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Von Anbeginn an hatten die Schüler am LSH Mitspracherecht und konnten das Internatsleben aktiv mitgestalten.
Der jetzige Parlamentarische Vorstand (abgekürzt PV, wie die Schülervertretung bei uns heißt) setzt sich aus Bene (15 Jahre alt, seit 2 1/2 Jahren Schüler bei uns), Valeria (18 Jahre alt, seit zwei Jahren Leistungsstipendiatin bei uns, nachdem sie während eines Austauschjahres bei Hamburg das deutsche Schulsystem schätzen gelernt hat), Louis (18 Jahre, mit fünf Jahren Internat Solling unser „Alteingesessener“), Pelayo (18 Jahre, auch seit zwei Jahren als Leistungsstipendiat bei uns) und Adam (17 Jahre alt und auch er ist seit zwei Jahren als Leistungsstipendiat am Internat Solling) zusammen.
Bene: Ich bin Schülervertreter, da ich den jüngeren Schülern einen gleichaltrigen Ansprechpartner in der Parlamentarischen Vertretung bieten möchte.
Valeria: Ich wollte unbedingt Teil der Schülervertretung sein, um in dieser Funktion das Mitspracherecht der Schüler umzusetzen. Mir ist es wichtig, mich für die Interessen der Schülerschaft einzusetzen und diese gegenüber der Schulleitung einzubringen.
Louis: Ich wollte Schülervertreter sein, um Demokratie auszuüben.
Pelayo: Das erste Mal habe ich mich aus rein politischem Interesse aufstellen lassen. Beim zweiten Mal wusste ich besser, wie das Internat funktioniert und wollte an kleinen Details feilen. Am wichtigsten war mir aber, es nicht zuzulassen, dass das Internat Solling zu einer reinen Mädchenschule wird. Somit habe ich mich hauptsächlich dafür eingesetzt, dass wir als Schule wieder attraktiver für Jungen werden.
Adam: Ich wollte in die PV, um eine bessere Kommunikation zwischen Schülerschaft und den Lehrern herzustellen; sowie eine Basis zu schaffen, auf welcher zukünftige Anliegen der Schülerschaft mit den Lehrern offen besprochen und gegebenenfalls durchgesetzt werden können.

Als PV haben wir die Möglichkeit, die Anliegen der Schülerschaft bei den Hausleitern direkt anzusprechen. Wir fühlen uns in diesem Kreis sehr wohl, da die Lehrer unsere Wünsche fast immer als gerechtfertigt ansehen und diese auch in die Praxis umsetzen. Wir sind uns selbstverständlich dessen bewusst, dass dies allein deshalb möglich ist, weil Frau Volger (für die die demokratischen Strukturen im Internat einen hohen Stellenwert haben) nie ihre Entscheidungsgewalt ausspielt, sondern uns vielmehr zuhört und ernst nimmt. Einer von uns nimmt an der wöchentlichen Hausleitersitzung teil (dieses Jahr Pelayo), wo er in der privilegierten Position ist, über von uns beigetragenem Input Neuregelungen positiv für die Schülerschaft zu beeinflussen. Auch im Ständerling (wöchentliche Lehrerkonferenz) ist immer ein Mitglied der PV anwesend. Im Ständerling zu sitzen ist anfangs ein sehr eigenartiges Gefühl. Hier hilft sehr, dass die Lehrer uns bei diesem Termin (derzeit wechseln sich Valeria und Bene ab) nicht als einen Schüler wahrnehmen, sondern es wirklich schaffen, uns in dieser Situation rein als Schülervertreter anzusehen und zu behandeln. Selbstverständlich sind letzten Endes die Lehrer diejenigen, die den Überblick haben und die Verantwortung tragen, doch können auch wir Einfluss nehmen! Ein Beispiel dafür sind die Neopren-Handyhüllen, die anzuschaffen vergangenes Schuljahr längere Zeit im Gespräch war. In diese, auf Musikfestivals üblichen, Hüllen sollten die Handys während der Unterrichtszeit „eingesperrt“ und nur bei Bedarf im Unterricht oder für die Freizeit vom Lehrer wieder für den Gebrauch „entsperrt“ werden. Die Lehrerschaft hat unser Gegenargument, dass der Umgang mit Medien nicht gelernt werden kann, wenn sie schlichtweg nicht mehr verfügbar sind, ernst genommen und sich auf eine Probezeit eingelassen. An deren Ende dann ganz klar feststand, dass diese Hüllen nicht angeschafft werden.
