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4. Juli 2020
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Die Verabschiedung eines LSH-Urgesteines

5. Juli

Diese Abendsprache war eine besondere: Es galt Klaus Busch, der fast 40 Jahre bei uns tätig war, zu verabschieden.
Helga Volger sagte zu Beginn ihrer Ansprache, dass Abschied immer auch ein Blick auf die Vergangenheit sei. So nahm sie die in der Hohen Halle Versammelten erzählerisch mit durch die LSH-Zeit von Klaus Busch. Er ist direkt nach seinem Referendariat als „pädagogischer Mitarbeiter“ mit Vertragsbeginn am 01.08.1983 zu uns gekommen. Sein Einstieg war nicht nur leicht, da er gleich zu Beginn eine Scholaren-Kam im Oberhaus zugeteilt bekommen hat. In den 80ern hatten die Kamleiter es nicht immer einfach, es herrschte ein deutlich rauerer, respektloser Ton gegenüber den Lehrern. Da musste Klaus Busch gleich als junger Kamleiter lernen, sich durchsetzen! Dies ist ihm in seiner unaufgeregten, gelassenen Art gelungen, die gepaart mit seinem feinen Humor und einer ausgeprägten Empathie den jungen Wilden einen Ruhepol geboten hat. Klaus Busch hat neben seiner Kamarbeit Mathematik und Physik in allen Stufen unterrichtet. Zudem hat er mit beharrlichem Einsatz die Informatik als Schulfach bei uns eingeführt – zu einer Zeit, in der Computer der Größe nach niemals in einen Rucksack gepasst hätten und noch niemand absehen konnte, wie wichtig diese Geräte für uns alle werden würden. Dank seines Einsatzes wurden Computer angeschafft und ein Computerraum eingerichtet, Klaus Busch hat sich stets durch Fortbildungen auf dem neuesten Stand gehalten und sogar ein eigenes Textprogramm für das LSH entwickelt!
Über dieses Tun hinaus hat er sich auch in das Leben am Internat eingebracht. So war Klaus Busch in den wilden 80iger für ein Jahr Mentor unserer Disko, als musikbegeisteter Mensch jahrzehntelang aktives Mitglied der Lehrerband und hat in seiner stets maßvollen, vertrauenswürdigen Art als Mitglied des Heimausschusses, der stets dann tagte, wenn ein Disziplinarverfahren anstand, wesentliche Beiträge zur Aufklärung der jeweiligen Situation beigetragen. Unter dem damaligen Schulleiter Helmut Brückner, bei dem auch Helga Volger ein Jahr nach Klaus Busch ihre Tätigkeit bei uns aufgenommen hat, herrschten Offenheit und Verbundenheit – zudem aber auch eine extreme Präsenzpflicht und moralische Enge. Unter seinem Nachfolger Johannes Seiler begann dann die zweite, wohl entscheidende berufliche Etappe für Klaus Busch, die von Helga Volger als „die goldenen Jahre“ bezeichnet wurden. Sie hat der Abi-Zeitung von 1997 entnommen, dass Klaus Busch in jenem Jahr Mathe und Physik unterrichtet hat, Oberstufen Koordinator war, sich rege für den IT-Bereich einsetzte und von Herrn Seiler zum stellvertretenden Schulleiter ernannt worden war. Schüler dankten ihm in der Abi-Zeitung mit Worten wie: „Sie haben zum ersten Mal in meinem Leben ein Fach zu meinem Lieblingsfach gemacht – Mathe.“, oder „Sehr nett, nur vielleicht manchmal ein bisschen zu gutmütig“, bis hin zu:“ Sie sind eine echte Bereicherung für diese Schule“.
Da damals die Stimmung zwischen Kollegium und dem Schulleiter Johannes Seiler zunehmend angespannt wurde, ist Klaus Busch in die Rolle des Moderators geschlüpft, der versuchte, auszugleichen und zu vermitteln. Dies hat er später Mithilfe einer therapeutischen Beraterausbildung professionalisiert.
In all den Jahren seiner Tätigkeit hat Klaus Busch stets das ganzheitliche Konzept der Landschulheimpädagogik wachgehalten und dafür plädiert, Tradition mit neuen Werten zu vereinen. Gemeinsam mit Beate Rüger hat er das Konzept der Neigungs- und Kompetenzfächer entwickelt, die heutzutage fester Bestandteil unseres LSH-Konzeptes sind. Dementsprechend kann es laut Frau Volger kein Zufall gewesen sein, dass das LSH mit seinem „Herz, Hand, Kopf“ die pädagogische Heimat von Klaus Busch war. Darüber hinaus war das LSH auch sein Lebensmittelpunkt – hier wurden seine zwei Töchter geboren und es entstanden tiefe Freundschaften zu Kollegen. Natürlich gab es auch schwierige Zeiten bis hin zu Krisen, kein Mensch wird vom Schatten zum Licht verschont.
Für den nun anstehenden Lebensabschnitt wünschte Helga Volger Klaus Busch vor allem eines: Licht. Viele helle, schöne Momente, in denen er sich kreativen Dingen widmen kann. Zum Dank für sein Wirken bei uns bekam Klaus Busch von Helga Volger eine Holzminiatur des Oberhauses (wo sein pädagogisches Wirken am LSH mit Herrn Witham als Hausleiter seinen Anfang nahm) überreicht, die detailverliebt und mit handwerklicher Präzession von Andreas Berthoud angefertigt worden ist.
Im Anschluss an Helga Volger sprach Katja Enders. Nun ja, eigentlich sprach sie nicht, da Klaus Busch sich gewünscht hatte, dass es nicht zu einer Aneinanderreihung von Reden kommt. So überreichte sie ihm nur mündlich ein ganz besonderes Abschiedsgeschenk befreundeter Kollegen: Sie werden ihm in den nächsten Tagen immer dann, wenn es gerade passt, kleine „musikalische Reden halten“ – das heißt, dass Klaus Busch einige spontane Ständchen bevorstehen!
Anna Weil hatte die Sing a Song – Künstlerin Franziska, die seit 7 Jahren unter dem Namen „Poetess Play“ auftritt, eingeladen, für uns und insbesondere Klaus Busch, der ihr Fan ist, aufzutreten. Sehr zur Freude des in einen Sessel platzierten Klaus Busch! Gekonnt verzauberte Franziska mit ihrer rauchzarten Stimme – nicht ohne die Schülerschaft aufzufordern, umgehend mit dem Schreiben eigener Lieder zu beginnen! – und beschenkte somit alle Anwesenden.
Anna Weil hat gemeinsam mit Danshu Li und ihrer Kam ein sehr persönliches, bedeutungsvolles Abschiedsgeschenk gestaltet. Sie haben die chinesischen Schriftzeichen eines Gedichtes über Bambus auf einzelne Blätter gezeichnet, die noch zu einem Buch gebunden werden sollen. Das Gedicht handelt davon, dass aus einem alten Stamm frisches Grün sprosst und somit neuer Bambus wächst. Ganz so, wie aus dem Wissen des Lehrers Klaus Busch viel in seinen Schülern weiterwächst und gedeiht. Und auch aus dem Abschied vom Dasein als Lehrer des Internates Solling erwächst etwas Neues.
Später am Abend überreichten Katja Enders und Lisa Schneider das erste Musikpaket an Klaus Busch, sie wählten „Maybe it`s Time“ von Bradley Cooper und „Simple as this“ von Jake Bugg. Um den Abend mit einer Textzeile von Bradley Cooper zusammen zu fassen:“Maybe it`s time to let the old ways die“.

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Datum:
5. Juli
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