Ich kann nicht nicht ehrlich sein. Vielleicht genieße ich es deshalb so sehr, Theater zu spielen. Auf der Bühne, in der Rolle, bin ich eine andere Person, ohne dabei meine persönliche Authentizität aufgeben zu müssen.
Unser großartiger Theater-Lehrer, Martin Kammer, hat mir ein sehr wichtiges Motto mitgegeben: „Carpe Diem“. Darin übe ich, den Langeweile nervt, und der immer irgendetwas um die Ohren haben muss, mich nun bewusst. Insbesondere in Klausurenphasen bin ich sehr schlecht darin, abzuschalten. Das ist der Preis dafür, mir selbst viel abzuverlangen. Umso mehr genieße ich es, wenn ich mal Zeit in der Natur verbringen kann. Zuhause ist es ein kleines Ritual – häufig setze ich mich direkt nach meiner Ankunft auf meinen kleinen Motorroller und fahre in den Wald. Dort kann selbst ich innehalten und lausche dann einfach nur dem Leben.
Mein Leben zu genießen ist etwas, das ich am Internat Solling gelernt habe. Zuvor war ich eher inaktiv mit Tendenz zur nörgeligen Couchpotatoe, was durch die Pandemie zum Negativen verstärkt wurde. Hier in Holzminden bin ich definitiv sehr weit davon entfernt! Vielmehr habe ich zwei Amtszeiten im PV absolviert und war 2025 auch Schulsprecher. Aufgrund einer Schulterverletzung darf ich Rugby nur noch vom Spielrand genießen, habe dafür aber den Fußball wieder für mich entdeckt.
Für mich persönlich war es ein Segen, dass meine Internatszeit im Tannenhaus begonnen hat. Familie Gensheimer hat mich sehr gut an das Internatsleben herangeführt. Ich glaube auch tatsächlich, dass es uns gutgetan hat, dass wir damals noch keine Handys haben durften. Dadurch haben wir uns viel mehr miteinander beschäftigt und sind sehr gut zusammengewachsen. Die Freundschaften, die ich in dieser Zeit geschlossen habe, bestehen noch immer.
So sehr das LSH vier Jahre lang meine Welt dargestellt hat, so sehr musste ich aber auch mal für ein Jahr „raus“ und habe ein Schuljahr in England verbracht. Als bekennender Internatsleben-Fan selbstverständlich in einem Internat. Es war eine positive Herausforderung, mich auf das dortige Schulsystem, mir völlig fremde Menschen, 24/7 Englisch und die mangels guter Internetverbindung ausgeprägte Internetpause einzulassen! Für mich als modebewussten Menschen hat es eine kleine Erleichterung dargestellt, dass in meiner Stufe nicht die Schuluniform, sondern vielmehr der Dresscode „casual smart“ galt. So habe ich einen Max-Henry Look aus farbigen Chinos in Kombination mit Tweedjacket kreiert, den ich sicherlich in Holzminden nicht ablegen werde! Mit im Gepäck ist, dass ich in dieser mir zunächst fremden Umgebung gelernt habe, authentischer zu sein – was inkludiert, dass die Meinung anderer mir nach wie vor nicht egal, aber weniger wichtig ist. Ich darf behaupten, dass ich erwachsener an das Internat Solling zurückkehre, als ich es verlassen habe.
Eine Rückkehr, auf die ich mich wahnsinnig freue! Das LSH ist für mich einfach „the place to be“, bis ich meinen nächsten Lebensabschnitt beginne. Auch wenn meine großartigen Eltern es mir völlig freigestellt haben, was ich in der Zukunft machen möchte, so steht für mich derzeit fest, dass ich später in unser Familienunternehmen (wir sind seit 1975 im Brunnenbau tätig) einsteigen möchte. Ich empfinde es als Ehre und als Segen, diese Möglichkeit haben zu dürfen. Wenn ich es dann auch noch schaffe, meinem Vater darin zu folgen, dass Zuhause ein Ort der Geborgenheit ist, in den man den beruflichen Stress nicht hineinlässt, so werde ich ein sehr zufriedener Mensch sein. Mindestens so glücklich und zufrieden, wie ich es momentan bin. Unter anderem ganz bestimmt deswegen, weil ich gelernt habe, sich mir bietende Chancen wahrzunehmen.
Etwas, dass ich jedem Menschen an`s Herz legen möchte! Bewegt Euch, probiert Dinge und wenn es doof gewesen sein sollte, so wisst Ihr das dann. Wer nicht wagt, der nicht gewinnt! Packt jede sich Euch bietende Chance beim Schopfe, Leute!
Im Januar 2026.
