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Um mich vollständig lebendig zu fühlen, brauche ich es ein Stück weit, über meine Grenzen zu gehen. So beginnen meine Tage um 06:00 Uhr mit einem Bad in unserem ungeheizten Pool – im Winter nach dem Zerschlagen einer Eisschicht! Im Anschluss daran kann der Tag mit seinen mannigfaltigen Aufgaben kommen.

Die mich bitte auch herausfordern dürfen. Es gibt wenig Schlimmeres für mich, als nicht gefordert zu werden. Selbstverständlich habe auch ich Leistungsgrenzen, doch dürfen diese gerne erreicht werden. Dann laufe ich zu Höchstform auf!
Meine unbändige Energie war sicherlich auch der Beweggrund für meine Eltern, mich auf das LSH zu geben, zumal ich nach deren Trennung in eine schlechte, antriebslose Phase geraten bin. Am Internat haben Lehrer, die mich verstanden haben, mich regelmäßig zwecks Abbaus meines Energieüberschusses einmal um das Oberhaus laufen lassen. Zudem war mir gestattet, während des Unterrichts zu stehen. Noch heute sind meine Hände parallel zu meinen Gedanken ständig in Bewegung. Da Bewegung als „Überschussventil“ für mich sehr gut funktioniert, treibe ich täglich Sport. Das habe ich neben intensiven, lebensbegleitenden Freundschaften aus meiner Zeit am LSH mitgenommen. Sport und Sauna sind zwei Dinge, bei denen ich ausschließlich im Moment bin. Da kann selbst ich wirklich komplett abschalten.
Beruflich gesehen kann ich insbesondere an Wendepunkten meine resistente Energie hervorragend einsetzen. Das alltägliche, repetitive Schreibtischprozedere mit Ablage & Co hingegen generiert bei mir eher Erstickungsgefühle.
Dementsprechend war es mein persönliches „Glück im Unglück“, dass die Russlandkrise 1998/1999 stattfand. Genau zu diesem Zeitpunkt mussten mein Vater und ich im Anschluss an meine beruflichen Wanderjahre feststellen, dass wir bei aller tiefer Zuneigung zueinander nicht miteinander arbeiten konnten. Mein Vater konnte sehr viel – lediglich Kommunikation und gar Konfliktgespräche waren nun wirklich nicht seine herausragenden Stärken. Aber, um Churchill zu zitieren: „Never waste a good crisis“. Zum damaligen Zeitpunkt generierten wir rund ein Drittel unseres Umsatzes in Russland, und es war klar, dass die Tapetenfabrik nur mittels dramatischer Maßnahmen überleben konnte. Ich wurde gebraucht! Wir haben taggleich die Unternehmensstrukturen geändert. Ich war plötzlich nicht mehr Assistent der Produktionsleitung, sondern zunächst Marketingleiter und wenig später für Vertrieb und Export zuständig. Es stellte sich heraus, dass es mir liegt, unter Druck in hohem Tempo Entscheidungen zu treffen. In dieser Zeit habe ich gemerkt, wie enorm wichtig Selbstwirksamkeit – und wie wunderbar stabil die Liebe zwischen meiner Frau und mir ist. Solveig ist einfach super! So (positiv konnotiert!) herausfordernd es war, sie zu erobern, so fest und sicher steht sie seitdem an meiner Seite – komme, was will.

Wir haben schon so einiges miteinander erlebt – unsere, die beste der Welt, Ehe ist durch vieles geprägt: gemeinsames Wohnen in einer Studentenbude in Kiel, dann auf kuscheligen 30m² im Südosten von Paris, von wo ich zwei Jahre lang als Vertreter für unsere Tapeten unter der Woche die Region „Centre“ relativ erfolglos bereist habe und Solveig an der Universität Dauphine studiert hat. Im Anschluss daran eine Fernbeziehung mit allabendlichen Telefonaten zwischen Japan (wo ich auf Geheiß meines Vaters japanische Management – Methoden und die Sprache erlernt habe. Größtenteils als Arbeiter in einer Fabrik, was das Wohnen in einem Wohnheim für unverheiratete Männer inklusive dem Teilen der einzigen Badewanne mit meinen rund 80 Mitbewohnern beinhaltet hat) und den USA (Solveig hat dort ihr Studium fortgesetzt). 1997 dann der gemeinsame Umzug nach Osnabrück. Wir haben drei großartige Söhne, deren Unterschiedlichkeiten uns zugleich erfreuen und herausfordern.

Zu all dem kamen ab ca. 2006 nach einigen sehr erfolgreichen 15 beinharte Jahre, in denen das Unternehmertum mehr Risiken, als denn Chancen bot und mehr Sorgen als denn Freude bereitet hat. Auch für mich gibt es eine Belastungsgrenze. Schlussendlich bin ich 2021 aus der Geschäftsführung der Tapetenfabrik ausgetreten. Eine harte, sehr an meinem Herzen zehrende, rein rational gefällte Entscheidung, die ich mir wirklich schwergemacht habe. Doch auch hier gilt das sich durch mein berufliches Leben ziehende Thema, dass Krisen den großen Nachteil haben, Krisen zu sein, aber auch immer Gestaltungsraum für Neues bieten. Die von mir geführte Fabrik in der Ukraine braucht mich seit Beginn des Krieges 2022 ungleich mehr. Dank des Ausstiegs aus der operativen Führung des Familienunternehmens kann ich mich hier nun voll einbringen und den Mitarbeitern vor Ort so gut wie irgend möglich zur Seite stehen. Bei anstehenden Entscheidungen gilt immer ihre Expertise zuerst, da sie es sind, die unter dem Kriegsrecht arbeitend, tagtäglich unvorstellbare Risiken eingehen.

Viel von Vielem. Umso dankbarer bin ich für meine Familie.
Wir vier Männer gehen zwei- bis dreimal die Woche miteinander in die Sauna, bereden dort große und kleine Themen und Solveig ist mittels ihres starken Willens unser aller Fels in jedweder Brandung. Umso kostbarer für mich, der, selber aus einer dysfunktionalen Familie stammend, sich früher nie eine eigene zugetraut hat. Das Leben hat mich gelehrt, dass es manchmal gut sein kann, nicht alles zu wissen. Das und die Erkenntnis, dass sich über Dinge aufzuregen sie nicht verändert, würde ich meinem jüngeren Ich gerne mitgeben. Da ich dies nicht kann, gebe ich diese Erkenntnis an meine Kinder weiter. Genießt Euer Leben, es wird gut.

im Februar 2026

Individuelle Förderung mit Herz – unsere Schulleiterin kennt jedes Kind persönlich

Informationstag für Internat und Schule – Sonntag, 3. Mai 2026

Bei uns steht Ihr Kind im Mittelpunkt – und das ganz persönlich. Unsere Schulleiterin ist nicht nur Gastgeberin des Informationstags, sondern Ihre direkte Ansprechpartnerin:

  • Sie führt Sie durch Internat und Schule,
  • nimmt sich Zeit für persönliche Gespräche,
  • begleitet Ihr Kind im Schulalltag – bis hin zu gemeinsamen Studienfahrten.

Am Sonntag, 3. Mai 2026 laden wir interessierte Familien herzlich ein, unser Internat und unsere Schule kennenzulernen und mehr über unser einzigartiges Betreuungskonzept zu erfahren.
Entdecken Sie, wie intensive Beziehungsarbeit und individuelle Förderung die Zukunft Ihres Kindes stärken.