Terminkalender

Bäume, Band und blauer Himmel – Altschülertreffen 2014

Internate-Deuschland-Unterhaus-1

 

Es gab zahlreiche Protagonisten an diesem goldenen Oktober-Wochenende im Solling - der oft wolkenlose Himmel war sicherlich einer von ihnen. Bei angenehmen Temperaturen feierten rund 300 Altschüler und Schüler, Lehrer und andere Angestellte am 11. und 12.10. wieder das jährliche Altschülertreffen im Internat Solling. Um 11 Uhr versammelten sich alle zum ersten Mal vor dem Unterhaus und wurden von Martin Wortmann in robusten grünen Gummistiefeln zur großen Baumpflanz-Aktion eingeladen. Oberhalb des Schulgeländes warte eine große Freifläche nur darauf, beackert zu werden. Und obwohl der Weg z.T. ziemlich matschig war, zogen zahlreiche Arbeitswillige und Schaulustige los, um 100 Linden, Erlen, Ahorne und Buchen zu pflanzen. Für die Fußkranken hatte Handwerker-Chef Andreas Traue einen Anhänger hinter seinen Trecker gespannt, damit auch sie die Aktion verfolgen konnten. Besonders erwähnenswert ist hier, dass der Abi-Jahrgang 1974 einen Feldahorn gestiftet hatte, der im Gegensatz zu den anderen 99 „Jung-Bäumen“ schon eine stattliche Größe aufwies. Mit vereinten Kräften hoben und zogen die `74er ihren Baum in Stellung, gruben ihn ein, um dann festzustellen, dass sie vergessen hatten, das Transportnetz zu entfernen. Unter Gelächter vertagte man das Problem und übergab es vertrauensvoll an Martin Wortmann, dem sicher eine Lösung einfiele, wie der Baum seinen Transportschutz in 5 m Höhe loswerden könne. Aber auch die anderen Bäume fanden ihre Plätze. Kraftvoll und engagiert huben Schüler und Altschüler mit den roten LSH-Spaten gemeinsam Löcher aus und setzten die Pflanzen. Ein gelungener Auftakt zu einem großartigen Wochenende.

Und wer arbeitet, bekommt Hunger. Daher freuten sich die Gäste auf das deftige Mittagessen um 13 Uhr im Musenhof. Drei verschiedene Eintöpfe – Kartoffelsuppe, Linsensuppe und Gulasch – hatte das Küchenteam um Küchenchef Heit gezaubert, mit saftiger Wursteinlage und kräftigem Graubrot schmeckte es phantastisch! Die Sonne hatte sich den Himmel erobert und strahlte mit den Altschülern um die Wette. Als süßes Finale gab es dann noch Kaffee und Kuchen; viele aber kauften ihren Nachtisch vor dem Mittelhaus. Schüler der X. Klasse hatten dafür fleißig Äpfel gesammelt und einen köstlichen Kuchen gebacken. Der Erlös geht wieder an unsere Partnerschule in Peru. Aber nur in der Sonne sitzen und sich alte und neue Geschichten erzählen, gilt für unsere Altschüler natürlich nicht. Viele zog es in die Schmiede, in der Blätter für den Namensbaum geschmiedet werden konnten. Schmied Brödlau und sein Schülerteam halfen nicht nur beim Schlagbuchstaben-Suchen und Hämmern, sondern standen an Esse und Schleifstein bereit, um frisch geschmiedete Messer zu wetzen, Kohle nachzuladen oder Auskunft über die Schmiede-AG zu geben.

Um 15 Uhr ging es zur Mitgliederversammlung des LSH-Bundes. Von den rund 800 Mitgliedern waren gut 100 anwesend. Nach einer Begrüßung durch den scheidenden Vorstand Friedel Martiny ging es um Formalitäten wie die Genehmigung des Protokolls, den Kassenbericht und die Entlastung des Vorstandes. Auf Antrag eines Mitglieds sollte dann noch einmal über den Lehmann-Gedenkstein diskutiert werden. Zu dieser Sache verlas Frau Volger dann ein Statement der Schulleitung, mit dem sie erklärte, wieso der Stein für den Moment entfernt und bis auf weiteres eingelagert worden sei. Es werde eine wissenschaftliche Forschungsarbeit zum LSH in der NS-Zeit in Auftrag gegeben und danach anhand der Ergebnisse entschieden, wie weiter zu verfahren sei und wo und in welcher Weise der Stein wieder aufgestellt werde. Trotz sorgsam gewählter Worte fühlte sich ein kleiner Teil der Altschülerschaft nach wie vor verletzt durch den Umgang mit dem Denkmal. Es gab einen zum Teil sehr emotionalen Austausch zum Thema, den Jürgen von Both souverän und sensibel moderierte.

