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Kirsten Pszarski

Mein Glaube ist mir sehr wichtig. Das Wissen, einen starken Partner an meiner Seite zu haben, dem ich auch mal meinen Frust entgegenschleudern darf und an den ich Dinge abgeben kann, für die ich keine Lösung finde, lässt mich nicht hoffnungslos werden.

Seit meiner Taufe 2006 darf ich ein sorgenfreies Leben führen – was nicht bedeutet, dass ich keine Probleme habe. (Meine Definition von Sorgen: Sorgen sind Probleme, die ihre Koffer ausgepackt und sich auf einen längeren Aufenthalt eingerichtet haben!) Sorgen gebe ich im Gebet ab, die Lösungen kommen immer rechtzeitig, allerdings oft nicht so, wie ich sie mir vorgestellt oder gewünscht hätte – aber sie kommen.

Dadurch habe ich auch die Kraft und Gelassenheit, mit der Krankheit meines Mannes zu leben. Da ihm das Gehen zunehmend schwerer fällt, haben wir uns ein neues gemeinsames Hobby zugelegt: Er fährt auf seinem Pedalo (Rollstuhlzuggerät) und ich auf Inlinern neben her. Unser Ziel ist es, bis Ende des Sommers einmal bis Höxter zu fahren!

Nach meiner Elternzeit habe ich mich gründlich mit dem Thema „Bewerbungen schreiben“ auseinander gesetzt und so kann ich nun mit Fug und Recht behaupten, dies wirklich gut zu können! Bisher war jede von mir geschriebene Bewerbung erfolgreich. Eine Bewerbung ist meiner Meinung nach dann erfolgreich, wenn man zum Vorstellungsgespräch eingeladen wurde – der Rest ist Verkauf der eigenen Fähigkeiten und Stärken. So wenden sich Freunde und natürlich auch meine Kinder nun immer an mich, wenn bei ihnen eine Bewerbung ansteht.

Da ich gerne koche, habe ich auch sechs Jahre die Koch-AG geleitet. Das besonders Schöne daran waren die Gespräche beim gemeinsamen Essen im Anschluss. Dies ist das Tolle an der Arbeit hier – es ergeben sich immer wieder Situationen, den Schülern gegenüber grundlegende Werte anzusprechen. Sei es der Hunger in der Welt und der Luxus Pizzaränder nicht zu mögen oder sich den Teller maßlos vollzufüllen und nur die Hälfte davon zu essen. Auch spirituelle Themen hatten ihren Platz. Ich würde nie versuchen, jemanden zu missionieren. Doch bin ich der Meinung, dass Christen die Pflicht haben zu sagen, was ihnen Halt in dieser Welt gibt. Sollte nun aber mal ein Schüler in einer Situation sein, in der er nicht weiter weiß und sich dann daran erinnert, dass er jederzeit Hilfestellung im Glauben finden könnte, so wäre ich sehr froh.

Um einen Ausgleich zu meinem sitzenden Beruf zu haben, gehe ich dienstags mit einer Freundin schwimmen. So richtig die Welt um mich herum vergessen kann ich, wenn ich vor einem Puzzle sitze. Da mein Mann und ich nach dem Auszug unseres Sohnes das Zimmer renoviert und noch leer stehen hatten, wollte ich einmal so richtig puzzeln. In dem Jahr haben mein Mann und die Kinder mir zu Weihnachten ein Puzzle mit 16.240 Teilen geschenkt. Das waren herrliche vier Monate, in denen ich nach Feierabend immer sofort wusste, was ich machen möchte! Das zwei mal drei Meter große Puzzle liegt noch zusammengerollt auf unserem Dachboden, ich werde es nun wohl mal wieder in seinen Karton zurück packen.

Jetzt mache ich nur hin und wieder Puzzle mit 1000 Teilen, die nehmen nicht so irrsinnig viel Platz weg. Das Schönste am Feierabend ist allerdings, dass mich mein Mann mit frisch aufgebrühtem Kaffee empfängt.

Kirsten Pszarski
Verwaltung Internat Solling
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