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Marie-Gabriele von Massenbach

Singen bedeutet Freiheit für mich.

Es bietet mir die Möglichkeit, einen schönen Klang zu erschaffen, mich in Melodien zu verlieren und fordert mir trotzdem zugleich die Konzentration ab, auf Intonation und eventuell Mitsingende zu achten – ich liebe es! Hoffentlich können und dürfen wir bald den „Kollegen:innen-Chor“ wiederaufleben lassen, die Kombination dessen, gemeinsam etwas zu erarbeiten und zugleich darin Zerstreuung zu finden, fehlt mir sehr.

Auch meine zweite Leidenschaft, das Theaterspielen, mag vielleicht jene überraschen, die mich in Gesprächssituationen eher als zurückhaltend erleben. Es bereitet mir jedoch große Freude, in andere Rollen zu schlüpfen und ja, auch, andere Menschen genau damit zu überraschen! Schon in meiner Schulzeit war ich in der Theater-AG meiner Schule aktiv und auch während meines Studiums in Bochum hat mich das Theaterfieber nicht losgelassen- ganz im Gegenteil. Dank etlicher Workshops, an denen ich teilnehmen konnte und einer sehr lebendigen Gruppe von Mitspielenden haben wir sogar eigene Stücke auf die Beine gestellt! Mich reizen insbesondere die Charaktere von Shakespeare, dessen Stücke in meinen Augen nie an Aktualität verlieren und alle Facetten der Menschen wiederspiegeln. Ach, wie gerne würde ich noch einmal den „Puck“ aus dem Sommernachtstraum spielen (dies wäre auch eine vortreffliche Gelegenheit, mein Lieblingszitat im dafür perfekten Rahmen zu zitieren: “If we shadows have offended, think but this, and all is mended:That you have but slumber’d hereWhile these visions did appear.……)! Auch das Verkörpern einer der Hexen aus Macbeth befindet sich auf meiner Bühnenwunschliste. Für begrenzte Zeit mal jemand ganz anders sein, das hat schon was.

Betrachtet Mensch die Tätigkeit eines Lehrers, so liegt der Vergleich Unterricht-Bühne in manchen Unterrichtsstunden sehr nahe. Auch hier geht es darum, Inhalte zu transportieren und andere zu interessieren, bestenfalls zu faszinieren. Die Wahl meiner Fächer, Englisch und Geschichte, hat sich für mich ganz selbstverständlich aus meinen eigenen Interessen ergeben. Von klein auf habe ich eine große Affinität zu England und zur englischen Sprache verspürt, die sicherlich dadurch befeuert wurde, dass auch meine Mutter Englischlehrerin war. Mittlerweile war ich über 10 Mal in Großbritannien, u.a., um meinen Bruder in London zu besuchen, der das Glück hat, dort leben und arbeiten zu können. Da ich in den Schulferien häufig an Ferienkursen im meinem Elternhaus nahegelegenen Rheinischen Landesmuseum besucht habe, ist es für mich zur Selbstverständlichkeit geworden, Dinge historisch zu ergründen und hinterfragen. Da England ein sehr geschichtsträchtiges Land ist, greifen meine beiden Fächer hervorragend ineinander.

Letzten Endes ist England indirekt auch Initialzündung für meine Bewerbung am Internat Solling gewesen. Während meines Anglistikstudiums habe ich im Laufe zweier Praktika an der Dean Close School in Cheltenham gemerkt, dass das Ineinandergreifen von Lehrtätigkeit und persönlichem Kontakt an einem Internat eine pädagogische Welt ist, die mich fasziniert. Höre ich dann, wie eine Schülerin von meinem roten Sessel als „Sorgensessel“ („Ich setze mich dann mal in ihren Sorgensessel, Frau von Massenbach“) spricht, so fühlt sich das gut an. Natürlich ist es auch herausfordernd, nach dem Unterricht direkt Kammerjägerin, Krankenschwester und kümmernde Zuhörerin zu sein – doch gelingt es mir immer besser, bei schöner Musik und einer guten Tasse Tee zur Ruhe zu kommen. Um dann gerne meine Türe wieder nur anzulehnen. Ich bin mir dessen bewusst, dass es für mich noch viel zu erfahren und zu lernen gibt – und freue mich darauf. Um noch einmal Shakespeare zu zitieren:

„Wir wissen wohl, was wir sind,aber nicht, was wir werden können.“.

Das gemeinsame und parallele Lernen und Erleben mit unseren Schüler:innen ist meines Erachtens das, was unsere Gemeinschaft und unseren Geist hier am Internat Solling prägt.