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Inge und Martin Gensheimer

Wir sind stolze Tannenhäusler! 
 
In den 80iger Jahren wurde das Tannenhaus mit etwas räumlichen Abstand zu den anderen Schulgebäuden gebaut, um den Jüngsten unserer Gemeinschaft einen geschützten Raum zu gewähren. Die Kinder können hier altersgerecht toben und bekommen im Umkehrschluss auch nicht viel von den älteren Schüler*innen (die ja zum Beispiel eine völlige andere Schlafenszeit haben) mit. Im Tannenhaus wird die Basis für das Internatsleben geschaffen. Wir sind es, die die Kinder kleinschrittig zur Selbstständigkeit erziehen – die sie hier früher benötigen, als sie es in ihren Herkunftsfamilien der Fall wäre. Es ist bewundernswert, was Kinder bei ihrem Start ins Internatsleben alles bewältigen – ein völlig neues Umfeld, durchgeplante Tage, oft stärkerer Leistungsanspruch als zuvor, das Hineinfinden in eine große, bereits bestehende Gemeinschaft … all dies fordert ganz schön. Übrigens auch von den Eltern, denen wir gerne Nabelschnur zum Loslassen ihrer Kinder sind. Martin schickt häufig Fotos aus vergnügten Momenten unserer Heimwehkandidaten zu ihnen nach Hause, um besorgte Eltern zu beruhigen. Elternersatz können und wollen wir nicht sein, sehr wohl aber liebevoll zugewandter Rückhalt! Da Inge deutlich impulsiver ist als Martin, kann es ihr durchaus passieren, dass sie gebeten wird, ihn zu holen – ein Vertrauensbeweis der besonderen Art! An beide von uns: Die Schüler*innen wissen, dass Inge nicht gekränkt ist und dass unser aller Ruhepol Martin eine Lösung finden wird. Selbstverständlich kommt es auch genau anders herum vor. Letzten Endes ticken wir zwar nicht in allem gleich, leben und lieben aber dieselben Werte. Uns ist wichtig, dass unsere Schüler*innen (derzeit haben wir 10 Schützen und 2 Scholaren; unsere jüngste Schülerin ist 11, der älteste Schüler ist 14 Jahre alt) Ausgleich zum Schulalltag finden und gehen gerne mit ihnen raus in die Natur – da sitzt beim Versteckspielen schon mal die Kleinste im Baum und der längste Schüler liegt platt am Boden! Im vergangenen Jahr waren unsere Lagerfeuer sehr beliebt. Da Martin es als Dorfmensch gar nicht anders kennt und möchte, war es für uns von Anfang an selbstverständlich, dass wir auch hier am Internat Solling „open house“ leben – das Tannenhaus steht jederzeit für jedermann offen, da wird nicht nach Hauszugehörigkeit gefragt, wenn ein Fahrradreifen geflickt werden muss oder ein offenes Ohr gebraucht wird! Die Schüler*innen sollen lernen, ihre Bedürfnisse zu äußern und wir versuchen immer, sie darin zu unterstützen – so wird zum Beispiel häufig darum gebeten, auch außerhalb der AG-Zeiten Bogenschießen zu dürfen. Da wir selber vom intuitiven Bogenschießen profitieren – nach drei Stunden im Parcours, dieser einmaligen Mischung aus Naturerlebnis und Fokus auf verschiedenste Ziele ist jeder Gedanke unwichtig geworden, da kommt selbst Inge mal zu Ruhe! – teilen wir dieses Erlebnis sehr gerne und Martin versucht, den Schüler*innen so oft wie möglich die Gelegenheit zu verschaffen, es zu genießen.
 
Auch vom pädagogischen Sichtpunkt her sind wir ein Komplettpaket – Inge hat über 11 Jahre hinweg eine Montessori-Schule mit aufgebaut und liebt als ehemalige Leistungssportlerin (im Schwimmen) Bewegung auf ein Ziel hin. Martin war insgesamt rund 45 Jahre bei der Freiwilligen Feuerwehr Landau tätig, wo er zwischenzeitlich 30 Leute unter sich hatte und als Ausbilder und Initiator der Jugendfeuerwehr viel mit Jugendlichen gearbeitet hat. Diese Erfahrungswerte kamen ihm auch in seinen Jahren als Jugendschöffe am Landgericht Landau zugute. Als Ortvorsteher hat er gelernt, vorausschauend vorzugehen und in allen Situationen die Ruhe zu bewahren. Lebenserfahrung, von der nun unsere Schützlinge profitieren.
 
Als wir uns kennen und lieben lernten, waren unser beider Freundeskreise überrascht, da jeder für sich einen vollgepackten 24 – Stundenplan für sein Leben hatte. Wie das Leben so spielt… Nach einem halben Jahr sind wir zusammengezogen und ein halbes Jahr darauf hat Martin Inge den Heiratsantrag gemacht. Übrigens in prachtvoller Feuerwehruniform! Er hatte Aufsicht bei der „Hochzeit des Figaros“. In der Pause griff er zum Handy, rief einen befreundeten Gärtner an und bat diesen, ihm einen riesengroßen Strauß bereitzustellen, er wolle Inge einen Antrag machen. Gesagt, getan. Nach Inges „JA“, fuhr dann der Mannschaftswagen nach einem „Daumen hoch“ am Fenster (natürlich hatten die Kameraden vor dem Haus ausgeharrt!) mit Blaulicht durch das Dorf – da waren dann gleich alle informiert. Für das Leben am Internat Solling hat Martin mit einem „Dir folge ich auch an den Nordpol!“ seine Selbstständigkeit als Gärtnermeister aufgegeben. Hier in Holzminden hält er Inge den Rücken frei und ist ebenso Ansprechpartner für die Kinder, wie Inge es ist (insbesondere nachmittags klingelt es im 10-15 Minutentakt an unserer Türe). Auch hat er die Bogenschießen-AG ins Leben gerufen, unterrichtet samstags im Fach „praktische Arbeit“, hat Hochbeete angelegt und ist dabei, die Feuerwehr wiederaufzubauen. Unsere Tage starten mit einer gemeinsamen Tasse Kaffee und einem hart gekochten Ei, bevor es dann um 6.50 Uhr an das (1.) Wecken der Kinder geht und Inge dann naturwissenschaftliche Fächer und Sport unterrichtet. Gegen 22 Uhr trinken wir miteinander einen Tee und erzählen einander in Ruhe den Tag. Einen wirklichen „Feierabend“ kennen wir nur in den Ferien, in der Schulzeit ist keiner von uns zu 100 % privat. Da ist auch im Schlaf noch ein Ohr bei unseren Schützlingen. Umso mehr genießen wir die Ferien, in denen wir am liebsten einfach losfahren – neuerdings mit unserem Wohnmobil, so, dass wir wetterunabhängig überall hinkönnen. Das ist ein unglaublicher Genuss: Das Korsett von Uhrzeiten ablegen, nicht für mindestens 12 Menschen zusätzlich mitdenken und einfach drauflos genießen!