Terminkalender

Geschichte wird lebendig...

Internat-Solling-Friewi-Schueler

Wenn Menschen aus ihrem Leben berichten und von Zeiten und Ereignissen erzählen, die wir alle aus den Geschichtsbüchern kennen, wird Geschichte plötzlich ganz lebendig. So geschehen, als „Frie Wi“ von Hase bei uns in der Hohen Halle zu Gast war. Der Altschüler ist der Sohn des Widerstandskämpfers Paul von Hase, der zum Kreis der „Attentäter“ des 20. Juli 1944 gehört und auf ausdrücklichen Befehl Hitlers zum Tod durch Erhängen verurteilt wurde.
Friedrich-Wilhelm von Hase wurde 1937 geboren und als Siebenjähriger im Sommer `44 – nach dem missglückten Attentat auf Hitler - in ein Kinderheim in Bad Sachsa im Harz gebracht. In der Abendsprache (und in einem Interview in der aktuellen Giftschonung auf Seite 72ff.) stellt er sein Buch „Hitlers Rache: Das Stauffenberg-Attentat und seine Folgen für die Familien der Verschwörer“ vor. Er berichtet von der Nacht, in der er von der Gestapo geweckt und aus dem Hause seiner Tanten auf dem Land verschleppt wurde: „Niemand wusste, wo ich war.“ Wenngleich er sich nicht an körperliche Gewalt oder Züchtigung erinnern könne, so wisse er eines sicher, dass die Folgen dieser Haft doch so waren, dass er lange Zeit nicht darüber sprechen konnte.
Frie Wi, der als klassischer Archäologe viele Jahre in Italien gelebt hat, erzählt den Schülern und anderen geladenen Gästen in der Abendsprache außerdem von seinem Besuch in dem Gebäude, in dem sein Vater und die anderen Verschwörer das Todesurteil durch Freisler empfangen hatten. Für eine Dokumentation, die das ZDF anlässlich des 70. Jahrestages des Stauffenberg-Attentats gedreht hatte wurde er ins Kammergericht Berlin-Schöneberg gebeten, dem ehemaligen Volksgerichtshof. Mit dem Kamerateam ging er in den imposanten Saal im ersten Stock und stellte sich an die Stelle, an der sein Vater gestanden haben muss, als er verurteilt wurde. Im Interview in der Giftschonung wird er Clementine Kuckei später sagen, dass er in diesem Raum besonders stolz auf seinen Vater gewesen sei: „weil ich mir vorstellen kann, unter welchem extremen Druck er da steht. (...) und er bewahrt Haltung.“
In seinem Buch schildert der 77-Jährige, welche Folgen es für die Familie hatte, dass Vater Paul am 20. Juli 1944 das Regierungsviertel abriegeln ließ und somit zum engsten Kreis der Widerstandskämpfer gehörte: „Hitler wollte Rache an den Familien.“ Zur Rechenschaft seien auch vollständig Unbeteiligte gezogen worden, nur weil sie Namensträger waren, das heißt zur „Sippe“ eines der „Verräter“ an „Führer und Volk“ gehörten. Und auch innerhalb der Familie drohten Konsequenzen; Paul von Hases ganze Familie wurde aus dem Familienverband ausgeschlossen – Georg von Hase, der Vorsitzende des Familienverbandes sagte damals: „So etwas macht man nicht!“ Und auch wenn es später eine Versöhnung gab: „So etwas vergisst man nicht ganz“, weiß Frie Wi von Hase.
Im Anschluss an die Abendsprache in der Hohen Halle baten Frau von Nerée und Achim Schütte noch zu einer Gesprächsrunde in die Teestube, zu der zahlreiche Schüler erschienen. Vor allem der Geschichts-LK von Anja Ruppert war gut vorbereitet und stellte Fragen, die zum Teil sehr persönlich waren und deren Antworten den Schülern die Erlebnisse der damaligen Zeit sehr viel näher brachten, als es Texte eines Schulbuches können..

Internat-Solling-Friewi-von-Hase




 

Kategorie: Aktuelles, Abendsprachen, UNESCO   Start: Sonntag, 31. August 2014   19:00   Ende: Sonntag, 31. August 2014   21:00   Event-Export: Als iCal-Datei herunterladen

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Sandra Knecht
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