50-prozent
Skip to content

Da wir ländlich wohnten, war es in unserer Familie Tradition, dass die Kinder Internatsschüler wurden, um ihnen lange Fahrtzeiten zu ersparen (insgesamt waren acht Familienmitglieder Schüler am Internat Solling). Ich hatte nie wirklich Heimweh, am LSH war ja immer etwas los! Auch wenn ich nur in der Schützenzeit von 1947 bis 1950 Schülerin des Internat Solling war, so profitiere ich noch heute von damals Erlerntem.

So habe ich zum Beispiel in meiner Holzmindener Zeit meinen Freischwimmer gemacht, Tischtennis gespielt, gute Anleitung zur Gartenarbeit erfahren und auch wenn Handarbeiten mich nicht wirklich erfreuen, so kann ich sie dank meiner Zeit am Internat recht ordentlich ausführen! Neben dem Zusammenleben mit Gleichaltrigen hatte das Internat schon damals viel zu bieten, was ein städtisches Gymnasium nicht konnte. Diese Jahre waren ein guter Start für mich! Mich beeindruckt noch heute, dass Rücksicht darauf genommen wurde, dass ich Vegetarierin war und bin. Da mein Vater der Mazdaznan-Glaubensbewegung angehörte und meine Mutter schlichtweg „keine Leichenteile auf dem Teller haben wollte“, sind wir Kinder fleischlos aufgewachsen – was für damalige Zeiten ja eher ungewöhnlich war. Ausgefressen haben wir nicht viel. Einmal habe ich mich beim Mittagessen nicht gut betragen und zur Strafe ließ mich Dr. Triloff dreimal ums Unterhaus laufen. Toll war, dass wir ab und zu in der Badewanne von Muhme Lehmann planschen durften und – die wohl verrückteste Begebenheit meiner Internatszeit: Aufgrund eines Wasserschadens gab es für ein paar Tage kein Wasser im Vorwerk und im Altbau. Da wurde kurzerhand ein Donnerbalken über den Hasselbach gelegt und wir haben dort…balanciert. Das kann man sich heutzutage gar nicht mehr vorstellen!

Vermutlich wäre ich länger Internatsschülerin geblieben, doch zog meine Familie nach Stuttgart um. Das war natürlich spannend, als Backfisch in eine größere Stadt zu kommen! So habe ich meine Zeit am LSH als eine sehr schöne abgespeichert, aber nie großartig den Kontakt aufrechterhalten. Ich lebe sehr gerne im Hier und Jetzt.

Nach meiner Schulzeit war ich als Au Pair in England und habe anschließend in Paris eine Sprachschule besucht. Im Anschluss ging ich die Handelsschule in Hannover und habe dann in der Holzwarenfabrik meines Vaters gearbeitet, bis ich meinen Mann im Ruderclub Bodenwerder kennen lernte. Ich wurde Hausfrau und Mutter zweier Kinder. Mein Mann war ein tüchtiger Geschäftsmann und wir konnten früh viele tolle Reisen unternehmen – wir haben unser Leben genossen!

Nun wohne ich in einer kleinen, schönen Wohnung in Holzminden, höre gerne klassische Musik (die ich in meiner Zeit am LSH kennen und schätzen gelernt habe) und lese viel.

Freuen kann ich mich über meine Familie, die sich um einen großartigen Enkel vergrößerte.

Es ist schön, dass sich das LSH so fantastisch entwickelt hat. Ich wünsche ihm und allen LSHlern weiterhin alles Gute.

im Februar 2020