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Johann Oppermann

Das ist definitiv etwas, das ich in meiner Zeit am Internat Solling gelernt habe. In unserer Schulgemeinschaft kommt jeder mit jedem ins Gespräch und hat somit die Chance, sich einen wirklichen Eindruck von der jeweiligen Person zu verschaffen.
 
Derzeit lebe ich meinen Traum und bin auf dem besten Wege dahin, das zu machen, was ich machen möchte: Ich befinde mich in der Ausbildung zum Einzelhandelskaufmann und möchte später unser Familienunternehmen übernehmen. Da es meinem Vater wichtig ist, dass wir uns Dinge die über den alltäglichen Bedarf hinaus gehen selber erarbeiten, arbeite ich seit meinem 12. Lebensjahr in den Ferien im väterlichen Betrieb „Mc Clean“. Neben dem reinen Gelderwerb hat es auch den Effekt, dass ich das Unternehmen in all seinen Facetten kennenlerne. So ist zum Beispiel wirklich nicht zu verachten, was bei einer professionellen Autoreinigung zu so alles zu beachten ist! Insbesondere im Sommer muss sehr umsichtig gearbeitet werden, da Schmutz sich einbrennt, aber ohne Lackschäden entfernt werden muss. Auch die Innenraumreinigung stellt durch die Vielzahl der verarbeiteten Materialien eine Herausforderung dar. 
 
Dieses Wissen wird mir später von Vorteil sein, da ich mir vorgenommen habe, niemals etwas von Mitarbeiter:innen zu verlangen, das ich selber nicht kann. Auch wenn ich alle Mitarbeiter:innen in mein Herz geschlossen habe, so achte ich doch auf das wahren einer gewissen Distanz und lehne mit dem Gedanken daran, dass ich irgendwann mal der Chef des Ganzen sein könnte, ein angebotenes „Du“ eher ab. In dem Wissen, dass im Leben immer alles anders kommen kann als gewünscht und/oder erträumt, arbeite ich darauf hin ohne mich komplett auf dieses eine Ziel zu versteifen.
 
Es geht mir grundsätzlich darum, selbstständig arbeiten und unabhängig Entscheidungen treffen und leben zu können. Ein Ziel, dass ohne meine Zeit auf dem Internat Solling nicht denkbar wäre, habe ich doch hier meine Noten verbessern und meinen Abschluss machen können. Wobei „Abitur“ für mich schon seit längerem nicht mehr meine Priorität war, da ich es brauche, praktisch tätig zu sein. Natürlich ist es nun, nach 2,5 Jahren in Holzminden, sehr eigenartig, Schüler einer Berufsschule zu sein und über einen Schulhof zu gehen, auf dem ein deutlich anderer Tonfall herrscht als auf dem LSH. An manchen Tagen kommt dies wohl durchaus einem Kulturschock gleich! Da ich aber anpassungsfähig bin, komme ich gut zurecht. 
 
Meiner Meinung nach hat „Erfolg“ nicht immer mit Geld zu tun, sondern vielmehr damit, sich ein glückliches Leben zu ermöglichen. Ich möchte die Menschlichkeit erreichen und erhalten, die ich mir vorgenommen habe. Andere nicht über einen Kamm scheren und mich nicht über Mitmenschen erheben. So würde ich zum Beispiel auch nie eine Person auf mich warten lassen und somit ihre Zeit verschwenden, sondern plane Termine immer mit ausreichendem Zeitpuffer. Obwohl ich durchaus gerne feiern gehe und einen sehr großen Bekanntenkreis habe, gibt es nur wenige, die ich als wirkliche Freunde bezeichne und für die ich jederzeit alles in meiner Macht Stehende tun würde. Es ist mir wichtig, dass es den Menschen in meinem Umfeld gut geht und ich setze viel daran, dass dem so ist und es auch so bleibt. Darum war ich auch in meinem letzten Jahr am Internat Solling im Schülerparlament aktiv. Auch wenn ich tatsächlich manches Mal eine Art Heimweh in Richtung des Internates verspüre und meine dortigen Freunde und meinen Alltag mit ihnen vermisse, ist mir nach meiner Rückkehr eines sehr deutlich geworden: Am glücklichsten bin ich in Göttingen, es ist meine Stadt. Was auch immer im Leben so passieren mag, ich bin mir sehr sicher, dass ich hier nicht wieder weggehen werde und dies der Ort ist, an dem ich meine eigene kleine Familie gründen möchte.