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Henry Kirste

Ich möchte auf gar keinen Fall eines Tages auf mein Leben zurückblicken und merken, dass ich meine Zeit falsch investiert habe. Darum treibe ich mich unentwegt an, der bestmöglichen Version meiner Selbst so Nahe wie nur irgend möglich zu kommen. Mal ganz davon abgesehen, dass ich möglichst viele Fortbildungen wahrnehme, habe ich zum Beispiel vor sieben Monaten mit dem Rauchen aufgehört und kompensiere dies nun mit Sport. Derzeit gehe ich fünf Mal die Woche in ein Fitnessstudio.
Brenne ich für ein Thema, möchte ich es ganz und gar verstehen und können. Nach dem ersten großen Feuer, während dessen ich mich intensiv einlese und sich erst Mal alles um das neue Thema dreht, pendelt sich meine Begeisterung dann auf ein gewisses Maß ein, so dass sich der neue Themenbereich dann gut in die Gesamtsumme meiner Tagespläne einfügt.

Ja, ich habe gerne einen Plan. Der Begriff „Glück“ ist für mich persönlich eng damit verbunden, in der Gesamtheit meinen Weg nicht zu verlieren und das auch zu merken. Für mich besteht ein jeder Tag aus einzelnen Elementen, die ich so zurecht schiebe, dass sie sich zu einem stimmigen, gut zu schaffenden Pensum fügen. Da ich unentwegt abwäge, ob ich etwas richtig gemacht und gesagt habe, etwas vielleicht anders oder eventuell gar nicht hätte machen sollen, treffe ich eher selten völlig spontane Entscheidungen. Das schützt mich vor Zeitverschwendung, ist aber auch wirklich anstrengend, da durch das ständige Abwägen sämtlicher Eventualitäten mein Hirn nie den „Standby-Modus“ abschalten kann. Mittlerweile bin ich da schon etwas entspannter, doch wünsche ich mir, manchmal mehr einfach nur in einem Moment zu sein. So liebe ich es zum Beispiel, auf dem Fahrrad (das mein Großvater sich vor ca. 30 Jahren gekauft hat und ich mir neu aufgebaut habe) durch die Stadt zu cruisen. Es ist ein großartiges Gefühl, sich mithilfe seiner eigenen Muskelkraft schnell gleitend fortzubewegen!
Getreu meiner Devise „ein gutes Pferd springt knapp!“ gebe ich als Pragmatiker nur
90 % meiner Energie in Projekte – so kann ich noch 10% drauf packen, sollte es knapp werden. Grundsätzlich versuche ich, mir möglichst viel Wissen zu einem Thema anzueignen – auf dieser Grundlage kann ich meines Erachtens unter minimalem Zeiteinsatz maximale Resultate erzielen. Dazu kommt noch, dass ich sehr sorgenfest und absolut frei von Prüfungsangst bin – ich gehe völlig entspannt in Prüfungssituationen und mache das Beste daraus.
Es mag viele überrascht haben, dass ich als LSHler eine Ausbildung zum Energie- und Gebäudetechniker einem Studium vorgezogen habe. Doch war es für mich zunächst wichtig, mich weiterhin in einer größtenteils vorgegebenen Struktur zu bewegen. Wobei ich mir schnell eine eigene Nische geschaffen habe, da ich mittlerweile bei uns im Unternehmen für den Brandschutz zuständig bin. Im Anschluss an meine Ausbildung möchte ich in Weimar „Management für Bau, Immobilien und Infrastruktur“ studieren und werde in diesem Studiengang auf mein während der Ausbildung erworbenes Wissen zurückgreifen können. Es wird später auf den Baustellen sicherlich von Vorteil sein, dass ich das Gefüge auf Baustellen kenne und mich schnell darin einfinde. 
Während meiner Zeit als Azubi kommt mir zugute, dass ich in meiner Zeit am Internat Solling gelernt habe, mit Menschen verschiedenster Hintergründe klar zu kommen. Wobei ich zugeben muss, nicht von mir aus erzählt zu haben, dass ich auf dem Internat Solling war. Wie soll man erklären, dass es an seiner Schule eine „Diskomannschaft“ gab? Ich wollte nicht der sein, „der auf dem Internat war“. Es kam zufällig raus, doch kannten meine Kollegen mich zu dem Zeitpunkt schon gut genug als Kollegen, als dass eine eigenartige Stimmung hätte aufkommen können.
Natürlich verdanke ich dem Internat Solling nicht nur meine Sozialkompetenz. Als zutiefst loyaler Mensch, der die Freundschaft an sich immer bedingungslos einem Streit überordnet, habe ich immer noch guten Kontakt zu vielen LSHlern. Bei uns in Hannover trifft sich nahezu täglich eine lockere Runde Altschüler in der Sternwarte und auch mein Mitbewohner kennt den Begriff „Diskomannschaft“ nicht nur vom Hörensagen, sondern war darin aktiv.
Henry Kirste (LSH 2011 – 2016)
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