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Cathrin Stöver

„Das wichtigste im Leben ist Hoffnung, man muss die Wahl haben dürfen.

Angetrieben von meinem starken Gerechtigkeitssinn brenne und arbeite ich dafür, dass alle Menschen eine gleichberechtigte Chance auf Ausbildung erhalten. Es sollte eigentlich selbstverständlich sein, dass im Jahre 2018 alle Kinder, Schüler, Studenten und Wissenschaftler Zugang zum Internet und somit zur digitalen Gesellschaft und deren Möglichkeiten haben. Mein Anliegen ist, weltweit dieselben Lernmöglichkeiten für Studenten zu schaffen. Dafür reise ich um die Welt und vernetze Forschungs-und Ausbildungsstätten, um gemeinsame, allen zugängliche Wissens-und Austauschplattformen zu schaffen.

Ich bin in Holzminden geboren und besuchte die hiesigen Schulen, unterbrochen nur von einem Jahr an einer High School in Iowa, USA. Ich habe sogar meine Ausbildung bei Symrise gemacht – damals noch Haarmann & Reimer. Holzminden ist für mich ein interessanter Ort: Scheinbar abgeschnitten von der Welt, mitten im Solling – man braucht 45 Minuten zur nächsten Autobahn. Dennoch ist Holzminden Standort für globale Marktführer wie Symrise oder Künnecke – oder eben auch für ein internationales Internat, wie dem Internat Solling.

Nach meiner Ausbildung zog es mich in die Welt. Ich habe in Deutschland, Frankreich und England studiert, wunderbare neue Programme wie Erasmus genutzt und blieb nach dem Studium in Cambridge, UK. Dort traf ich meinen spanischen Ehemann und als unsere Zwillinge Ana und Max unterwegs waren, beschlossen wir, nach Madrid zu ziehen. So sind die Kinder mit drei Sprachen im Haus aufgewachsen – allerdings war Spanisch, wenn auch nicht die Muttersprache, so doch die erste und dominante Sprache. Für mich war es wichtig, dass Ana und Max in ihrem Leben eine Wahl haben und daher habe ich darauf Wert gelegt, dass sie wirklich Deutsch lernen. Ich wollte, dass ihnen die Welt so offen steht, wie sie mir offen stand. Das erfordert nicht nur den sprechenden Teil, sondern vor allem die Fähigkeit zu lesen und zu schreiben. 

Und da meine Mutter immer noch in Holzminden lebt und mein Bruder um die Ecke in Hannover, sprachen wir in der Familie über das Internat Solling. Wir besichtigten das Gelände, trafen Frau Volger, schauten uns die Klassenzimmer an und trafen als Familie peu á peu die Entscheidung, dass die Kinder zumindest für ein Jahr das Internat besuchen sollen. Schon als die Kinder das erste Mal in den Osterferien zu Hause waren, war klar, dass sie am Internat Solling bleiben und ihr Abitur machen wollten. Sie waren glücklich und die Möglichkeiten, die sie hatten, waren vielfältiger als in ihrer Schule in Madrid. Auch wenn es mir manchmal merkwürdig erscheint, dass ich letztlich vielleicht nur 14 Jahre eine Mama mit Kindern im Haus war, sind mein Mann und ich doch überzeugt, dass wir die richtige Entscheidung getroffen haben. Das Internat Solling war auf unterschiedliche Art und Weise einfach gut für beide Kinder. Dank Frau Schneiders erstklassigem Deutschunterricht sind meine Kinder nun wirklich komplett dreisprachig! Vielleicht ist das Deutsch meiner Kinder nun sogar besser als das meine. Ich habe Deutschland 1992 verlassen, dies macht sich bemerkbar – mittlerweile bewege ich mich selbstverständlicher in der englischen Sprache und muss wirklich bewusst „auf Deutsch umschalten“.

Ich wurde Vorsitzende des Elternrats und genoss diese Rolle sehr, da sie mich mit vielen Eltern in Kontakt brachte und mir einen einzigartigen Einblick in die Arbeitsweise und den Hintergrund eines Internats gab. Auch war es ein wunderbarer Zusatzgrund, Ana und Max zu besuchen – zumal ich als gebürtige Holzminderin immer mal wieder den Köterberg sehen muss!

Mein Thema in den zwei Jahren im Elternrat war die Digitalisierung unserer Gesellschaft, unserer Wirtschaft und der Wandel unseres täglichen Lebens einschließlich des Schul- und Internatslebens. Was sind die Aufgaben, die unsere Kinder in der Zukunft erledigen werden – welche Werkzeuge geben wir ihnen heute mit, um glücklich in einer Gesellschaft und einem Arbeitsumfeld zu sein, in dem Veränderung die Konstante ist? Wie ermöglichen wir es unseren Kindern im Leben eine Wahl zu haben? Ich glaube, dieser Dialog findet am Internat Solling zwischen der Schulleitung, der Lehrer- und Schülerschaft ständig statt.

Wir leben mittlerweile in Amsterdam. Als Vielreisende weiß ich: Mein Mann ist mein Anker und ich bin dort zu Hause, wo er ist. Dieser Ruhepunkt und das Wissen darum, dass die Kinder glücklich sind, ist für mich die Basis, mich so stark für eine gerechte, weltweite Bildung einsetzen zu können. 

Meine Kinder haben mit dem Abitur 2018 das Internat Solling verlassen, eine Herzensbindung verbleibt.

Cathrin Stöver
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