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Eine Entdeckung, die in einer unvorstellbaren Katastrophe endete

3. September 2020

Wie fächerübergreifendes Lernen gelingen kann, zeigten Geschichtslehrerin Ruppert und Physiklehrer Papadopoulos in ihrer Abendsprache zum Abwurf der Atombombe über Hiroshima und Nagasaki im Jahr 1945. Sie beleuchteten dabei geschichtliche und physikalische Aspekte: Detailliert referierten sie über den Pazifikkrieg als Teil des II. Weltkriegs und erläuterten die Forschungsgeschichte des Themas anhand von Namen wie Henri Becquerel, Marie und Pierre Curie, Irène und Frédéric Joliot-Curie, Albert Einstein, Otto Hahn, Fritz Straßmann und Robert Oppenheimer sowie Lise Meitner und Leo Szilard. Michael Papadopoulos erklärte, dass am Ende des 19. Jahrhunderts die natürliche Radioaktivität entdeckt worden sei und dass am Beginn des 20. Jahrhunderts die moderne Physik das Verständnis vom Aufbau der Materie revolutioniert hätte. Er berichtete, wie Hahn und Meitner an Transuranen geforscht hätten und bei einem ihrer Versuche das bis dahin unbekannte Phänomen der Kernspaltung entdeckt hätten. Der ungarischstämmige Leo Szilard dann habe in dieser Entdeckung das Potential zum Bau eines ganz neuartigen Bombentyps, der Atombombe entdeckt. Mit Albert Einstein habe er einen Brief an Präsident Roosevelt verfasst, woraufhin Amerika mit einem Team von 6000 Wissenschaftlern um den jungen Physiker Robert Oppenheimer in den Wettlauf zur ersten Atombombe eingestiegen sei.

Weitere Folien ihrer ausführlichen PowerPointPräsentation zeigten dann, wie die Katastrophe ihren Lauf nahm: von der Test-Zündung am 16. Juli 1945 über der Wüste von New Mexico, über den Befehl des Präsidenten Truman am 25. Juli, die Bombe abzuwerfen, bis zur sekundengenauen Schilderung des Fluges der „Enola Gay“ am 6. August unter dem Kommando Paul Tibbets: Exakt um 8 Uhr 15 und 17 Sekunden wurde die „Little Boy“ genannte Bombe abgeworfen. Sie detonierte 45 Sekunden später und hinterließ ein zerstörtes Hiroshima. Drei Tage später, am 9. August 1945 ging eine zweite Bombe auf Nagasaki nieder. Die Explosionen töteten sofort etwa 75.000 Menschen. Bis heute sei die Zahl der Toten umstritten, so Anja Ruppert. Rechne man die an der Strahlenkrankheit Gestorbenen hinzu, schätze man etwa 230.000. In Folge der beiden Abwürfe kapitulierte Japan wenig später am 2. September 1945.

Und was geschah nach dem Krieg mit den Physikern Otto Hahn und Robert Oppenheimer, die maßgeblich am Bau der Atombombe beteiligt waren? Hahn erhielt 1945 den Nobelpreis für Chemie für die Entdeckung der Kernspaltung, fühlte sich aber mitschuldig an Tod und Leid und trat daher in der jungen Bundesrepublik vehement gegen die beginnende nukleare Aufrüstung ein. Er verhinderte mit der Göttinger Erklärung der 18 Atomforscher die Ausstattung der Bundeswehr mit Atomwaffen. Auch Oppenheimer wendete sich nach dem Krieg von der militärischen Nutzung der Kernspaltung ab und geriet im aufgeheizten Klima des beginnenden Kalten Krieges selbst unter Spionageverdacht. Er wurde von der geheimen Nuklearforschung ausgeschlossen und kehrte an die Universität zurück. Kommandant Tibbets erhielt zahlreiche Auszeichnungen, diente bis 1966 der Air Force und bereute den Abwurf nie.

Damit stand die Frage nach der Erinnerung an diese Ereignisse im Raum: „Wie geht man mit der Vergangenheit um?“ fragte die Geschichtslehrerin und erklärte dann, dass noch G.W. Bush davon sprach, dass durch den Abwurf Millionen Leben gerettet worden seien. Auch Obama, der als erster amerikanischer Präsident selbst nach Hiroshima gereist war, habe sich nicht entschuldigt, sondern lediglich von viel Leid und den Opfern gesprochen. Interessanterweise habe auch Japan seinerseits nie offizielle gegen den Abwurf protestiert oder die USA verklagt, so Anja Ruppert am Ende des Vortrags. Die Atombombe wurde als legitime Waffe betrachtet.

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Datum:
3. September 2020
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