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Pelayo

Da ich der Meinung bin, dass man Plan A gar nicht vertraut, wenn man einen Plan B hat, suche ich Alternativen erst dann, wenn es notwendig ist. Mir liegt das Improvisieren im Blut. Trotz meines Bedürfnisses nach einer Tagesstruktur liebe ich es, blitzschnell einen neuen Plan zu entwerfen.
Ich bin ein sehr aktiver Mensch. Ich mag es nicht, Zeit zu verschwenden und versuche, jede Sekunde eines Tages auszunutzen. Nach dem Unterricht nehme ich täglich an verschiedensten AGs teil, um mich möglichst in vielen Bereichen auszuprobieren. Sowohl letztes als auch dieses Schuljahr. Wurde ich in die Schülervertretung gewählt, deswegen treffe ich mich öfters mit verschiedenen Gremien der Schule oder arbeite an unterschiedlichen Schülerinitiativen. Außerdem versuche ich, jeden Tag eineinhalb Stunden Klavier zu üben, da ich schon seit 11 Jahren Klavier spiele und mich im vorletzten Jahr meiner Ausbildung zum Musiker im Konservatorium von Madrid (dort wohne ich) befinde. Um die Ausbildung parallel zu meiner Zeit hier in Holzminden laufen lassen zu können, werden mir am Anfang jeden Jahres sieben Stücke zugeteilt. Um mein Leistungsniveau zu halten, aber um mich vor allem zu verbessern, nehme ich hier am Internat Solling Klavierunterricht und bin während den Schulferien nahezu täglich für Intensivkurse am Konservatorium von Madrid.
Auch Sport spielt eine sehr wichtige Rolle in meinem Leben. Ich spiele in der Tennismannschaft des Internats, habe mich in Fußball, Basketball, Badminton, Volleyball und Rugby ausprobiert und wenn ich zuhause bin, spiele ich gerne mit meinem Vater und meinen beiden Schwestern oder in meiner Mannschaft Golf. Selbst bei spielerischen Aktivitäten ist es mir wichtig, wirklich alles gegeben zu haben. Ich gebe niemals auf! Selbst wenn schon lange klar ist, dass ich verloren habe, reize ich das Spiel bis zur allerletzten Sekunde aus. Dabei geht es mir nicht immer darum, zu gewinnen. Ich möchte nur auf gar keinen Fall das Gefühl haben müssen, nicht mein Bestmögliches getan zu haben und möchte „hättewärewenn-Zweifeln“ keinen Raum lassen. Dies gilt für alle Lebensbereiche.
Auch wenn ich erst seit einem Jahr über die Neumayer Stiftung auf dem Internat Solling bin, so bin ich doch bereits ein „alter Internatshase“. Meine Eltern haben mich, als ich 14 Jahre alt war, für ein halbes Jahr auf ein neuseeländisches Internat geschickt, um mein Englisch zu verbessern. Da ich als kleiner Junge Alpträume hatte, in denen sich bei Unwetter mit Blitz und Donnern kleine Internatskinder in ihrem Uniformen in düsteren Schlafsälen zusammenkauern, hielt sich meine Vorfreude in Grenzen. Außerdem hatte ich erst seit zwei Jahren Englischunterricht gehabt und ich hatte das Gefühl mich nicht gut auf Englisch verständigen zu können. Doch war gleich am zweiten Tag klar, dass ich dort eine gute Zeit haben würde, meine Klassen- und Wohnkameraden haben mich super gut aufgenommen und mir richtig viel, vor allem am Anfang, geholfen. Nach meiner Rückkehr nach Madrid hatte ich so große Sehnsucht nach dem Internatsleben, dass ich im folgenden Schuljahr noch einmal freiwillig für ein halbes Jahr nach Neuseeland zurückgekehrt bin. Als mir dann eine ehemalige Klassenkameradin in Madrid von dem Internat Solling und der Möglichkeit, sich auf ein Stipendium zu bewerben, erzählt hat, war ich gleich begeistert von der Idee. Da ich die Deutsche Schule Madrid mein ganzes Leben lang besucht habe, war hier die Sprachbarriere nicht so stark wie in Neuseeland gegeben. Unterschiedlicher als das Internat in Neuseeland und das Internat Solling können zwei Internate wohl kaum sein! In Neuseeland hatten wir jeden Morgen binnen 20 Minuten die Schuluniform (einen Anzug, sehr praktisch, da das Gepäck ja auf einer 44stündigen Reise nicht umfangreich ausfallen soll, wir durften nur sonntags unsere private Kleidung tragen) anzuziehen, die Betten zu machen, das Zimmer aufzuräumen und zu saugen, die Fenster zu wischen, den Flur zu fegen und jeden Tag eine andere Tätigkeit im Garten der Wohnbereiche, wie zum Beispiel Laub fegen. Die Tagesstruktur war strikt festgelegt und man musste an dieser festhalten. Hier am Internat Solling hingegen ist der Schüler derjenige, der entscheidet, an welchen Aktivitäten er wann teilnimmt. Ich habe das Beste aus beiden Welten für mich mitgenommen – während ich in Neuseeland sehr viel Disziplin gelernt habe, lerne ich hier am LSH, mich selbstständig zu organisieren. Gott sei Dank habe ich überhaupt keine Schwierigkeiten, mich an meinem Umfeld extrem schnell zu adaptieren und ich glaube, dass mir beide Lebens- und Lernmethoden später in meinem beruflichen Leben nützlich sein werden.
Als ich hier ankam, sprachen immer alle von dem familiären Zusammenhalt und „einmal LSHler, immer LSHler“. Das habe ich anfänglich skeptisch betrachtet, muss aber nun zugeben, dass es mich gepackt hat! Meine Freunde sind zum wichtigsten Bestandteil meines Aufenthalts auf dem LSH geworden. Ich versuche so viel Zeit wie möglich mit ihnen zu verbringen, sowohl in AGs als auch in unserer Freizeit. Die Ferien kommen mir dieses Mal zum ersten Mal echt lang vor, ohne meine Freunde und die Aktivitäten am Internat Solling. Ich hätte mir nie vorstellen können, wie entscheidend meine Freunde für mich werden könnten. Ich bin mir sicher, dass ich meine Zeit im Internat nicht mal annäherungsweise so sehr ohne sie genießen würde. Heute kann ich mir mein Leben ohne dem LSH nicht vorstellen, ich habe sogar jetzt schon Angst, dass ich das Internat in 2 Jahren verlassen werde! Ich halte mich wirklich für privilegiert, die Möglichkeit bekommen zu haben das Internat Solling zu besuchen.