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Alexander Hormann

Ich bin ein Bewegungsmensch. Jeder meiner zweihundertundfünf Körperzentimeter will durchbewegt und wohlig erschöpft sein – (erst) dann finde ich in die totale Entspannung.
 
Sport begleitet mich schon mein gesamtes Leben, als produktiven Ausgleich habe ich ihn schon als kleiner Junge für mich entdeckt. Mein Vater ist verstorben, als ich 14 Jahre alt war und so bin ich früh in die „Mann im Haus“ Rolle hereingewachsen. Da hat kontrolliertes Austoben ein gutes Gegengewicht dargestellt.
 
Dies hat sich ganz besonders gezeigt, als ich am Ende meines Studiums nach einer Meniskusverletzung nicht wieder auf die Beine, bzw. das betroffene Bein, kam. Trotz positiv verlaufener Operation, effektiver Reha-Maßnahmen … die Schmerzen wollten einfach kein Ende nehmen. Ich war enttäuscht von meinem Körper, auf den ich mich zuvor so gut verlassen konnte. Im Hinterfragen der Schmerzen wuchs der Verdacht in mir, dass es sich vielmehr um „eine Kopf-Sache“ handle, sich mein funktionelles Verdrängen des Verlustes meines Vaters in den Schmerzen spiegelte. So beschloss ich, es mir zu beweisen. Ich packte meinen Rucksack und machte mich auf den Weg. 
 
4.270 Kilometer von Mexiko nach Kanada. Zu Fuß den Pacific Crest Trail entlang.
 
Die Summe der gemachten Erfahrungen, ausgestandenen Ängste und Schmerzen, Erschöpfung, das unmittelbare Erleben der Natur in allen ihren Facetten, überraschende Nähe zu eigentlich fremden Menschen … um all dies zu erzählen braucht es ein Buch. Welches ich im Nachgang geschrieben und veröffentlich habe. Der Prozess des Schreibens ist für mich von jeher eine Auseinandersetzung mit meinen Gedanken; in diesem Fall hat es mir auch geholfen, nach dieser ja durchaus extremen Erfahrung zurück in den Alltag zu finden.
 
Nach wie vor packe ich mit Ferienbeginn meinen Rucksack. Sehr gerne gemeinsam mit meiner Schwester, mit der ich letztes Jahr die Pyrenäen und dieses Jahr die Alpen überquert habe. Auf so einer Wanderung lernt man sich selbst und den anderen definitiv besser kennen! Zudem kann ich im Nachhinein meine Liebe zum geschriebenen Wort mit der zur Fotografie kombinieren und die erlebten Momente für andere nacherlebbar machen. 
 
Auch im Internatsalltag zieht es mich in freien Momenten in die Natur, deren Nähe ich hier in Holzminden natürlich sehr genieße. Wobei ich gestehen muss, dass sich Holzminden auf meiner Wunschliste nicht nur weit unten, sondern gar nicht befunden hat. Ich musste es tatsächlich googlen, als mir für mein Referendariat eine Stelle am Campe-Gymnasium vorgeschlagen wurde. Zum Glück habe ich die Stelle angenommen und die Gegend wirklich schätzen gelernt!  Nach dem Referendariat hat mir die Vorstellung einer langfristigen Bindung an einer Regelschule Angst gemacht. Wenngleich das Leben am Internat sehr vereinnahmend und „durchgetaktet“ ist, fühle ich mich hier unterm Strich wesentlich freier. Die Schüler*innen am Internat auch über den Unterricht hinaus erleben und begleiten zu dürfen, empfinde ich als einmaliges Privileg. Nahezu täglich spüre ich hautnah, was mein pädagogisches Tun bewirkt. Auch wenn es eine gewaltige Herausforderung war und ist, mich zusätzlich zum Einfinden in ein neues Kollegium und diese Schulform noch in die Rolle des Kamleiters einzufuchsen – Herausforderungen mag ich und es bereitet mir große Freude!  Wenn ich meinen Freunden und meiner Familie vom Internat Solling erzähle, werden meine Worte nicht selten von einem Schmunzeln begleitet. Sie alle merken, dass ich auf dem richtigen Weg bin.
Genauso fühlt es sich auch für mich an. Insbesondere, da mir in den Ferien so viele zu erklimmende Wege und zu erfahrende Weiten offenstehen.
 
Ich spüre mein Knie immer noch hin und wieder, die Schmerzen haben aber längst nicht mehr so eine große Bedeutung.