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Dr. Jade López Aledo

Ich will mich verbessern. Immer.

Wie so vieles im Leben hat dies viele Beweggründe: als Tochter einer starken Frau, die mich alleine großgezogen und immer darin bestärkt hat, dass ich alles schaffen kann (auch darin, mein Heimatland Spanien und somit nicht nur meine persönliche Komfortzone, sondern auch sie zu verlassen); als erste Akademikerin der Familie, die sich den Doktortitel erarbeitet hat, um sich den Freiraum des Forschens zu ermöglichen; als Weltenbürgerin, die interessiert an anderen Kulturen ist; als Frau, die sieht, dass der Begriff „Feminismus“ eine leichte Abnutzung erfahren hat, ohne dass ein Ziel greifbar ist; als Mensch in der Überzeugung, dass Neigungen, Herkunft, Geschlecht und familiärer Hintergrund keine Rolle spielen sollten – es aber noch viel zu sehr tun.

All dies (und noch mehr) interessiert mich brennend. Angesichts so vieler Interessen ist es wenig verwunderlich, dass der Begriff „Langeweile“ in meinem Leben keine Rolle spielt. Auch in meiner Freizeit bin ich sehr viel lieber aktiv, als zu faulenzen. So ich mir nicht mit meinem Partner Strategieschlachten am Schachbrett liefere, bin ich häufig im Kraftraum anzutreffen. Zudem ist es mir sehr wichtig, Freundschaften intensiv und gut zu pflegen, was angesichts der Tatsache, dass meine Freunde in der ganzen Welt verstreut leben, durchaus auch Zeit kostet. Diese nehme ich mir für nichts lieber, als für liebe Menschen.

Ich freue mich unbändig daran, mit den Schüler*innen Rugby zu spielen. Dieser Sport ist so viel mehr als ein reines „einen Ball austauschen“ – es ist taktisch, die Spieler:innen müssen strategisch agieren und das Team muss lernen, wie eine Gesamtperson zu denken und funktionieren. Zudem hilft Rugby, das im Gegensatz zu American Football ohne Schutzausrüstung gespielt wird, den eigenen Körper kennenzulernen, zu beherrschen und wahrzunehmen.
Für mich, die während der Schulzeit eher eine Außenseiterin war, hat Sport immer Ausgleich und Herausforderung bedeutet. Ich war die erste weibliche Rugby Spielerin meines Bundeslandes und habe im ersten nationalen Mädchen Team mitgespielt. Ich liebe die Mischung aus Action, Adrenalin, Geschwindigkeit und Zusammenspiel mit anderen!

Vielleicht ist mir Teamplay wegen der bereits erwähnten Außenseiterrolle meiner Schulzeit so wichtig. Ich war ein stürmisches, kurzhaariges Mädchen, das den Fußball jeder rosa Spitze vorgezogen hat. Schwierig, da die Mädchen mich somit doof fanden und es den Jungs wiederum unangenehm war, mit einem Mädchen zu spielen. Dieses Ausgrenzen hat mich dazu bewogen, die Geschlechter-Stereotypen zu hinterfragen und bestärkt mich auch in meinem pädagogischen Handeln. Mir ist wichtig, dass die Schüler:innen ganz und gar sie selber sein können und auch, dass sie sich dessen bewusst werden, dass Sprache das Denken formt.

Der Schritt vom Einzelkind, das immer nur auf sich selber aufpassen musste, zur Kamleiterin und somit in die Verantwortung für neun Mädchen war nicht nur leicht. Doch ist es nicht nur meine Liebe für Herausforderungen, die mich so gerne Kamleiterin sein lässt, sondern vielmehr auch die Erkenntnis, dass ich selber tagtäglich von den Schülerinnen lerne. Das Leben hier am Internat Solling stellt die für mich persönlich perfekte Verbindung zwischen dem Vermitteln von Unterrichtsstoff und dem Vorleben von Werten dar, das ganzheitliche Konzept fasziniert und begeistert mich. Das hat es schon zu Studienzeiten – meine Doktorarbeit hat sich mit dem Genre „Internatsliteratur“ beschäftigt, ich habe das Sub-Genre „Autorinnen von Internatslektüre“ initiiert. Zu meiner Freude besteht meine Doktorarbeit meinen persönlichen Alltagstest, auch nach einem Jahr hier am Internat hat es bisher keine Situation gegeben, aufgrund der ich inhaltliche Änderungen an meiner Doktorarbeit hätte erwägen müssen.

Ganz im Gegenteil. Das Miteinander, die familiäre Verbundenheit und der Zusammenhalt des Mikrokosmos- Internat, über die ich zuvor nur gelesen habe, die werden hier gelebt.