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Timo Singer

Dies liegt sicherlich daran, dass ich mehr an harte Arbeit als an „Glück“ glaube. Das beste Beispiel dafür ist in meinem Leben das Tennis, in dem ich auf Wettkampfniveau einiges erreicht habe, leider aber talentfrei bin. Da haben mich dann nur meine Disziplin und mein Fokus weitergebracht – natürlich auch die Freude am Spiel an sich.

Wobei ich mich nicht am Gewinnen festbeiße – auch das habe ich beim Sport gelernt. Es kann durchaus mal ein Match verloren werden, Haken dran und zurück auf den Platz. Wahnsinnig macht mich nur, wenn Dinge nicht vorangehen. Ich muss eine Entwicklung erkennen können, das Gefühl von verschwendeter Zeit bereitet mir ausgeprägt schlechte Laune. Auch im Miteinander mit meiner (großartigen!) Tochter Felizitas und Mitarbeitern ist mir wichtig: Es dürfen Fehler gemacht werden, solange es vorangeht. Das ist allemal besser als Stillstand und unselbstständiges Tun. So durfte ich großwerden und habe von Freiräumen profitiert, die ich nun gerne anderen gewähre.

Dass es bei mir beruflich die Kombination aus Finanzen und Immobilien wurde, verdanke ich einem Zufall: Während meines BWL Studiums traf ich auf einen hektischen Lehrstuhlassistenten, der unter Zeitdruck Kopien für eine Vorlesung brauchte. Als das Miteinander immer in den Vordergrund stellender LSHler bot ich selbstverständlich sofort meine Hilfe an, was mir letztendlich einen Job als Hiwi im Immobilien Lehrstuhl einbrachte und später die Entscheidung für das Hauptstudium beeinflusste. Meinen Master in Immobilien habe ich in Hongkong gemacht. Ein mich auf vielen Ebenen prägendes Jahr, aus dem ich unter anderem mitgenommen habe, dass ich es mir a) überall auf der Welt schönmachen kann und es b) nur wenig dafür braucht. Ich hänge nicht an materiellem Schnickschnack. Umso wichtiger sind mir Familie und Freunde, bei und mit denen ich mich innerlich zurücklehnen und im Brett- oder Kartenspiel spielend mal eine Nacht lang die Zeit vergessen kann. Obgleich selbst bei Einsätzen im Cent-Bereich gilt: In Wettbewerb-Situationen klopft mein Herz wie verrückt. Das ist einfach so. Schaue ich auf mein Leben, so ist es auch ganz und gar gut. So wie es ist, mit allem, was ich mir erarbeitet habe. Ein Stück weit verdanke ich dieses „mir Dinge erarbeiten“ auch meinem wirklich großartigen Jahrgang am Internat Solling. Dachte ich, ich hätte mit meinem Auslandsjahr in den USA leichtes Spiel im Leistungskurs Englisch – weit gefehlt! Wir hatten diverse Muttersprachler und Mitschüler im Kurs, die länger im englischsprachigen Ausland gelebt hatten, so dass ich wirklich strampeln musste, um mitzuhalten. Selbiges galt im Leistungskurs Mathe – ich habe ein gutes mathematisches Verständnis, saß aber mit genialen Freaks im Kurs. Für mich, der den Wettkampf braucht und schätzt, der perfekte Ansporn! Auch dafür, im Anschluss an die Schulzeit das erarbeitete Level auch an der Universität zu halten. Darüber hinaus hat mich die Internationalität des Internates geprägt und weitergebracht; die bei uns auch nach Hause geschwappt ist, da meine Eltern häufig ausländische Schüler und „Problemkinder“ bei uns haben wohnen lassen. Am wichtigsten sind mir aber die Freunde aus meiner Schul- und Studienzeit. Da ich seit zwei Jahren wieder in Deutschland lebe, genieße ich es sehr, im schönen Hamburg Kontakte wieder aufleben lassen zu können. Eine meiner engsten LSH-Freundschaften begann übrigens eher unter dem Arbeitstitel „Leidensgemeinschaft“, da der neben mir sitzende David Witham auch Lehrerkind war. Das wurde aber für keinen von uns jemals zu einem Problem, da unsere Mitschüler das gut trennen konnten. Na ja, fast immer. Mir wurde doch tatsächlich einmal ein neuer Tennisschläger dafür angeboten, die Abitur-Vorschläge in Mathe (das Unterrichtsfach meines Vaters) herauszufinden. Der leidenschaftliche Spieler in mir hat ernsthaft darüber nachgedacht, letztendlich habe ich aber abgelehnt.

Wenn ich etwas haben möchte, so erarbeite ich es mir lieber selber.