Der nächste wichtige Tagesordnungspunkt war, dass Friedel Martiny nach vier aktiven Jahren sein Amt als Vorstand des LSH-Bundes abgeben wollte. Frau Volger übernahm noch einmal das Wort und dankte ihm vor allem für seine Initiativbereitschaft und sein stetes Engagement für das Internat. Nur stellvertretend für vieles nannte sie die Bewerbung zur Mint-Exzellenz-Schule und die Berufsorientierung, die er mit Kontakten, Abendsprachen und auch finanziell unterstützt habe. Und obwohl die Zeit nicht reiche, alle Aktivitäten des Friedel Martiny aufzuzählen, wollte sie es nicht versäumen, auf sein musikalisches Engagement hinzuweisen und klarzumachen, dass sie auch in Zukunft nicht auf die Auftritte seiner Band verzichten wollte. Symbolisch für die tiefe Verbundenheit des Internates mit ihrem ehemaligen Altschüler-Vorsitzenden bekam er dann einen Holzbausatz des Oberhauses geschenkt, den die Schüler in der hauseigenen Tischlerei für ihn angefertigt hatten. Jürgen von Both, als sein nominierter Nachfolger, schloss sich dem Dank an und überreichte ihm eine Playmobil-Bühne, die dasselbe ausdrücken sollte: Friedel, bleib dem Internat erhalten mit deiner Offenheit und deiner Herzenswärme, deinem Tatendrang und deiner Musik! Anschließend wurde der neue Vorstand und der neue Beirat gewählt. Da sich genauso viele Kandidaten zur Wahl gestellt hatten, wie gewählt werden konnten, ergab sich ein recht einfaches Bild: Jürgen von Both übernimmt den Staffelstab des Vorsitzenden, Christian Dustmann wird sein Nachfolger als Stellvertreter. Klaus Steinmann bleibt Kassenwart, und in Abwesenheit wurde Gustav von Wedemeyer, der erst vor kurzem Abitur gemacht hat und damit noch nah an den Schülern ist, ebenfalls in den Vorstand gewählt.

Den positiven Abschluss machte Sofie Albert-Meisieck mit ihrem Bericht zum Altschülernetzwerk und zum Fundraising.. Sie dankte den vielen großzügigen Gebern, denen es gelungen sei, die magische Zahl von zwei Millionen Euro an Spenden zusammenzutragen. Besonders hob sie die LSH-Stipendienstiftung hervor. Dank der Altschülerspenden könnten aktuell 15 Stipendiaten gefördert werden, deren Anwesenheit die Schule sehr bereichere. Für die Zukunft erhoffe sich die Schule mindestens 300.000 Euro pro Jahr, mit denen 20 Stipendien finanziert werden könnten.

Ein wenig später als die avisierten 17 Uhr, stand die Versammlung und feierliche Eröffnung des Unterhausflures mit der neuen Galerie der Jahrgangstafeln auf dem Programm. Auch dieser Flur wurde nach den Vorgaben des Eulenburg-Programmes in den Sommerferien renoviert und präsentierte sich den neugierigen Gästen in neuen Farben. Ganz in mint, bleu und grau wirkt er ruhig und elegant und eröffnet ganz neue Perspektiven und Blickwinkel. Sehr gelungen sind auch die messingfarbenen Jahrgangstafeln. Einige zieren bereits die Namen ihrer Abiturienten, andere warten noch auf die vollständige Finanzierung durch ihre Sponsoren.

Gut gelaunt ging man nahtlos zum Aperitif über, der wegen der spätsommerlichen Temperaturen draußen stattfand, und nur wegen der Verlockungen aus den Speisesälen ein Ende fand. Dem Altschüler Bernd Gisy ist der köstliche Wein zu verdanken, der ausgeschenkt wurde. Er hatte ihn eigens für das Altschülertreffen aus Italien mitgebracht und gespendet. Wieder tischte das Küchenteam Großartiges auf. Pikant gefüllte Röllchen, kunstvolle Lachs-Türmchen, eingelegtes Gemüse und einiges Köstliches mehr befand sich auf den bunten Platten, die auf die Gäste warteten. Aber auch der nächste Programmpunkt wartete bereits und so brachen alle auf in die Hohe Halle, wo das Theaterstück „Der grüne Kakadu“ aufgeführt wurde, den das Seminarfach Theater mit Friederike Thimm einstudiert hatte. Das groteske Stück von Arthur Schnitzler entstand 1898 und spielt am Abend der französischen Revolution in Paris; es thematisiert die Ununterscheidbarkeit von Wahrheit und Lüge, Schein und Sein. Realität und Spiel vermischen sich im Schauspiel der Schüler und inszenieren das Leben als ständiges Maskenspiel.

