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Klaus Steinmann ( LSH 1966 – 1975)

In meinem Beruf als Entwicklungsingenieur bei einem Automobilzulieferer war ich Macher, Tuer und Versteher. Der Umgang mit Zahlen ist mir nie schwergefallen und die Aufgabe, eine Idee mittels räumlichen Vorstellungsvermögens in etwas Greifbares zu verwandeln, hat mir immer Freude bereitet. Ich war in meinem Fachgebiet „Getriebe und Komponenten“ durchaus ein gefragter Fachmann. Umso eigentümlicher ist es manchmal noch, zu der „Betriebsweihnachtsfeier für Pensionäre“ eingeladen zu werden. Daran habe ich mich noch nicht so ganz gewöhnt.
Als Schatzmeister unseres LSH-Bundes bin ich nach wie vor in viele Abläufe am Internat Solling eingebunden. Es ist mir ein Bedürfnis, dem Ort, an dem mir so viel Gutes und Wichtiges widerfahren ist, durch meine ehrenamtliche Tätigkeit etwas zurückzugeben. Darüber hinaus besteht ein Großteil meines Freundeskreises nach wie vor aus LSHlern.
Das aus mir ein LSHler wurde, liegt daran, dass es mit dem Wechsel auf die Oberschule und somit in eine Klasse, die 40 Schüler umfasst hat, für mich an der Staatsschule schwierig wurde. Zudem war nicht ich, sondern meine Schulhefte doof – das Rot in den Korrekturen überwog den meinen, blau geschriebenen, Teil bei weitem! Rechtschreibschwäche.
So hieß die Empfehlung dann „Internat“. Da diese in unserer familiären Heimat, dem Münsterland, meist konfessionell gebunden sind, wurde uns das Internat Solling empfohlen. So kam es, dass ich am 01.12.1966 im Alter von 12 Jahren zu einem Landschulheimer wurde. Zu meinem Glück begannen in diesem Jahr die Weihnachtsferien früh, so dass ich mich 10 Tage später zu Hause von der Umstellung erholen konnte. Wieder zurück, habe ich mich gut in den Internatsalltag eingefunden und auch schulisch ging es bergauf!
Die sozialen Werke und die AGs haben die Nachmittage gut gefüllt, besonders große Freude hat mir die Auto-Werkstatt bereitet! Dort haben wir unter der Anleitung eines Berufsschullehrers gelernt, Autos auseinander zu nehmen und wieder zusammenzubauen – wir durften sogar fahren! Ich denke, dass dieses gemeinsame Tun und Erleben die Basis für meine Fähigkeit war, gut im Team arbeiten und funktionieren zu können. Auch das Übernehmen von Verantwortung ist etwas, dass ich am Internat früh gelernt und von dem ich in meinem Berufsleben profitiert habe.
Eine Freizeitaktivität, die ich am Internat Solling für mich entdeckt habe und die mir immer noch sehr wichtig ist, ist das Fotografieren. Damals hatten wir noch eine Dunkelkammer im Institut. Die Faszination daran, die Rolle des Beobachters durch einen Sucher einzunehmen, hat sich für mich nie abgenutzt. Ich liebe es, den einen Moment einfangen zu können, in dem eine Person den genau richtigen Gesichtsausdruck hat, das Licht perfekt ist oder eine Stimmung authentisch eingefangen ist. Die technische Seite der Fotografie kann jeder erlernen, den Instinkt dafür, im richtigen Moment abzudrücken, jedoch nicht.
Allein aus meiner Schulzeit habe ich 3 chronologisch sortierte Aktenordner, die jeweils die Negative von ca. 400 Filmen beinhalten! Meine Dia-Sammlung umfasst ca. 14.000 Stück; da es sich um lauter Originale handelt, kann ich mich einfach nicht davon trennen! In meinem Wohnzimmer hängt noch heute ein Bild, das ich im Fotolabor im Institut auf 50 x 60 cm vergrößert habe eine schwarz-weiße Landschaftsaufnahme, die ich auf unserer Provence-Fahrt aufgenommen habe. Das Fotografieren war auch der Grund, warum ich viele Jahre engagiert in der Redaktion unserer Giftschonung mitgewirkt habe: Ich hatte immer ausreichend Bildmaterial! Allein beim Altschülertreffen 2019 habe ich 242 Bilder geschossen.
Ich habe mal spaßeshalber gerechnet, wie viele Autokilometer ich allein seit meinem Umzug an den Bodensee 1985 nach Holzminden zurückgelegt habe! Da ich in den meisten Jahren drei Mal am LSH bin, komme ich in den 35 Jahren auf grob geschätzte 120.000 km. Und jeden einzelnen bin ich sehr gerne gefahren.