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Dr. Insa von Jürgensonn (LSH von 1984-1986)

Ich bin wirklich gut darin, mich in komplexe Themen zu verbeißen. So lange zu forschen und recherchieren, bis ich die Inhalte eines Sachverhaltes verinnerlicht habe, sie strukturieren und zielführend umsetzen kann. Es dürfen allerdings keine allzu leichten Themen sein – dann werde ich gelangweilt und lahm. Diese meine Kernkompetenz wurde immer gerne eingesetzt und so geriet ich auch an das Thema “Green Deal“ (Umleitung von Kapital in grüne Investments). Für das ich brenne. Meines Erachtens kann und darf es nicht mehr allein darum gehen, aus Immobilien den höchstmöglichen Profit herausschlagen. Vielmehr muss das Augenmerk auch darauf gerichtet werden, die mit Immobilien einhergehenden Umweltfaktoren mit einzubeziehen. Immobilien haben einen großen Wirkungshebel auf die Ziele des Green Deals – angefangen zum Beispiel bei Heizung und Energie unserer bestehenden Wohngebäude. Je mehr ich mich in das Thema Nachhaltigkeit aus dem Immobilieninvest – Blickwinkel reinarbeite, umso mehr Fragen entstehen bei mir. Das mag ich!

Nach Jahren internationaler Tätigkeit in der freien Wirtschaft leiste ich nun mein persönliches „Impact Investment“ – ich investiere meine Zeit darin, an der Hochschule Jugendlichen mein in 20 Jahren Unternehmensberatung mit Schwerpunkt „Immobilien Investment“ erworbenes Wissen zu vermitteln und sie an meinen Erfahrungen teilhaben zu lassen. Wobei ich mich nicht nach (meines Erachtens größtenteils veralteten) Lehrbüchern richte, sondern vielmehr darum bemühe, mit praxisnahen Beispielen das Interesse der Lernenden zu wecken. Zudem ist mir wichtig, nicht in eine monologisierende Einbahnstraße zu geraten – die Diskussion mit und die Ideen von meinen Studenten*innen sind kostbar, und ich achte darauf, diese einzubeziehen. Das Weitergeben von Wissen lässt mich natürlich an meine Schulzeit denken, und so wird mir nun manches gewahr. Was in meinem Berufsalltag „ESG“ (Das Schaffen von nachhaltigen Anlagefonds unter Berücksichtigung von Umwelt (Environmental), Soziales (Social) und verantwortungsbewusster Unternehmensführung (Governance) heißt, war und ist am LSH in das Erleben und gemeinschaftliche Leben eingebettet. Welches übrigens eine großartige Vorbereitung für den Umgang mit Gruppendruck, sowie den formellen und informellen Bewegungen in einem Mikrokosmos, schreib einem Unternehmen, ist. Selbstverständlich wurde dies mir (die im pubertären Aufbäumen an das Internat kam, um den interfamiliären Frieden wiederherzustellen und mir die Möglichkeit zu geben, mir ein eigenes kleines Reich zu schaffen) erst im Nachhinein klar. Ebenso, wie ich jetzt wahrnehme, dass mein Wunsch, Wissen weiterzureichen, auf die sozialen Werke meiner Landschulheimzeit (damals eher augenrollend abgearbeitet) zurückzuführen ist. 

Ich selber hatte das große Glück, zum richtigen Zeitpunkt auf das Thema Immobilien im akademischen Bereich (ich entstamme einer Arztfamilie, da war es irgendwie selbstverständlich, zu promovieren. Der Doktortitel war mir insbesondere als junge Beraterin durchaus von Nutzen!) zu stoßen und mir anhand meines frühzeitig erworbenen Mehrwissens (gepaart mit meiner mir von meiner Mutter vererbten hohen Selbstdisziplin) ein Alleinstellungsmerkmal in dieser Branche zu erarbeiten. Mein Reisepass weist viele Stempel auf!

Doch bedeutet „das Reiten der perfekten Welle“ auch immer ein „Mitgerissen werden“, und so blicke ich auf Berufsjahre mit Feierabenden nicht vor 24.00 Uhr zurück. Immer mehr, immer höher, immer weiter. Irgendwann fragte mein Mann: „Wo willst Du denn noch hin?“.

Zu ihm wollte und will ich. Von unseren 15 Ehejahren haben wir 12 räumlich getrennt zugebracht, da ich immer Jobs „woanders“ hatte. So bin ich nun zu ihm gezogen, habe ein kleines Unternehmen gegründet und lehre – was ja heutzutage Dank der digitalen Medien nicht mehr ortsgebunden ist. Es erfüllt mich mit unbändiger Freude, zum ersten Mal mit ihm gemeinsam ein Zuhause (auf dem Lande! Ist es denn zu glauben?!) für uns beide zu schaffen, an einem Ort, den wir genau dafür ausgewählt haben. Gibt es etwas Schöneres, als seine Zeit mit einem geliebten Menschen zu verbringen? Was selbstschreibend nicht bedeutet, dass ich ruhiger werde. Dafür bin ich entschieden zu wissbegierig!