Und auf noch einen wartete an diesem Abend eine große Show: Friedel Martiny in einer seiner Lieblingsrollen - als Bassist der Band „Frie & Friends“. Der Vorhang war gerade gefallen, da kamen schon die ersten Töne von der eindrucksvollen Bühne, die unterhalb des Musenhofes aufgebaut war. Und sie verklangen erst weit nach Mitternacht! Bis dahin spielten die Männer auf der Bühne einen Song nach dem anderen und erfreuten damit nicht nur die älteren Altschüler, sondern rockten auch das Jungvolk vor der Bühne... Dieses zog es dann später auch in die Disco, in der noch bis weit in die Nacht aufgelegt wurde. Die anderen genossen den fast noch lauen Abend im Freien mit alten Freunden und guten Gesprächen.

Für den nächsten Morgen hatte der LSH-Bund eine Morgensprache organisiert, die die älteren und jüngeren Zuhörer trotz der für vielen kurzen Nacht zum Nachdenken anregte. Dr. Anke Martiny, die Schwester von Friedel Martiny, sprach als Vorstandsmitglied von Transparency International e.V. zum Thema Korruption und fragte, ob diese unsere Gesellschaft kaputt mache. Anhand anschaulicher Beispiel machte sie deutlich, das dieses Thema keineswegs ausschließlich in Südamerika oder Afrika beheimatet sei, sondern auch hier in Deutschland stattfinde. Dr. Martiny erklärte in klaren Worten, was man überhaupt unter dem Begriff ‚Korruption’ zu verstehen habe und welche Tatbestände unter dem Begriff zu subsumieren seien. Der Grad sei oft schmal zwischen Nachbarschaftshilfe und Bestechung. Sie erläuterte den interessierten Zuhörern, wie die Strukturen von Transparency International aussehen, welche Tätigkeitsfelder es gebe und wo jeder einzelne ansetzen könne, gegen Korruption zu kämpfen. Sie forderte die Zuhörer auf, eine Fehlerkultur zu entwickeln: „Eine Gesellschaft muss Fehler machen dürfen, muss diese als solche erkennen und es beim nächsten Mal besser machen wollen.“ Ihrem Vortrag folgte eine angeregte Fragerunde und ein langer Applaus.

Das Rahmenprogramm zum Vortrag lieferte einmal mehr der Pianist Bastian Kopp (der schon am Vorabend mit Friedel Martiny auf der Bühne gestanden hatte) mit einem launigen Song von Peter Alexander „Der Papa wird’s schon richten“, das er Friedel Martiny widmete, und den beiden nachdenklicheren Liedern „Der Kämpfer“ und „Vom Wert des Menschen“ von Georg Kreisler. Wie immer bekam auch er einen langen, verdienten Applaus.

Und nach anderthalb gelungenen Tagen stand nun mit dem gemeinsamen Mittagessen – in alter Tradition Schweinebraten, Rotkohl und Kartoffeln - der letzte Programmpunkt an. Altschüler und Schüler saßen zusammen an den langen Tafeln in den Speisesälen und manch einer wurde schon ein bisschen melancholisch, weil wieder ein Altschülertreffen zu Ende ging...

Das letzte Wort hatte dann Frau Volger bei der Abschiedsversammlung. Sie fand, dass ein besonders schönes Altschülertreffen zu Ende gehe. Vor allem die Baumpflanzaktion habe ihr gefallen, weil sie so ein wunderbares Zusammenspiel von alten und jungen Altschülern und Schülern gewesen sei. Außerdem der Samstagabend: ein Highlight! Und auch das Wetter habe seinen Beitrag geleistet. „Es war ein großes Familienfest!“ beschließt sie das Wochenende. Eines, bei dem es wie in jeder guten Familie auch mal Spannungen geben dürfe. „Wichtig ist nur, dass wir uns am Ende die Hände reichen können! Und das tun wir!“

 

Kategorie: Aktuelles, Altschülertreffen   Start: Samstag, 11. Oktober 2014     Ende: Sonntag, 12. Oktober 2014     Event-Export: Als iCal-Datei herunterladen

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Sandra Knecht
PR und Marketing

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