen Monarchie schien auf Dauer gegründet und der Staat selbst der oberste Garant dieser Beständigkeit. (...) Niemand glaubte an Kriege, an Revolutionen und Umstürze. Alles Radikale, alles Gewaltsame schien bereits unmöglich in einem Zeitalter der Vernunft.“

Wie sehr er sich geirrt hat, weiß Zweig damals schon. Er formuliert es so: „Heute wissen wir endgültig, daß jene Welt der Sicherheit ein Traumschloß gewesen. Aber doch, meine Eltern haben darin gewohnt wie in einem steinernen Haus.“ Stefan Zweig nimmt sich in der Nacht vom 22. auf den 23. Februar 1942 mit seiner Frau Lotte das Leben, wenige Tage nachdem er seine Biographie abgeschlossen hat.

Joachim Schütte will mit seinem Vortrag verdeutlichen, auf wie dünnem Eis wir gehen und wie gefährdet auch 100 Jahre später Zivilisation, Frieden und Sicherheit sind. Die Kriege auf dem Balkan und die Konflikte in Georgien lägen noch nicht lange zurück und auch die aktuelle Situation in der Ukraine erinnere ihn an die Zeit vor 1914. Er endet mit den Worten: „Wenn es möglich ist, aus der Geschichte zu lernen, so sollten wir vor allem das lernen: dass das, was wir für ein Haus aus Stein halten, sich als Traumschloss erweisen kann, wenn wir allzu sorglos darin wohnen.“

Kategorie: Aktuelles, Abendsprachen   Start: Sonntag, 29. Juni 2014   19:00   Ende: Sonntag, 29. Juni 2014   19:30   Event-Export: Als iCal-Datei herunterladen

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Sandra Knecht
PR und Marketing

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