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Das Leben ist eine einzige Lernkurve.
Dies inkludiert für mich auch das Wissen darum, dass es viele Menschen gibt, die mir in vielen Lebensbereichen weit voraus sind. Das gilt es sowohl zu akzeptieren, als auch zu respektieren. Meines Erachtens sind auch Fehler wichtig. Ohne Tiefpunkte kann niemand die Höhen wertschätzen. Zudem glaube ich nicht, dass ich ohne die bisher gemachten Fehler im Leben da stünde, wo ich jetzt bin. Ein Beispiel: Wäre es nicht zu der Situation gekommen, dass ich nach Abgabe meiner ersten Abi-Klausur auf einem staatlichen Gymnasium sehr überrascht von meinem Oberstufenleiter angesprochen wurde, was ich denn da mache, ob ich denn nicht informiert worden wäre, dass ich die Abitur-Zulassung gar nicht hätte… ich wäre nie an das Internat Solling gekommen. Zwar hatte meine Mutter mich schon Jahre zuvor auf die Möglichkeit, auf ein Internat zu gehen, angesprochen – doch wollte ich ursprünglich nicht weg aus Hannover.
Am Internat Solling traf ich (zu meiner Überraschung, ich war Gegensätzliches gewohnt) auf Lehrer, die uns tatsächlich etwas beibringen wollten, für ihre Themen brannten und sich immer wieder über Augenkontakt und Nachfragen rückversicherten, dass der Unterrichtsstoff auch wirklich verstanden wurde. Darüber hinaus fand ich Freunde fürs Leben! Noch heute treffe ich mich jeden Donnerstag mit anderen LSHlern in Hannover und wir verbringen auch den Großteil der Wochenenden miteinander. Mit meinem besten Freund aus der Internatszeit habe ich nicht nur gemeinsam an der Deutschen Pop Academy „Musik & Medien Management“ studiert, wir planen auch eine gemeinsame Selbstständigkeit. Chris und ich sind die perfekte Kombination! Er hat das kreative Talent, Luftschlösser zu bauen und ich hole diese auf den Boden der Tatsachen zurück – dann schauen wir zusammen darauf, was davon übriggeblieben und wie dies am besten zu realisieren ist. Den Zeitpunkt des Startes unseres Unternehmens scheint leider Covid mitzubestimmen, da ich eigentlich zuvor noch meinen Master in Edinburgh machen möchte.
Auch der Weg in diese Berufsrichtung begann mit einem Scheitern: Die Studienversuche in BWL und Jura waren nicht eben von Erfolg gekrönt (obgleich ich sagen muss, dass das juristische Grundverständnis, das ich erworben habe, mir nun beruflich durchaus von Nutzen ist). Zudem wurde mir nach einem dreimonatigen Praktikum in Schlips und Kragen in einem Büro klar, dass das klassische Angestelltenverhältnis so gar nichts für mich ist. Meine Eltern, die beide in der Wirtschaft tätig sind (ich bin mit Gesprächen zu NLP am Mittagstisch groß geworden), haben zunächst geschluckt, als ich ihnen mitteilte, nun eine völlig andere Richtung einzuschlagen und meine Leidenschaft für Musik auch beruflich leben zu wollen. Sagen wir es mal so: Nach einer „Wenn Du das schaffst“ – Wette mit meinem Vater musste er mir gerade das von mir, der sich im Studium selbst finanziert hat, in meinen Bachelor investierte Geld zurückzahlen. Mittlerweile haben meine Eltern ihren Frieden mit meiner Wahl gemacht und unterstützen meinen Weg in die Kreativwirtschaft.
Der einzige negative Nebeneffekt meiner Zeit an der Deutschen Pop Academy ist, dass es mir unmöglich geworden ist, privat unvoreingenommen in Clubs zu gehen. Sobald wir einen Veranstaltungsort betreten, rattert mein Hirn sofort los und kalkuliert die Personalkosten, die Gewinnspanne bei den Getränken und stellt Überlegungen an, wie ich das Ganze angehen würde… Aber irgendwie mag ich das auch sehr. Meine Freude an Musik ist zum Glück unangetastet, nach wie vor entspanne ich sehr gerne bei Musik, auch wenn ich derzeit nicht mehr live auflege. Tatsächlich ist selbst meine Begeisterung für Autos dem Sound geschuldet, mein Interesse wurde durch den Klang von Motoren geweckt. In diesem Bereich bin ich eine gute Kombination aus meinen Eltern – mein Vater ist eher der technische Schrauber, während meine Mutter den familieninternen Streckenrekord vom LSH nach Hannover innehält. Eine Strecke, die ich nach wie vor gerne fahre und sei es nur, um bei einem Bier im Lion die Erinnerungen an dieses verrückte, prägende und wertvolle Jahr am Internat Solling wieder vor Ort aufleben zu lassen.