Das wohl größte Thema der Schülervertreter im vergangenen Jahr war das WLAN-Datenvolumen der Schüler. Es wurde durchgesetzt, dass dieses nunmehr zeitgemäß mehr als verdoppelt wurde!
Bei all diesem Tun würden wir uns schon manchmal wünschen, dass die Schülerschaft stärker wahrnimmt und honoriert, wieviel wir für sie erreicht haben. Leider war auch die PV-Arbeit durch Corona beeinträchtigt, so dass der Eindruck entstanden sein könnte, wir hätten in diesem Schulhalbjahr nichts getan. Dem ist nicht so! Und diesem Eindruck entgegenzuwirken haben wir eine Abendsprache gehalten, in der wir unsere Tätigkeit und die Erfolge unserer Amtszeit darlegen. Wir hoffen dadurch möglichst viele Schüler zu motivieren, sich für die nächste Wahl aufstellen zu lassen.
Wir haben zum Beispiel bei den Corona-bedingt geänderten Frühstückszeiten zügig eine Änderung im Sinne der Schülerschaft bewirkt. Dank der guten Idee von Frau Stelzer, dass die Kamleiter einfach ihre Präsenzzeit am Frühstückstisch ein wenig verlängern und jeder Schüler 5 Minuten seiner Frühstückszeit opfert, haben wir es den Magistern ersparen können, bereits um 7.10 Uhr frühstücken und dann 40 Minuten bis zum Unterricht überbrücken zu müssen.
Das große Schulfest, das wir in Planung hatten, das hat uns allerdings Corona wirklich kaputt gemacht. Das Fest sollte den Wettkampf zwischen den Häusern neu beleben (Harry Potter lässt grüßen!) und auch als Ersatz für den dieses Jahr nicht stattfindenden Abi- Ball dienen. Aufgeschoben ist nicht aufgehoben!
Da wir bei Führungen verstärkt auf interessierte Mädchen (häufig Reiterinnen) trafen, haben wir dies thematisiert und haben gemeinsam mit der Leitung ein Konzept entwickelt, um wieder für Jungen interessanter zu werden – mehr Trainingszeiten, mehr Mannschaftssport, etc. Wir gehen davon aus, aktiv daran mitgewirkt zu haben, dass das Internat Solling keine reine Mädchenschule wird!
Wir haben jeder für sich im Zuge dieser Tätigkeit gelernt, bereits während eines Gespräches die verschiedenen Faktoren abzuwägen. Nicht das kraftvolle Durchsetzen einer Idee, sondern ein gemeinschaftlicher Konsens sollte immer im Vordergrund stehen. Selbstverständlich hat es uns auch geprägt, mit der Lehrerschaft und Frau Volger zusammenzuarbeiten. Wir können uns deutlich besser artikulieren als zuvor und sind nun wohl geübt darin, Strategien zu entwickeln. Auch wenn Pelayo zu Recht anmerkt, dass wir im späteren Berufsleben nicht so locker auf Vorgesetzte (nichts Anderes sind die Lehrer letzten Endes für uns alle) zugehen können, wie hier am Internat, so haben wir doch gelernt, unsere und die Wünsche anderer deutlich zu vertreten. Die PV-Arbeit lehrt auch definitiv, flexibler zu denken und kompromissbereiter zu sein. Das richtige Wort für die gemachten Erfahrungen als Schülervertreter ist vermutlich „verhandlungssicher“, eine Stärke, die wir alle in unser Berufsleben mitnehmen werden. Bene wird sie hoffentlich in ein weiteres Jahr PV-Arbeit weitertragen, wir anderen Mitglieder scheiden aus, weil wir uns auf ihr Abitur konzentrieren müssen.