Terminkalender

MINT-Exkursion zum Science Festival

InternateinDeutschland Science Lab 1

 

Fruits of curiosity

Das XLab (www.xlab-goettingen.de) hat Schüler zum 11ten Male nach Göttingen zum „Science Festival“ eingeladen – und das Internat Solling ist dem Ruf gefolgt.
Am Mittwoch besuchte der Leistungskurs Biologie Stufe 11 mit Frau Dr. Tanja Wegelin und Herrn Dr. André de Kathen den Vortrag der Nobelpreisträgerin Ada Yonath (http://de.wikipedia.org/wiki/Ada_Yonath), die 2009 den Chemie-Nobelpreis für die Aufklärung der Struktur und Funktion von Ribosomen. Die Ribosomen, kleine molekulare Maschinen, dienen in allen Zellen aller Lebewesen dazu die Werkzeuge zu produzieren, die Lebewesen für den Erhalt ihrer Lebensfunktionen benötigen … und nebenbei sind sie der Angriffsort für mehr als 20 verschiedene Antibiotika. Deren Bedeutung wurde uns noch einmal vor Augen geführt, als Ada Yonath eine Reihe bekannter Köpfe vorstellte, die ihr Leben vorzeitig verloren, weil es noch keine Antibiotika gab … von Mozart bis Chopin, von Kafka bis Orwell.

Frau Yonath, mittlerweile 75, begann mit einem Zitat Albert Einsteins: „Ich habe kein besonderes Talent. Ich bin nur leidenschaftlich neugierig.“ und führte dann, in gemäßigtem Tempo durch die auch den Schülern bekannten Funktionen der Ribosomen … um dann allerdings das Tempo anzuziehen und mit einem Feuerwerk aus beeindruckenden Bilder und Videoclips ganz tief in die molekulare Basis allen Lebens einzudringen. Wenn wir auch nicht jedes Wort verstanden haben, der Vortrag war natürlich in englischer Sprache, so wurde doch klar, dass es in ihrer Arbeit um die Aufklärung ganz fundamentaler Lebensprozesse ging, die z. B. für die Entwicklung völlig neuer Antibiotika überaus hilfreich waren und sind.
Vielleicht die wichtigste Botschaft stand am Schluss dieser „Nobel-Lecture“, als Ada Yonath einige Familienfotos („Grandma of the Year“) und ihre Arbeitsgruppe vorstellte – meist Frauen mit 2-3 Kindern. Ihre „message“: Kind und Karriere, Familie und Forscherinnendasein, liebevolle Mutter und Nobelpreis – das sind keine Gegensatzpaare … vielleicht aber auch der Grund dafür, warum Frau Yonath am Dienstagabend aus Israel anreiste um nach dem Vortrag wieder dorthin zurück zu fliegen.

Vom Kleinsten ins Tiefste
Der zweite Tag des 11ten XLab Science Festivals gehörte ausgewählten Schülern der Stufe 10 sowie dem Chemie-Kurs Stufe 11 von Frau Dagmar Peters. Claudia Steinem, Professorin an der Universität Göttingen, beschäftigt sich mit der Struktur und Funktion biologischer Membranen. Was zunächst klingt wie die langweilige Überschrift eines Biologie-Lehrbuchs, entwickelte sich dann aber zu einer Mischung aus Nanotechnologie, synthetischer Biologie und Science-Fiction. Die Arbeitsgruppe in Göttingen stellt diese Membranen (kleine Fettfilme, ähnlich einem schillernden Ölfilm auf einer Wasserfläche) selbst her, kann deren Zusammensetzung variieren und die Funktion einzelner Kanalproteine untersuchen, die sowohl bei der Weiterleitung von Nervenimpulsen als auch bei der Krebsentstehung eine Rolle spielen. Und das alles im Picoliter-Maßstab (Billionstel-Liter), also in Volumina, die im Verhältnis zum Inhalt einer Milchtüte so winzig sind wie ein paar Flaschen Mineralwasser zum Bodensee. Im zweiten Vortrag erläuterte der Gründungsdirektor des DeutschenGeoForschungsZentrums in Potsdam, Professor Emmermann (http://de.wikipedia.org/wiki/Rolf_Emmermann), was sich hinter dem Begriff „Fracking“ verbirgt, der insbesondere durch Filme wie „Gasland“ (brennende Wasserhähne) auch in Deutschland zu großer Skepsis und Verunsicherung geführt hat. Professor Emmermann ist ebenfalls Präsidiumsmitglied der Deutschen Akademie der Technikwissenschaften (acatech), war Projektleiter des „Kontinentalen Tiefbohrprogramms“ und stellte die wissenschaftliche Seite von Fracking dar. Dabei handelt es sich um ein Verfahren, in dem mittels einer Mischung aus Sand, Wasser und einem Verdickungsmittel in über 1000 m Tiefe kleine Risse im gasführenden Schiefergestein erzeugt werden, wodurch das Gas dann entweichen und an der Oberfläche aufgefangen werden kann. Emmermann machte deutlich, dass es keine Technologie ohne Risiko gibt, die in einigen Medien propagierten Risiken aber jeder wissenschaftlichen Grundlage entbehren – man muss diese Ansicht nicht teilen, aber es wurde auch den Schülern klar: sich eine fundierte Meinung zu bilden ist ein wichtiges, sicher auch ein spannendes aber manchmal eben auch ein recht mühsames Geschäft.

Übrigens: der Film Gasland wird aufgrund der sachlichen Fehler im Deutschen Fernsehen nicht mehr gezeigt – aber bei youtube: https://www.youtube.com/watch?v=jV-bENteDiE Mehr Informationen zum Fracking in Deutschland bei acatech: http://www.acatech.de/de/projekte/laufende-projekte/hydraulic-fracturing-eine-technologie-in-der-diskussion.html


Text und Foto: Dr. André de Kathen

 

 

Kategorie: Aktuelles, MINT   Start: Mittwoch, 28. Januar 2015     Ende: Donnerstag, 29. Januar 2015     Event-Export: Als iCal-Datei herunterladen

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Sandra Knecht
PR und Marketing

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