Für mich als Zirkuskind („Charles Knie“) waren die sieben Jahre auf dem Internat Solling die ersten, in denen ich ein im wahrsten Sinne der Worte „festes Zuhause“ und jeden Tag denselben Baum vor meinem Fenster hatte.
Nun beginne ich in Anschluss an mein Abitur am LSH mein Studium. Ich kann gar nicht in Worte fassen, wie dankbar ich meinen Eltern bin, dass sie mir die Zeit auf dem LSH ermöglicht haben! Es hat für sie nicht nur den Verzicht auf Materielles, sondern vielmehr den Verzicht auf ein Zusammenleben mit ihrem einzigen Kind bedeutet.
Bis zur 6. Klasse war ich Schüler unserer kleinen Zirkus-Schule, bzw. während der Monate in unserem Winter-Quartier in Einbeck Interims-Schüler an der dortigen Schule. Das hat bedeutet, immer wieder in eine neue Klassengemeinschaft zu geraten und diese meist wieder verlassen zu müssen, wenn ich mich gerade in ihr eingefunden hatte. Zudem hätte ich in der Zirkus-Schule kein Abitur machen können, zumal ich in dem Jahr das einzige Kind in unserer Zirkusgemeinschaft war. Der Überlegung, dass meine Mutter fest mit mir nach Einbeck zieht und meine Eltern somit räumlich getrennt leben würden, damit ich weiterhin zur Schule gehen kann, habe ich mich widersetzt. So kam ich ans Internat.
Letztendlich war es für mich der Wechsel von einer kleinen Insel auf eine andere. Auch bei uns im Zirkus leben wir in einer kleinen Blase mit eigenen Ritualen und Tagesabläufen. Zum Glück ist mein absoluter Lieblingssport Fußball weltumfassend und wird sowohl im Zirkus als auch am Internat gespielt! Da unser Familien-Wohnwagen ca.50² hat, hat es für mich auch nie ein Problem dargestellt, mir ein Zimmer zu teilen. Nach einem für mich durch den Kulturschock, auf einmal unter Gleichaltrigen zu leben, schwierigen ersten Vierteljahr habe ich mich insbesondere durch den engen, familiären Zusammenhalt im Tannenhaus gut am Internat eingelebt und mich am Ende der Ferien immer sehr auf meine Freunde gefreut!
Ich bin fest davon überzeugt, in meiner Zeit auf dem LSH Freunde fürs Leben gefunden zu haben und dass der Austausch auf Augenhöhe mit unseren Pädagogen mich positiv auf das Berufsleben vorbereitet hat.
Ein Berufsleben, auf das ich mich schon jetzt freue. Es fühlt sich gut und richtig an, ab jetzt selbst für meinen Unterhalt aufzukommen und so möchte ich auch schon während des Studiums zum Event-/Sport – Manager mittels einer Anstellung als Werkstudent möglichst stabil auf eigenen Füßen stehen. Es ist mir sehr wichtig, meinen Eltern nicht länger auf der Tasche zu liegen. “Management“ ist eine echte Passion von mir. Ich liebe es, gemeinsam mit anderen auf ein Ziel hinzuarbeiten und einem Team behutsam die Richtung vorzugeben. Dieser Charakterzug ist sicherlich auch verantwortlich dafür, dass ich in meiner Zeit am Internat Solling als Kam-Parlamentarier, Klassen- und Stufensprecher und in der Disco-Mannschaft tätig war. Es ist mir wichtig, dass sich meine Mitmenschen wohlfühlen, und ich setze mich sehr gerne dafür ein. Umso schöner, dass ich den „Helga-Volger-Preis“ für mein Tun erhalten habe! Derzeit weiß ich noch nicht, wohin diese Reise gehen wird – aber ich verspreche der Schulgemeinschaft eine echt gute Abendsprache.
Ich bin davon überzeugt: Der enge Zusammenhalt und die Vielseitigkeit im Zirkus, gefolgt vom einzigartigen Bildungs- und Gemeinschaftserlebnis am LSH, bereiten einen besser auf das Erwachsenenleben vor als jede andere Erfahrung.
Mami dhe babi, nuk mund t’ju falënderoj mjaftueshëm (für Lesende außerhalb meiner Familie: Wir stammen aus Albanien. Dies ist ein an meine Eltern gerichteter Dank in ihrer Muttersprache). Ewige Dankbarkeit gebührt auch allen Menschen, die mich am Internat Solling begleitet haben. Ihr werdet meine Konstante bleiben.
Im Oktober 2025
