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23. Mai 2019
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Poetry Slam Abendsprache

23. Mai 2019 / 8:00 - 17:00

„Die Welt hat Mumps.“ Dies war die Diagnose von Poetry-Slammer Tobi Kunze, der an diesem Abend zusammen mit Richard Schuster eindrucksvoll demonstrierte, was dieses Genre ausmacht: Von verstörenden Analysen der Weltlage, Aufrufen zum Nachdenken und Handeln inklusive, über leise, poetische Gedanken über den Tod bis zu fulminanten Wortspielen reicht das Spektrum, das in Slam-Texten steckt. Das Besondere: Sie werden von den Autoren selber auf die Bühne gebracht und verleihen den Geschichten und Gedichten, den Botschaften, dem Wortwitz , der Freude an Sprache so eine ganz persönlichen Note.

Dass diese Kunstform seit fünf Jahren nun auch in Holzminden angekommen ist, verdankt der Landkreis Holzminden seiner Kulturreferentin Katja Drews, die auch die jährlichen Schülerworkshops initiiert hat. Als vor fünf Jahren diese Initiative aus der Taufe gehoben wurde, waren schon einmal drei Slammer in der Hohen Halle. Und seither haben LSHler auch jedes Jahr an den Workshops teilgenommen, einmal war das Internat auch schon Gastgeber. Aber die Dichterschlachten, auch mit den Slam-Profis, fanden stets im Schloss Bevern statt.

So vergingen fünf Jahre, bevor wieder eine Abendsprache ganz im Zeichen des Poetry-Slams stehen konnte: Die beiden diesjährigen Workshopleiter hatten sich entschlossen, einen Tag früher anzureisen, um allen, nicht nur den fünf ohnehin schon angemeldeten Workshopteilnehmern, Lust zu machen auf weitere Slam-Veranstaltungen.
Der erste Text von Tobi Kunze zeigte gleich die ganze Bandbreite: Gesellschaftskritik, Fragen zu unserem Umgang mit Konsum, vor allem Fleischkonsum – ein Thema, das seit Karl Jannischs Abendsprache alle an der Schule beschäftigt – gewürzt mit Übertreibungen, Klischees, eigenen Erfahrungen und Schilderungen von Borniertheit, bei der einem manches Mal das Lachen im Hals stecken blieb. Diese Kunst der untergründigen Schwingungen beherrscht auch Richard Schuster in seinen Geschichten. Er las aus seinem „Drehbuch“ vor: „Situationen, die niemals so enden werden, weil ich zu gut erzogen bin“, in denen er zeigt, wie schlagfertig man manchmal auf dumme Bemerkungen, hinter denen oft Vorurteile stecken, reagieren kann, ja sollte. Und in dem sehr leisen Text „Von Suchen und Staubflockenbergen“ thematisiert er sehr einfühlsam, aber zunächst nur versteckt, den Verlust eines lieben Menschen.

Zum Abschluss ließ sich Tobi Kunze drei Wörter zurufen: Erdbeeren, Hühnchen und Mumps – ein weiteres Thema, das die Schulgemeinschaft beschäftigte – und improvisierte einen Text über das Grundgesetz, das an diesem Abend 70 Jahre alt wurde, über Demokratie und den Zustand der Welt, und baute die drei Begriffe an meist überraschenden Stellen ein. Dass die Welt Mumps hat, war dann das Schlussresümee, mit dem alle heiter und nachdenklich – typisch Poetry Slam – in den Abend entlassen wurden.

Text: Friederike Thimm

Details

Datum:
23. Mai 2019
Zeit:
8:00 - 17:00
Veranstaltungskategorien:
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