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Peter Brödlau

Tu fac tua fortuna- ein jeder ist seines Glückes Schmied.

Dieses Sprichwort trifft nicht nur „von Berufs wegen“ auf mich zu! Meiner Meinung nach hat jedes Individuum die Aufgabe, das eigene Potential und gewährte Chancen auszuschöpfen, um in einen zufriedenen Lebensfluss zu gelangen. Zudem stellt mein Beruf „Kunst-Schmied“ für mich definitiv keinen bloßen Broterwerb dar, er ist meine Berufung! Ich, Peter Brödlau, bin mit Leib und Seele Kunst- Handwerker.

Visualisiere ich mich als Krake, so umschließen meine Tentakel die gesamte Welt. An den unzähligen Saugnäpfen hängen meine Werke – sei es in Kirchen (so steht zum Beispiel mein Meisterstück in der Weserbergland-Kirche); christlichen und jüdischen Friedhöfen (es ist mir immer eine große Ehre, an jahrhundertealten Toren arbeiten zu dürfen, stellen diese doch Schwellen zu ganz besonderen Orten dar); Privathaushalten; handschmeichelnd in Taschen oder gar ein kleines Werk, das von einer Freundin ganz bewusst und andächtig an der Grenze des Polarkreises versenkt wurde. Alles, was von mir erdacht, erarbeitet und mithilfe meines Könnens erschaffen wurde, bleibt mit mir verbunden. Zieht man in Erwägung, dass ich, 1960 geboren, im Alter von 14 Jahren in die Lehre gegangen bin und es schon bald hieß „Der Peter macht das schon“, so ist leicht vorstellbar, wie viele große und kleine Werkstücke ich bisher schon erschaffen konnte.

Wobei ich durchaus auch Aufträge ablehne. Meine Lebenszeit ist mir zu schade, um seelenlose Dinge zu fertigen. Manches Mal braucht es auch einfach Zeit – sei es, bis der beauftragende Mensch seinen Wunsch/seine Idee klarer umreißen kann, oder eben, bis der Funke zwischen dem Auftrag und mir übergesprungen ist. Die springenden Funken sind übrigens etwas, dass ich an der Schmiede ganz besonders liebe – hier gibt es immer warmes, lebendiges Licht. Auch ich habe schon große Dunkelheit erlebt – sei es in Krankheit oder in der Zeit, in der ich ehrenamtlich als Drogenberater tätig war. Umso lieber wende ich mich hellen Momenten zu!

Diese auch anderen zu ermöglichen ist mir ein wichtiges Anliegen. Darum bin ich seit einigen Jahren als ehrenamtlicher Lektor in der evang.-Lutheranischen Kirchengemeinde Hochsolling tätig. Dank meines eigenen, tiefen Glaubens und meines erworbenen theologischen Wissens bin ich befähigt, Gemeindemitglieder mit meinen Predigten zu stärken und ihnen Mut zuzusprechen. Das Bewusstsein, im Glauben getragen zu werden, eröffnet den Menschen ein Feld der Ruhe, von dem aus sie sich entfalten und selbstbestimmt leben können. Der Mensch soll selbstbestimmt und vernünftig leben!

Dies unseren Schülern zu vermitteln ist mir eine Herzensangelegenheit. Hiob sagt: „Das Rechte wollen wir uns erwählen, miteinander erkennen was gut sei“. Es freut mich, wenn ich erleben darf, dass ein Schüler, der sich im Klassenraum eher hinter den anderen versteckt, mich erwartungsvoll an der Schmiede erwartet und ich teile gerne die Erfahrung mit den Jugendlichen, aus hartem Eisen erst etwas glühend Heißes und dann etwas Bleibendes zu erschaffen, das ihnen entspringt. In der Schmiede geht – wie im gesamten Leben – ohne Teamarbeit nichts: Es braucht immer wieder helfende Hände, die etwas halten oder zureichen. Meines Erachtens ist diese Erfahrung insbesondere in der jetzigen, schnelllebigen und sehr Ichbezogenen Zeit sehr wichtig für unsere Schüler:innen.

Meine eigene, innere Lebens-Esse brennt lichterloh. In, für mich sehr wichtigen, verpflichtungsfreien Stunden widme ich mich dem Studium der Theologie und der Philosophie und denke. Manchmal braucht ein guter Gedanke eine Stunde, bis er inhaltlich rund ist – das darf er auch. Ich bemerke verstärkt, dass ich kaum noch ganze Bücher lese, sondern vielmehr bereits erworbenes Wissen vertiefe und verinnerliche. Um ein weiteres Mal Hiob zu zitieren: „Nackt bin ich zur Welt gekommen und nackt verlasse ich sie wieder“. Es sind nicht die materiellen Dinge, die meinen persönlichen Reichtum ausmachen.