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Silke Deburba


Ich habe zwei Muttersprachen – Deutsch und Organisieren.

Organisieren ist tatsächlich ein Reflex von mir, den ich kaum zu unterdrücken vermag.
Darum lacht mein Mann auch nur noch, wenn ich wieder mit einem weiteren Amt nach Hause komme. Da es mir leichtfällt, Struktur und Plan in Dinge zu bringen, sage ich diesbezüglich schnell „ja“. Das liegt aber auch daran, dass ich gerne mittendrin bin und mitmische. Dies zu lesen mag so manchen Menschen, der mich zu meinen Internatszeiten erlebt hat, überraschen – ich war eine eher schüchterne Mitschülerin, die Dinge und Menschen auf sich zukommen ließ. Ganz im Gegensatz zu meiner jüngeren Schwester Nicky, die immer in der Peer-Group war. Dies zieht sich nicht wenig durch unser gemeinsames Leben – Nicky war vor mir am Internat, sie war vor mir an unserem gemeinsamen Interimswohnort Paris und sie wurde 6 Monate vor mir zum ersten Male Mutter. All diese „vor mirs“ haben unserer engen Bindung nie Abbruch getan.


Die fünf Monate in Paris waren für mich in vielerlei Hinsicht ein Freiheitsschlag. Zum einen hat es das Ende eines eher semi-optimal verlaufenen BWL – Studiums, das krankheitsbedingt mit dem Verpassen des ersten Semesters begonnen und dadurch, dass ich mit dem Kopf noch im LSH und mindestens jedes 2. Wochenende dort war, auch nicht großartige soziale Anbindung bedeutet hat, markiert. Zum anderen war es für mich auch hinsichtlich meiner Zurückhaltung anderen Menschen gegenüber ein Neuanfang. Ich bin dort, wo ich auf neue Menschen aller Nationalitäten traf, aufgelebt und aus mir herausgekommen. Da ich es meinen Eltern aber nicht zumuten wollte, an einem derart kostspieligen Ort zu studieren, bin ich nach Hamburg gezogen und habe an der „KAH“ (Kommunikations Akademie Hamburg) meinen Abschluss als Kommunikationswirtin gemacht. Damals war der Begriff „Event“ noch etwas diffus und so konnte ich zu einem Zeitpunkt Fuß in diesem Bereich fassen, zu dem noch alles ganz neu war. Die Kombination aus Organisieren und meinem, bestimmt der Zeit am Internat entstammenden, grundsätzlich unvoreingenommenen Interesse an anderen Menschen war wie für mich gemacht. Eine spannende Zeit, die mich geprägt und definitiv mein Selbstbewusstsein hat wachsen lassen! Nach einigen Jahren in einer Agentur habe ich mich mit der Illusion, dass eine Selbstständigkeit sich besser mit einem Familienleben vereinbaren ließe, selbstständig gemacht. Selbstverständlich war es keine komplette Illusion, aber durchaus ein kräftezehrender Spagat. Im Nachhinein weiß ich nicht mehr, wie ich das alles unter einen Hut bekommen habe! Als unsere Tochter 2018 sehr krank war, ich aber in einem großen Projekt steckte, aus dem ich mich auch nicht herausziehen konnte und fast verrückt geworden bin vor Sorge um mein Kind, war das der Auslöser dafür, kürzer zu treten und nunmehr überschaubare Projekte anzunehmen. Meine Kinder, meine Familie ist sowieso mein größter Schatz. Ich liebe unser Familienleben und bin zutiefst glücklich und dankbar für dieses großartige Leben!

Seit drei Jahren liegt mein beruflicher Schwerpunkt inzwischen auf der Entwicklung und Vermarktung unserer Ferienhäuser an der Ostsee und meine Eventmanagement Tätigkeit ist nach 25 Jahren abgemeldet. Ein ganz großer Vorteil der Ferienhäuser ist, dass ich damit meine Leidenschaft für das Gestalten von Wohnraum ausleben kann! Zudem ist unser Sohn studierender Weise aus dem Haus und unsere Tochter in der Oberstufe, wodurch viele Ämter an den Schulen der beiden entfallen – das dadurch frei gewordene Zeitfenster stelle ich sehr gerne dem LSH zur Verfügung, indem ich nun im Beirat tätig bin. Durchaus mit dem Gefühl, dadurch dieser Gemeinschaft, die wie eine Zweitfamilie für mich ist, etwas zurück geben zu wollen.


Arbeite ich nicht, so bin ich beim Sport (naja, nicht so viel, wie sich das hier anhört) oder mit dem Hund unterwegs oder oder… Nicht allein der Gesundheit wegen, sondern schlichtweg, weil ich es so sehr mag, in Bewegung zu sein. Wer sonst kann von sich behaupten, dass sein „stiller Ort“ einer ist, in den man laut platschend eintaucht?! An wenig Orten fühle ich mich so quicklebendig und leicht wie im Wasser, es ist einfach mein Element. Wohl kaum überraschend für eine Frau, die gerne Dinge in fließende Abläufe bringt. Obgleich ich durchaus innehalten und genießen kann – ganz besonders laue Sommerabende im Freien, die dürften meines Erachtens nie enden.

im September 2022