Dr. Peter Fliegel (LSH 1936 – 1943 )

Dr.Peter Fliegel

Man muss die Mentalität seiner unmittelbaren Umgebung verstehen, dann kann der Mensch sich gut mit dem arrangieren, was ihn umgibt. Meine Fähigkeit, mich meinem Umfeld anzupassen und trotzdem meinen eigenen Weg zu beschreiten, habe ich sicherlich in meiner Zeit als Schüler am Internat Solling (welches zu meiner Zeit noch „Landschulheim am Solling“ hieß) entwickelt. Blicke ich auf meine nunmehr 97 Lebensjahre zurück, so darf ich sagen, dass ich ein gutes, erfülltes Leben hatte – abzüglich der Kriegs- und Nachkriegszeit. Mir ist es im Laufe meines Lebens immer gelungen, die richtigen Entscheidungen zu treffen.

Mein Eintritt ins Internat Solling hatte familiäre Gründe: Mitgründer Gerhard Zimmermann war mein Onkel. Dank dieser Verbindung erhielten meine Eltern eine Ermäßigung des Schulgeldes, was ihnen ermöglichte, mir die gute Schulbildung am Internat zukommen zu lassen. Zu diesem Zeitpunkt konnte noch niemand ahnen, dass kriegsbedingt großer Lehrermangel herrschen würde! Ich erinnere noch gut, wie entsetzt Dr. Weller und Harry Freitag waren, als sie unserer Wissenslücken gewahr wurden. So wurde zum Beispiel unser hervorragender Musiklehrer, Herr Brand, eingezogen und durch „Musikstunden“ mit von Braunschweig geschickten Lehrern ersetzt, die uns lediglich Nazilieder beibrachten. Parallel zu meiner Adoleszenz griff der Krieg auch über den Unterricht hinaus zunehmend in mein Leben ein – wir mussten zur Hitlerjugend und in den Ferien zum Arbeitsdienst bzw. in Wehrertüchtigungslager. In diesem Zusammenhang bin ich auch zum ersten Mal in meinem Leben auf die auf Klassenunterschiede zurückzuführenden sozialen Spannungen gestoßen. Wir LSHler wurden auf die umliegenden Ortschaften aufgeteilt und so traf ich in Altendorf auf Arbeiter, die uns Schüler des Internates als „die Reichen“ verachteten. Diese Konfrontation mit völlig anderen Lebensrealitäten hat mir zugesetzt – zumal in ich in dem Alter war, in dem Jugendliche verstärkt ihre Außenwelt wahrnehmen. Darüber hinaus fielen die Dinge, die in der Internatsgemeinschaft zuvor prägend waren, weg – für uns gab es kein Theaterspielen, keine Wanderungen mehr; dafür aber, wie eingangs bereits erwähnt, viele Lehrerwechsel und Unterrichtsausfälle.

Nichtsdestotrotz war und ist mir das Internat Solling ein wichtiger Ort. Nachdem ich 1943 eingezogen wurde (zusammen mit den beiden Mitschülern Fritz Dölling und Ernst Grohmann, die ich leider in Holland aus den Augen verloren habe), habe ich im Anschluss an die Nachkriegswirren an der Fachhochschule Weihenstephan eine Ausbildung im Bereich Gartenbau gemacht. Danach war ich 1956 zunächst als Austauschschüler in der Wenatchee-Experiment-Station an der Universität Washington. Es folgten Reisejahre durch die USA und die Dominikanische Republik. Während all dieser Jahre war mir meine Tante Lenka (die zweite Ehefrau meines Onkels Gerhard Zimmermann), die am LSH lebte, immer ein Anker. Bei ihr konnte ich unterkommen, wenn ich auf die Einreisegenehmigung zu meinen im Osten lebenden Eltern warten musste. So habe ich über einige Jahre immer wieder Zeit in direkter LSH-Nähe verbracht und insbesondere die Kontakte zu Harry Freitag und Dr.Triloff aufrechterhalten.

