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Ich liebe es, zu reisen!
Neue Eindrücke, Landschaftszüge, Speisen…Ganz besonders gut hat mir eine Tour gefallen, die wir mit den Kindern in den USA gemacht haben – mit dem Wohnmobil zu vier Nationalparks (zum Beispiel der Grand Canyon und der Sequoia Nationalpark). Das war ein herrliches Abenteuer: Grillen unter freiem Himmel, viele neue Eindrücke und spontane Begegnungen mit anderen Menschen! Auch meine viermonatige Rucksacktour durch Australien hat hohen Erinnerungswert für mich. Ich glaube, ich habe mich seither nie wieder so frei gefühlt! Die erste Lebenshürde, das Abitur, genommen und ohne jedwede Verpflichtung reisen – das war wunderbar! Da ich nach wie vor sehr gerne reise, trifft es sich gut, dass unser Freundeskreis sehr weit verstreut wohnt – so unternehmen wir regelmäßig Wochenendtrips zu Freunden.
Weder meine Lebensfreude, noch meine Liebe zum Reisen lasse ich von meinen Einschränkungen verringern. Aufgrund einer Erbkrankheit bin ich seit meinem vierten Lebensjahr auf Hörgeräte angewiesen, mit Mitte Zwanzig hat sich meine Sehkraft auf einen Tunnelblick verringert. Ich versuche, all dem keinen allzu hohen Stellenwert beizumessen – es bedeutet einfach nur einen größeren Organisationsaufwand, als ihn andere haben.
Vor sieben Jahren sind wir aus beruflichen Gründen von Hamburg, wo ich zum damaligen Zeitpunkt fast die Hälfte meines Lebens verbracht hatte, nach Bad Bentheim nahe der holländischen Grenze gezogen. Ich muss gestehen, dass es in den ersten zwei Jahren wirklich eine gewaltige Umstellung für mich war. Doch mittlerweile weiß ich die Vorzüge des ländlichen Lebens in einer kleineren Stadt wirklich zu schätzen. Wir genießen hier gemeinsame Gartenarbeit mit den Kindern und den nachbarschaftlichen Zusammenhalt. Dadurch, dass es weniger Ablenkung als in der Großstadt gibt, sind wir näher zusammengerückt. Hier auf dem Lande engagiere ich mich in einem Beirat für Menschen mit Behinderung und bin bei Inner Wheel aktiv, eine weltweit organisierte Frauenvereinigung, die sich für wohltätige Zwecke engagiert. Es macht mir Freude, Veranstaltungen und Termine zu planen.
Unsere große Tochter ist seit einem Jahr LSHlerin, die andere möchte nächstes Jahr für ein Jahr in die USA. Da sich das Haus merklich leert, blicke ich mit Neugierde auf die Möglichkeiten, die sich mir dadurch in Zukunft bieten.
Telefoniere ich mit meiner Großen im LSH, so werde ich ein wenig sehnsüchtig. Auch wenn ich erst zur zwölften Klasse an das Internat Solling gekommen bin, so war es doch eine sehr besondere, prägende Zeit für mich. Ich war eine der Ersten, die ihr Pferd ins LSH mitgebracht hat und habe es sehr genossen aufgrund der kurzen Wege sowohl viel Zeit mit Freundinnen, als auch auf dem Pferderücken verbringen zu können. Insbesondere das Miteinander mit Gleichaltrigen war wichtig für mich, da ich so groß geworden bin, dass meine zwei Brüder (die deutlich älter sind als ich) größtenteils schon aus dem Haus waren; meine Mutter war als Witwe sehr in unseren landwirtschaftlichen Betrieb eingebunden. Den Betrieb führt mittlerweile einer meiner Brüder. Es freut mich sehr, dass dieser Ort noch immer eine Heimat für unsere Familie darstellt, zu der wir gerne regelmäßig zurückkehren – auch wenn wir uns mittlerweile alle ein eigenes Zuhause geschaffen haben. Insbesondere zur Erntezeit füllen sich die Räume und Felder mit Familienmitgliedern, die sich nach getaner Arbeit zum Picknick auf dem Feld treffen. Da sowohl mein Mann, als auch ich, über einen starken Familiensinn verfügen, wird das auch immer ein fester Bestandteil unseres Jahreskalenders bleiben.

 

Veronica Böcking  geb. von Veltheim (LSH 1989 – 1991)

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