Terminkalender

Joachim Schütte zum Holocaust-Gedenktag 

Abendsprache 27 Januar Internat Solling

 

Jedes Jahr hält Joachim Schütte anlässlich des Holocaust-Gedenktages eine Abendsprache, jedes Jahr beleuchtet er einen anderen Aspekt des unvorstellbaren Grauens der Shoa, jedes Jahr aufs Neue bedrückend. Letztes Jahr sprach er in der Hohen Halle von Nicht-Juden, die Juden retteten, vor zwei Jahren sprach er über die wenigen Opfer, die den Tag der Befreiung erlebten. Dieses Mal spricht er von Tätern, die die Juden ermordeten. Nicht von allen und auch nicht von der SS, die das Bild bestimmen, das wir mit der Ermordung der Juden in den Konzentrationslagern verbinden.

„Schon vorher und parallel dazu“, so Schütte, „ wurden mehr als 1 Million Juden von sogenannten „Einsatzgruppen“ erschossen. Insgesamt ungefähr 50.000 Deutsche haben das in Polen und der Sowjetunion getan – und die wenigsten davon waren SS-Männer.“
Man weiß oft wenig über sie, weil es in den Jahrzehnten nach 1945 in der Bundesrepublik nur selten eine juristische Verfolgung der Nazitäter gab. Über eine Einheit dieser Einsatzgruppen aber weiß man aber recht gut Bescheid, da hier unter der Federführung der Hamburger Staatsanwaltschaft von 1962 bis 1972 der Prozess gemacht wurde: Das Reservepolizeibatallion 101 bestand aus etwa 500 Männern, überwiegend Familienvätern aus Hamburg, die ihrer politischen Gesinnung nach zumeist Sozialdemokraten waren. „Ganz normale Männer“, sagt Schütte in Anlehnung an den Titel einer Monographie von Christopher Browning, und doch wurden sie zu Tätern.
Am 13. Juli 1942 sollten sie zum ersten Mal jüdischen Männer, Frauen und Kinder im Wald von Jozefow erschießen. Dem befehlshabenden Major sei der Befehl wohl nicht leichtgefallen, so steht es in den Prozessakten, und er machte seinen Männern ein überraschendes Angebot: Wer sich der Aufgabe nicht gewachsen fühle, möge vortreten.

12 Männer von 500 tun dies nach einem kurzen Moment der Stille und werden ohne weitere Konsequenzen von der Aufgabe entbunden und später zum Küchendienst eingeteilt. „Warum waren es nur so wenige?“ fragt der Geschichtslehrer. Tatsächlich gebe es keinen einzigen Beleg dafür, dass im Nationalsozialismus solche Verweigerer riskierten, selbst erschossen zu werden, auch wenn dies nach 1945 immer wieder behauptet worden sei.
Er erzählt den Schülern von der extremen These des Historikers Daniel Jonah Goldhagen, dass die Täter gemordet hätten, weil sie Juden ermorden wollten, da es bei den Deutschen einen „eliminatorischen Antisemitismus“ gegeben habe Diese These tauge aber seiner Meinung nach nicht zur Deutung dessen, was in Jozefow geschah. Eher sei es wohl fehlende Zeit zum Nachdenken, Feigheit und Konformitätsdruck gewesen, was die Männer zu Mördern habe werden lassen. „Eindeutig ist, dass den Polizisten die Sorge um das eigene Ansehen bei den Kameraden wichtiger war als irgendein Gefühl menschlicher Verbundenheit mit den Opfern“, weiß der Vortragende, der einige Aussagen aus dem Prozess wiedergibt.

Am Ende stellt Joachim Schütte beunruhigt fest, dass Menschen schon dadurch zu Mördern werden können, dass sie einem totalitären System nichts Eigenes und Wesentlicheres entgegenzusetzen haben. „Wer dem ethischen Relativismus verfällt, die klare Unterscheidung von Gut und Böse nicht mehr für wesentlich hält, kann zu allem benutzt werden. In den finstersten Zeiten findet er sich dann als Mitglied eines Erschießungskommandos wieder.“

Kategorie: Aktuelles, Abendsprachen   Start: Sonntag, 27. Januar 2019   19:00   Ende: Sonntag, 27. Januar 2019   19:30   Event-Export: Als iCal-Datei herunterladen

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Sandra Knecht
PR und Marketing

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