Da ich in Deutschland nicht so recht Fuß fassen konnte, bin ich 1959 in die USA ausgewandert. Bis zum Vietnamkrieg, der das Land meiner Meinung nach unheilbar entzweit hat, waren die Vereinigten Staaten ein wunderbares Land voller Freiheiten; ein jeder konnte dort seinen Lebenstraum verwirklichen. Dank einer Anstellung als „Research Assistent“ an der Cornell University in Ithaca, New York, habe ich dort zunächst meinen Master in Nematologie (Schädlingsbekämpfung) gemacht und die dafür notwenigen zwei Jahre auf meine amerikanische Staatsbürgerschaft gewartet. Da ich während einer anschließenden Anstellung als Nemotologist beim US-amerikanischen Landwirtschaftsministerium in Georgia feststellte, dass alle meine Kollegen promoviert und somit bessere Gehälter hatten, habe ich mich erneut in Hörsäle begeben. Diese Zeit (1967) an der Rutgers State University of New Jersey barg zwei zusätzliche Vorteile – mein Bruder Wolfram und seine Familie, die seit 1949 dank der Moravia Church auch in den Staaten (Princeton) lebten, waren in unmittelbarer Nähe. Zudem konnte ich im nahen New York meinen kulturellen Hunger, insbesondere den auf Opern, stillen. Allerdings hat die Metropolitan Opera in jenem Jahr gestreikt, das habe ich ihr nie so ganz verziehen! Auch meine Liebe zur klassischen Musik ist sicherlich dem Landschulheim geschuldet. Eine meiner schönsten Erinnerungen ist die, wie Fritz Winkel in der Hohen Halle der Schulgemeinschaft die Winterreise von Franz Schubert darbrachte. Ich habe über viele Jahre hinweg meine Reisen nach Europa nach dem Spielplan der Wiener Oper und des Burgtheaters ausgerichtet. Häufig war ich dann auch in Holzminden, wo ich bei Tante Lenka oder Muhme (die Witwe Theophil Lehmanns), einmal sogar in einem freien Schülerzimmer im Oberhaus, unterkam. Als unsere Eltern verstarben, wurde der Besuch ihrer Gräber auf dem Friedhof des Internats ein wichtiges gemeinsames Ritual mit meinen Schwestern.

Auch beruflich war ich viel auf Reisen und habe u.a. im Anschluss an meine Dissertation von 1970 – 1973 in Honduras gelebt, wo es meine Aufgabe war, Bananen glücklich zu machen, da ich mich mit Schädlingsbekämpfung beschäftigt habe. Ab 1973 bis zu meiner Pensionierung im Jahre 1990 habe ich im Raum Los Angeles in den sehr spannenden Bereichen Schädlingsbekämpfung und lokale Pflanzenkrankheiten geforscht und gearbeitet. Auf meinen privaten Reisen habe ich stets versucht, Gegenden aufzusuchen, in denen kein Englisch gesprochen wird. Dadurch kam ich häufig enger mit den dort lebenden Menschen in Kontakt und konnte somit unmittelbar von ihrem Leben und ihren sozialen Verhältnissen erfahren.
Mittlerweile bin ich leider aufgrund zunehmender Schwierigkeiten mit meinem Rückgrat auf einen Rollstuhl angewiesen und kann nicht mehr reisen. Aus diesem Grunde bin ich auch nach Minnesota in die Nähe meines Bruders und seiner Familie gezogen, wo ich seit 2015 in einem Altenheim wohne. Zu meinem Leidwesen finde ich hier im Heim keinen sozialen Anschluss, da sich meine Mitbewohner lediglich für Autos, Bingo und Sport interessieren. Umso größer ist meine Freude darüber, dass die Bindung zu der Familie meines (leider vor zwei Jahren verstorbenen) Bruder sehr eng ist. Insbesondere mein Neffe Paul kümmert sich rührend um mich – er war es auch, der den Kontakt zum Internat Solling aufgenommen hat. Schon verrückt, was mittlerweile mit der modernen Technik alles möglich ist! Ehrlich gesagt wäre ich, der noch mithilfe einer Rechenmaschine mitsamt Papierrolle Statistiken erstellt hat, wohl heutzutage in einem Labor verloren! Wenn ich sehe, was mein Neffe schon allein mit seinem Handy alles machen kann, so muss ich manchmal an Ohm (der Spitzname von Theophil Lehmann) denken, der schon damals Angst vor dem technischen Fortschritt hatte. Dabei gab es die ganzen krassen Sachen der heutigen Zeit noch gar nicht! Bei den vielen Vorteilen, die die schnelle Kommunikation heutzutage bietet, sehe ich auch die Gefahr, dass viele Informationen allzu schnell und ungefiltert auf die Menschen einströmen. Das beste Beispiel dafür ist meines Erachtens die Plattform „Twitter“. Ich kann den neuen Generationen nur wünschen, dass sie es nicht verlernen, sich über fundiertes Lernen und Forschen eine eigene Meinung zu bilden.

