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Katja Enders

Die Tür zu dem Zufluchtsort meiner Kindheit schloss mit einem tiefen, dumpfen 
„Wusch“. Drinnen roch es nach altem Leder und gelegentlich nach Pfeifentabak mit einem Hauch von Pflaume.

Ein Oldtimer, in dem mich aufzuhalten mir ein wunderbarer Gentleman in Indien, Sir Mc Dougal gestattete. Und später bot er mir sogar an, mir diesen Oldtimer zu verkaufen, wenn ich seinen Hund ausführte und mich um seinen japanischen Teich kümmerte. Dies war der Beginn meiner Leidenschaft für Oldtimer. Irgendwann waren es 42 und unendlich viele Ersatzteile, da man ja nie wissen kann, wann etwas kaputt geht und ob es gerade dann das passende Stück gibt. So schlitterte ich in die Automobilbranche.

Doch konnte ich meinen Traum über das gemütliche Bereisen von romantischen Schotterpisten in Norwegen oder Irland in meinen Oldtimern gar nicht leben, da ich viel zu sehr Sklave meiner eigenen Firma war. Als ich zum Zeitpunkt der mir selbst gesetzten Frist „ Dezember 1990 “merkte dass es nicht zu delegieren war, mir diesen Freiraum zu schaffen – löste ich alles auf, verkaufte und war bereit für einen Neustart.

Da mein Vater im diplomatischen Dienst tätig war wuchsen meine zwei Geschwister und ich in Indien, Japan und Kanada auf. Mein Abitur habe ich in Kanada gemacht, musste es aber aufgrund einer Fehlinformation in Deutschland wiederholen. Das war gut für mich, das Jahr am Hamburger Zentralkolleg hat mir ermöglicht mich zu akklimatisieren.

Als ich dann das erste Mal selber vor einer Schulklasse stand wusste ich einfach sofort: „Das hier, das Unterrichten, das ist es“. Doch hat es mich auch schnell frustriert, die Schüler nur in 45 minütigen Momentaufnahmen zu erleben. Es hat mir nicht gereicht, sie nur durch den Schultag zu begleiten. So kam die Einladung zu einem Vorstellungsgespräch hier am LSH wie gerufen. „ Kopf, Herz, Hand“!

Da die Nacht vor meinem Vorstellungsgespräch eine klirrend kalte war, kam ich viel zu früh hier an in meiner Sorge, durch die Witterung verspätet einzutreffen. Die Zeit überbrückte ich mit einem Spaziergang im Hasselbachtal. Der Tag war ganz klar und als ich um eine kleine Biegung kam, brach die Sonne strahlend hervor. Durch den plötzlichen Temperaturunterschied brachen plötzlich all die goldenen Blätter ab – 
und so stand ich wie Goldmarie in einem güldenen Schauer.

Untermalt vom kleinsten, feinsten Klingeln der gefrorenen Blätter, ganz als stünde ich inmitten lauter Tinkerbells.
Das tiefe Glücksgefühl dieses Momentes empfinde ich immer noch wenn ich inne halte und spüre, wie wohl ich mich an diesen Ort und in dieser Schulgemeinschaft fühle.

Vor kurzem rief ein Altschüler mich mit einem „ Ich wollte einfach mal Danke sagen“ an. Ja. Hier gehöre ich hin.

Katja Enders
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