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Danela Pietrek

Nach meiner Geburt sagte mein Vater zum Standesbeamten: „Ich habe eine Tochter bekommen, und das ist etwas ganz Besonderes! Lassen Sie bitte das „i“ von „Daniela“ weg, denn das ist besonders!“ Das i verschwand aus meinem Namen und bietet bis heute eine charmante Fehlerquelle.
Wie wunderbar es ist, Töchter zu haben, weiß ich aus eigener Erfahrung – ich habe zwei. Als ich in der Schwangerschaft mit meiner älteren Tochter einen kleinen Hormonblues hatte, gab mir meine Gynäkologin einen wichtigen Satz mit auf den Weg: „Es ist die nicht die Quantität der Zeit, die Sie mit Ihrem Kind verbringen, es ist die Qualität“. Wie oft sich dieser Satz für mich als berufstätige Alleinerziehende bewahrheiten sollte, ahnte ich zu diesem Zeitpunkt nicht. Und das war auch gut so. Meine beiden Töchter sind die größten Geschenke in meinem Leben.
Ich begann in München Französisch und Philosophie zu studieren. Durch einen Studentenjob kam ich zu Hallelujah-Film. Hallelujah! Nach zwei Jahren nahm mich Hans W. Geißendörfer für die „Lindenstraße“ mit nach Köln. Schnell merkte ich, dass dieser Job mich nicht erfüllte, und so zog es mich erneut an die Universität. Ich studierte Neuere Deutsche Literatur, Komparatistik und Theaterwissenschaft. Meine erste Tochter wurde geboren. Dank des wunderbaren Bernhard SinkeI war ich nicht nur Regie-Assistentin in seinem großartigen Kinofilm „Der Kinoerzähler“, sondern verdanke ihm auch viele hilfreiche Kontakte. Wir zogen von München nach Hamburg, wo ich freie Mitarbeiterin beim NDR wurde – die „Late Night Show“ mit Götz Alsmann entstand. Eine turbulente Lebensphase! Meine Tochter kam nach Kindergartenschluss um 16.00 Uhr mit dem Taxi zu mir ins Büro, mit Einschulung kam das erste Au-pair-Mädchen und brachte mehr Ruhe in unseren Alltag.
Als Producerin und Drehbuchautorin stellte sich die – mir von meiner Mutter durchaus oft ausgesprochene – Frage nach einem Halbtagsjob nie. Da gibt es nur „ganz oder gar nicht“. Wir hatten Au-pairs, liebenswerte Babysitter, die Nummer der Taxi Zentrale auf der Kurzwahltaste und einen großartigen, hilfsbereiten Freundeskreis. Auch nach der Geburt meiner zweiten Tochter stand ich direkt nach dem Mutterschutz wieder am Set und meine Frau im Job. Als Producerin entwickelte ich viele Spielfilme und Serien, unter anderem tragen Kieler Tatorte und die Serie „Die Rettungsflieger“ meine Handschrift. Bei Dreharbeiten in Kanada war meine große Tochter bereits erwachsen, sie blieb in Hamburg. Die kleine war wiederum alt genug, um für ein paar Wochen mitzukommen. In Kanada verlebte sie einen ihrer außergewöhnlichsten Geburtstage. Unser damaliges ungarisches Au-pair hatte die Torte bestellt, und wie durch ein Wunder stand lediglich „Pietrek“ darauf. Selbstverständlich kommt diese Anekdote alljährlich mit der jeweiligen Geburtstagstorte wieder auf den Tisch.
Mittlerweile ankere ich fest in Hamburg und schreibe Drehbücher und Romane. Das Schreiben braucht Zeit – das kann mein Umfeld bezeugen. Oft tauche ich in meinen ganz eigenen Schreibtunnel ein. Diesen Tunnel teile ich aktuell mit meiner befreundeten Co-Autorin Tania Krätschmar. Nachdem wir festgestellt hatten, dass uns beide eine ähnliche Geschichte umtrieb, schrieben wir unter dem Pseudonym „Josefine Blom“ den Roman „Unter einem anderen Himmel“. Wir haben geskypt, geteamst, gezoomt und, beginnend mit dem Morgenkaffee, geschrieben – ein Fest! Das ist sicher nicht die schnellste Form des Schreibens, aber es macht großen Spaß. Nach Vollendung unseres gemeinsamen Erstlings fehlte uns der tägliche Austausch … Unter dem Pseudonym „Nora Engel“ ist im April 2022 der erste Band unserer Winzerin-Trilogie bei dtv erschienen.
Ich bin dankbar, so wundervolle Töchter und eine große Familie zu haben, und einen Beruf auszuüben, der mich erfüllt. Ich habe ein wunderbares Leben und bin mir bewusst, dass Vieles so gut verlief, da meine Eltern mir Werte vermittelt haben, für die auch das LSH steht.

Foto: Autorenfoto Boris Laewen