Nach wie vor verfolge ich das aktuelle politische Weltgeschehen mit großem Interesse. Dabei habe ich mir immer den Blickwinkel eines Deutschen bewahrt. Dies gilt ein Stück weit auch für kulinarische Vorlieben – wenn ich von fester Nahrung träume (ich bin seit einiger Zeit auf flüssige Nahrung angewiesen), so erinnere ich stets den Geschmack von Thüringer Klößen und Thüringer Bratwurst.

im Januar 2023

Volker von Schintling-Horny

Volker von Schintling-Horny

Nach Jahren in der freien Wirtschaft lebe ich nun, im Alter von 84 Jahren, ein Leben, das sich völlig dem Einklang mit der Natur widmet. Im Laufe der rund 25 Jahre, seit denen ich nun Imker bin, hat mich zunehmend die Urkraft der Natur durchdrungen und so lebe ich seither mit Gott an meiner Seite. Jeder Tag beginnt mit einer ihm gewidmeten Meditation und am Abend eines jeden Tages danke ich ihm für Erlebtes. Im Wissen darum, dass er seine schützende Hand über mich hält, vermisse ich den Glauben und das Vertrauen darin im Austausch mit anderen.

Mein jetziges Leben hätten sich die damaligen Lehrkräfte am Internat Solling garantiert nie vorstellen können! Von uns sieben Geschwistern waren alle bis auf eine meiner Schwestern auf dem Internat Solling. Wir waren freiheitsliebende, eher wilde Schüler:innen mit einer gehörigen Portion Unsinn in den Köpfen – meine Person so sehr, dass ich das Landschulheim verlassen musste. Der berühmte Tropfen, der das Fass in meinem Falle zum Überlaufen brachte, war ein platter Reifen an meinem Fahrrad. Der wäre an sich natürlich kein großes Thema gewesen, hätte ich ihn nicht gehabt, nachdem ich mit zwei Freunden um vier Uhr morgens ausgestiegen war, um im Solling auf die Pirsch zu gehen… Der platte Fahrradreifen verhinderte die geplante pünktliche Rückkehr zum Frühstück und ich musste geständig werden. Daraufhin tönte der damals noch ganz neue Schulleiter Dr. Erbe „Der ist hier fehl am Platze“, und ich musste daraufhin das Landschulheim verlassen.

Somit wurde ich Waldorfschüler in Benefeld, wo ich einen Jagdschein machen und reiten konnte. Da mein Vater schwer erkrankte, drängte er darauf, dass ich die Schule verließ und einen Beruf erlernte, mit dessen Wissen ich später den familiären landwirtschaftlichen Betrieb übernehmen sollte. Seinem Wunsch entsprechend verließ ich die Schule nach der 10. Klasse und absolvierte eine dreijährige Lehre zum Landmaschinenschlosser bei der Hauptgenossenschaft in Hannover. Derweil war mein Bruder mit seiner Familie aus Chile zurückgekehrt und hatte den Hof übernommen, sodass es mir möglich war, meinen eigenen Weg zu gehen. Ich habe auf dem zweiten Bildungsweg Landmaschinen-Bau studiert und meinen Diplomingenieur gemacht. Nach langen Jahren in der Industrie habe ich mich erfolgreich mit einem Kalibrier-Dienst selbstständig gemacht. Dank eines großen Auftrages des TÜVs lief das Unternehmen gut. Doch habe ich mit 75 Jahren gemerkt, dass mein beruflicher Elan kaum mehr vorhanden war und so habe ich den Betrieb an einen Kunden übergeben.

Nun widme ich mich voll und ganz dem Lebensfluss mit meinen treuen Tieren. Sowohl meine Pferde, wie auch meine liebe Hündin Ranka entstammen eigener Zucht und wir haben auf meinem kleinen Hof einen gemeinsamen Lebensrhythmus gefunden. Auch meine Bienenvölker verlangen viel Aufmerksamkeit. Diese nehmen einen ganz besonderen Platz in meinem Leben ein, da ich von einem lieben Freund gelernt habe, die Völker im Siebenstern aufzustellen, um ihre Energien besser bündeln und an die Natur zurückgeben zu können. Dieses mir von ihm vermittelte Wissen habe ich mittlerweile in meinem eigenen Verlag (der LSH-Verlag heißt), veröffentlicht. LSH-Verlag ist aus meinen Namens-Initialen (mein zweiter Vorname ist Lüdeke, also Volker Lüdeke von Schintling-Horny) erschaffen und stellt zudem eine heiße innere Verbindung zum Internat dar. Diesbezüglich berate ich auch gerne weltweit andere Imker. Darüber hinaus beschäftige ich mich mit den Energien aus Steinkreisen (es müssen mindestens fünf Steine sein!) und lege diese gerne für Menschen, die es schätzen können. Die „Neue Schule und ER den Schüler zum ER unserem Schöpfer hinziehen“ ist ein weiteres Steckenpferd, das auch im LSH-Verlag erschienen ist. So füllt sich mein Rentnerleben.

