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Über Trümmern gingen wir zur Schule, trugen Mäntel aus Vorhangstoff und fanden es nicht erstaunlich, dass so viele Kinder keine Väter hatten.
Es war um 1950.
Die – noch – konfessionsgebundenen Schulen nutzten wechselnd Vor- und Nachmittage das Gebäude für den Unterricht.
In Kirchengemeinden und Kindergärten spielte sich das soziale Leben ab – über allem lag noch die dunkle Last der grad vergangenen Kriegsjahre.

Als Kriegswaise wuchs ich bei meiner Großmutter auf, die mich im Sinne meines gefallenen Vaters erzog und auf ein altsprachliches Gymnasium schickte.
Dieses sparsame Leben ohne viele Anregungen gelang so lange, bis ich in die hoffnungsschwangeren Jahre der Pubertät kam.

Tausch einer Käseglocke gegen LSH als ein wunderbarer Nährboden für eine explosionsartige Entwicklung!
Ich musste mich nicht nur über meine Leistung definieren, nein, ich konnte mich ausprobieren und finden und wurde für meine neu entdeckten Fähigkeiten auch noch gelobt und anerkannt.
Alles Musische zog mich an: Kantorei, Theater, Kunst, aber auch intensive Teestunden mit Gesprächen über das Leben mit all den Gleichaltrigen…
Geltende Regeln und Konsequenzen bei Nicht-Beachtung leuchteten mir ein; Küchendienst als Strafe war harmlos und nicht demütigend, fand ich.
Der Abschied durchs Abitur war hart

Wie hat mich dies und mein Leben vorher geprägt?