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Hänseleien mit dem Wortspiel „Hans im Glück“ habe ich nie als Spott, sondern vielmehr immer als Kompliment empfunden. Auf meinen Namen war ich immer stolz. Meines Erachtens ist „Glück“ im ersten Moment eine Entscheidung – und dann harte Arbeit. Wenn das Resultat der Arbeit wiederum wie Glück, und somit leicht, aussieht – dann hat man alles richtig gemacht! Ich darf tatsächlich behaupten, ein sehr glücklicher Mensch zu sein. 

Großen Anteil an meinem Lebensglück hat tatsächlich das Internat Solling (bei mir hieß und heißt es immer noch LSH).
Meine Schwester Margarethe ist an das LSH gekommen, als ich 15 Jahre alt war. Als ich „das erste Mal guckte, wo die Schwester abgeblieben ist“, kam eine gut aussehende ältere Schülerin auf mich zu, tätschelte mein Haar und sagte: „Aus Dir wird mal ein Süßer!“ In diesem Moment war mir klar: “Hier will ich hin!“ Woraufhin ich meine Eltern intensiv und immer wieder bekniete, doch bitte LSHler werden zu dürfen. Erfolgreich! Zum Glück!

Das allergrößte Glück, das ich dem LSH verdanke, sind vier Menschen, die ich täglich um mich habe: Meine Frau Isabel und unsere drei Töchter. Wir waren nicht zur gleichen Zeit im Internat. Ich habe Isabel, die viele Jahrgänge unter mir war, auf einem Altschültertreffen gesehen und wusste: Die ist es. So war und so ist es.

Selbst meinen Job, den ich seit 1998 sehr gerne ausübe, verdanke ich letzten Endes dem LSH. Wolfgang Möckel war zwei Jahrgänge über mir, ging nach London studieren und riet mir damals, an der EBS in London zu studieren, das wäre eine richtig gute, praxisorientierte Uni. Gehört, getan! London war ein Traum. Dort traf ich auf Gordon Giers, mit dem ich unter anderem in London mit zwei weiteren Freunden zusammen studierte, ein wundervolles Jahr in London in einer WG gelebt habe und auch ein Auslandssemester in Östrich-Winkel überlebte. Es war Gordon, der mich fragte, ob ich nicht einen guten Kaufmann für das Unternehme „closed“ wüsste. Nachdem ich ihnen niemanden empfehlen konnte, fragten Gordon und sein Vater mich, ob ich nicht den Job selber übernehmen wolle. Wollte und will ich! Modeunternehmer zu werden war nie mein Plan, aber Kaufmann wollte ich immer werden. Täglich den Spaß in der Sache zu finden und das mit guten Partnern und Freunden macht mich sehr dankbar. Gordon, unser dritter Mitstreiter Til Nadler (der auch mit uns in London studiert hat) und ich sind drei beste Freunde und funktionieren auch beruflich als ein blind eingespieltes Team.

Als Unternehmer verstehe ich mich als erster Diener unseres Unternehmens und unserer Belegschaft. Zwei Eigenschaften kommentiere ich bei mir als Unternehmer immer als besonders wichtig: Angst und Faulheit. Seit frühester Kindheit konnte ich Risiken früh erkenne und umgehen (Angst) und anstehende Aufgaben mit möglichst wenig Aufwand oder durch andere erledigen lassen.

Der Unterricht am LSH war für mich auch tatsächlich „part of the fun“ – ich fand es super, gemeinsam mit allen meinen Freunden von den Lehrern im LSH unterrichtet zu werden. Wir haben uns viel – aber immer im Guten – an den Lehrern gerieben. Und so hat das LSH aus mir eindeutig einen besseren und glücklichen Menschen gemacht.

Blicke ich darauf, dass durch das LSH tatsächlich die Weichen für meinen sowohl beruflichen, als auch privaten Lebensweg gestellt worden sind, so möchte ich es später unseren Töchtern zumindest freistellen, auch LSHlerinnen zu werden. Auch wenn das LSH natürlich für meine Frau und mich eine Herzensangelegenheit ist, so sind wir uns doch dessen gewahr, das Internat und Kind auch zusammenpassen müssen. Für welches Internat – und ob überhaupt – sich die Drei dann später entscheiden, wird sich zeigen. Das bedingungslose und völlig angstfreie Vertrauen in die Liebe meiner Eltern stellte meine Basis dar, auf der ich ins Internat kam. So wollen wir es auch bei unseren Kindern halten. 

Ich bin davon überzeugt, dass mein bis heute und durch alle Zeiten ausnahmslos gutes Verhältnis zu meinen Eltern darauf basiert, dass wir die Stürme der Sturm- und Drangzeit nicht alle und direkt miteinander durchstehen mussten, sondern sie vielmehr vieles gar nicht mitbekommen haben. Manchmal taten mir im Nachhinein die Lehrer leid, die diese Phasen, Regelbrüche und Abenteuer ertragen mussten. Viele Geschichten wurden mit der Zeit immer größer, aber bei dieser Gelegenheit kann und möchte ich mich bei diesen tollen Pädagogen bedanken. Die Liebe und das Vertrauen, in denen ich groß werden durfte, stellen sicherlich einen Bestandteil meiner Rüstzeuge dar. Ich vertraue allzeit darauf, dass es gut ist und wird, wie es kommt. Gott sei Dank haben meine Eltern uns zudem beigebracht, im Glauben Halt zu finden und Sinn zu sehen. Meines Erachtens sind Religion und Glauben wichtige Bausteine dafür, Kopf, Bauch und Seele zusammen und im Gleichgewicht zu halten.

Entspannung finde ich leicht und überall, besonders auf Föhr, wo ich es sehr genieße, einfach mal nichts zu tun und nichts zu denken, während ich aufs Meer schaue. Bei Besuchen bei meinen Eltern in Chile (wo sie seit vielen Jahren ihren Zweitwohnsitz haben) angle ich tatsächlich gerne. Wobei es mir nicht um das Fischen, sondern vielmehr nur um den Genuss geht, eine Angel ins Wasser zu halten und das Wasser sowohl zu sehen, als auch zu hören. Beim Golfen hingegen flippe ich leider völlig aus! Hier kann ich nur schwer die Nerven behalten und bin extrem nervös. Da ich aber diesen Kontrollverlust durchaus gerne mag, trete ich immer wieder an. Grundsätzlich mag ich ab und zu einen kleinen Kontrollverlust in vielerlei Hinsicht. Selbstverständlich genieße ich es auch sehr, Zeit mit meiner Familie und Freunden zu verbringen. 

Sollte es mir mal gar nicht gelungen sein, in einem Tag das Gute zu entdecken, so halte ich mich an einen Ratschlag, den mir unser Pastor Ahrends mal gegeben hat: Ich esse eine Scheibe Schwarzbrot mit Leberwurst, gehe früh ins Bett und morgens gut aufs Klo. Und schon geht es mir besser und ich freue mich auf das, was mir der neue Tag so bringt.