Nahe an der Selbstversorgung und ressourcenschonend, energien-leitend und voller Dankbarkeit dafür, wie gut es das Leben mit mir meint. Zu Freunden aus der Internatszeit ist der Kontakt geblieben und auch wenn ich keine Angst vor dem Tode habe, der meines Erachtens nur ein Wechseln der Hülle darstellt, so habe ich noch zu viel vor, um die jetzige ablegen zu wollen. Es gilt noch Freundschaften zu pflegen, die Leben meiner mittlerweile erwachsenen vier Kinder zu begleiten, Russisch zu lernen, mit Ranka oder zu Pferde die Natur zu genießen, Salat zu ernten, Honig zu schleudern, Steine zu bewegen und Gottes Lehre zu mehren.

Katja Kersting

Katja Kersting, geborene Mortzfeld, LSH von 1982 - 1989

 

Ich war schon immer in der Lage, nachzudenken und einen Lösungsweg zu finden. Was ich wiederum so gar nicht kann ist: Dann abzuwarten „bis sich der richtige Zeitpunkt ergibt“. Ich möchte schon sehr gerne, dass sich alles zeitnah gemäß meines Planes erfüllt. Ganz im Gegensatz dazu kann ich bekennende Listen-Verfasserin gelassen „to do-Punkte“ auf einen anderen Zeitpunkt verschieben. Hauptsache, sie sind schriftlich niedergelegt und somit aus meinem Kopf. Das Verschriftlichen von Fakten liegt mir im Blut. Ich habe das große Glück gehabt, schon früh zu wissen, dass ich Journalistin werden möchte und mich ab Ende der Oberstufe zielsicher in diese Richtung bewegt.

Ähnlich dem „Doppelten Lottchen“ aus der Feder des Herrn Erich Kästner sind meine Schwester und ich (seit meinem 10. Lebensjahr) voneinander getrennt bei unseren getrennten Elternteilen aufgewachsen. Da hören die Gemeinsamkeiten zu dem Buch aber auch schon auf – wir haben an unterschiedlichen Tagen Geburtstag und standen immer in gutem Kontakt zu- und untereinander.

