Manchmal kommt es mir vor, als ob ich ein Pferd lesen kann. Ich fühle mich wie ein Übersetzer zwischen Mensch und Pferd.

Die Kinder können diesen Satz bestimmt schon nicht mehr hören, aber er stimmt einfach so sehr: Reiten ist eigentlich ganz einfach und gerade weil es so einfach ist, ist es so schwer. Der Reiter setzt mit seinem Körper das stehende Pferd in Bewegung, das wiederrum dessen menschlichen Körper in Bewegung versetzt. Dieses Zusammenspiel erfordert eine starke Konzentration. Meiner Meinung nach ist Reiten die Kombination von Sitzen und Fühlen. Es geht immer wieder nur darum, die Harmonie zwischen Pferd und Reiter herzustellen.

Wenn jemand zu mir sagt, ich könne etwas nicht, dann mache ich es so lange, bis ich es kann! Sowohl meine Mutter als auch mein damaliger Klassenlehrer haben mir damals von meiner Berufswahl “Pferdewirtin“ abgeraten. Doch habe ich mich zum Glück nicht beirren lassen! Und während meiner Gesellenjahre in einem internationalen Sportpferdebetrieb mit Deckställen gearbeitet.

Meine Familie lebt ein enges Miteinander. Wir haben alle in derselben Siedlung gewohnt, meistens haben meine beiden Cousinen und ich miteinander zu Mittag gegessen. Auch jetzt noch sind wir ständig im Kontakt und geben uns gerne als Schwestern aus! Das Heimweh nach meinen Lieben (die Distanz beträgt 140 km) hat aber auch sein Gutes: Wir sehen einander nun intensiver und aus der Distanz betrachtet kann man auch ein bisschen besser wahrnehmen, was man an einander hat. Seit einigen Monaten habe ich mein eigenes Pferd hier stehen und seitdem auch weniger Heimweh.

Ich mag Menschen nicht, die mir Honig um den Mund schmieren, das tue ich im Zweifelsfall selber auch nicht. Darum mag ich meine Freunde unter anderem so sehr- sie sind wahnsinnig ehrlich. So sagten sie mir auch nach meiner Zusage seitens des LSH: “Wenn Du das jetzt nicht machst, dann gehörst Du getreten!“.

Sie hatten Recht, ich fühle mich hier sehr wohl. Mir ist wichtig, den Kindern Vorbild zu sein. Ich bin immer ehrlich und geradeaus, bestimmt auch mal streng. Doch wenn es mal notwendig sein sollte, kann ich auch auf einen Menschen zugehen und mich entschuldigen. Das gehört sich so – wie sollen es die Jugendlichen anders lernen?

Pia Börstinghaus
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