Da meine Schulnoten sich nicht eben zum allerbesten entwickelten, schlug mein Vater mir einen Internatsbesuch vor. Die Entscheidung für das Internat Solling war nicht nur eine räumliche (wir lebten in Wolfenbüttel), sondern lag auch herzensnah, da er einige Jahre am Internat unterrichtet und ich somit schon viel Gutes gehört hatte. So wurde ich Landschulheimerin und das LSH zu meinem Anker. Da wir zuvor häufig umgezogen waren, war das Internat der erste Ort, an dem ich sieben Jahre am Stück gelebt habe. Mittlerweile lebe ich der Liebe wegen seit ca. 10 Jahren in Hamburg. Mit gleich drei Lebensgefährten: Oliver, den ich aus meiner LSH-Zeit kenne, unserem gemeinsamen Hund Toni und Hashimoto, von dem ich seit meiner Studienzeit weiß. Erstgenannte liebe ich, zweitgenannte habe ich zu akzeptieren gelernt. Mein Weg zur Akzeptanz war davon geprägt, die Krankheit selber in die Hand zu nehmen, indem ich mich umfassend informiert und rausgefunden habe, was mir guttut und hilft. Informationen einholen kann ich als Journalistin! Bei Hashimoto handelt es sich um eine Autoimmunkrankheit, die eine chronische Entzündung der Schilddrüse hervorruft. In der Schilddrüse wiederum werden lebenswichtige Schilddrüsenhormone, die Stoffwechsel, Kreislauf, Wachstum und Psyche beeinflussen, produziert – oder eben nicht, ist diese entzündet. Dank eines nicht nur fachlich kompetenten, sondern auch zwischenmenschlich großartigen Arztes bin ich nicht nur in guten Händen, sondern vielmehr auch mit dem mir durch die Krankheit gesteckten Rahmen (bewusste Ernährung, ausreichend Schlaf, Stressreduktion, Sport…) im Reinen.
Wahrscheinlich ist die Krankheit ein Überbleibsel vom Pfeifferschen Drüsenfieber, das ich mir von einem von einer befreundeten LSHlerin vermittelten Au-Pair-Aufenthalt in Brüssel mitgebracht habe. Zuvor habe ich als Praktikantin bei der Braunschweiger Zeitung gearbeitet und hatte das kolossale Glück, nicht nur redaktionell dort arbeiten zu dürfen, sondern dies auch noch in der aufregenden Zeit der Grenzöffnung. Wir hatten alle Freiheiten und konnten in dieser so besonderen Aufbruchsstimmung aus dem Vollem schöpfen! Nach dem Zwischenspiel in Brüssel und meiner vollständigen Genesung vom Pfeifferschen Drüsenfieber habe ich mich in Braunschweig eingeschrieben und es genossen, an einer kleinen Uni mit vielen netten Leuten zu studieren. Nach diversen Praktika mit Ausflügen in die Welt von Radio, Fernsehen und Pressestelle habe ich nach dem Magister-Abschluss mein Volontariat bei der Zeitung gemacht und 2000 fest dort angefangen, nachdem ich während des Studiums immer in Kontakt geblieben war und dort gejobbt habe. Mein Herz hing also weiter am geschriebenen Wort.
2008 hat dann mein Körper die Notbremse gezogen. Unzählige Überstunden mit hohem Cortisonspiegel ob der tagesaktuellen Berichterstattung forderten ihren Tribut. Mein Arzt machte die Ansage, dass Eiseninfusionen und Vitamin-B12-Spritzen zwar kurzfristig helfen, aber nichts ändern würden. Das müsse ich schon selber.
Tja. Da saß ich nun im Spagat zwischen dem, was ich liebte und wollte, und dem, was ich tatsächlichen zu leisten vermochte. Es folgte eine Zeit des Denkens und Sortierens. Loslassen ist eine echt anstrengende Aufgabe, bei der mein Perfektionismus nicht nur hilfreich war. Wie es so ist im Leben: Fängt man an, an einem Ende eines Knotens zu ziehen, so entrollt sich vieles, und das Ende ist nur bedingt ersichtlich. Letzten Endes ging ich geschieden und auch von meinem anerkannten, gut bezahlten Job mit Karriereaussichten getrennt aus dieser Zeit hervor.

Schulfreund Oliver hat mir beratend zur Seite gestanden und aus Freundschaft wurde Liebe. In Hamburg sagte meine ehemalige LSH-Zimmerkameradin Anna Reinecke: „Du, wir brauchen bei Eikon Nord jemanden für das Backoffice, der auch mal recherchieren kann“, und so wurde aus einer Urlaubsvertretung eine Tätigkeit, die mir große Freude bereitet und in der Kombination aus Recherche und Organisation wie für mich gemacht ist. Unser 6 Menschen umfassendes tolles Team kann mit Fug und Recht von sich behaupten, echt gutes Fernsehen zu produzieren. Darüber hinaus kann ich zu Zeiten arbeiten, die den Bedürfnissen von Hashimoto angepasst sind.

Ich bin in allen Lebensbereichen am richtigen Platz. Dass ich mal dermaßen rundum glücklich sein würde, hätte mir vor 11-12 Jahren keiner erzählen können. Ebenso wenig, dass das LSH beständig der rote Faden vieler glücklicher Fügungen sein würde. Und dafür bin ich wirklich sehr dankbar.

Silke Deburba

Silke Deburba


Ich habe zwei Muttersprachen – Deutsch und Organisieren.

Organisieren ist tatsächlich ein Reflex von mir, den ich kaum zu unterdrücken vermag.
Darum lacht mein Mann auch nur noch, wenn ich wieder mit einem weiteren Amt nach Hause komme. Da es mir leichtfällt, Struktur und Plan in Dinge zu bringen, sage ich diesbezüglich schnell „ja“. Das liegt aber auch daran, dass ich gerne mittendrin bin und mitmische. Dies zu lesen mag so manchen Menschen, der mich zu meinen Internatszeiten erlebt hat, überraschen – ich war eine eher schüchterne Mitschülerin, die Dinge und Menschen auf sich zukommen ließ. Ganz im Gegensatz zu meiner jüngeren Schwester Nicky, die immer in der Peer-Group war. Dies zieht sich nicht wenig durch unser gemeinsames Leben – Nicky war vor mir am Internat, sie war vor mir an unserem gemeinsamen Interimswohnort Paris und sie wurde 6 Monate vor mir zum ersten Male Mutter. All diese „vor mirs“ haben unserer engen Bindung nie Abbruch getan.


Die fünf Monate in Paris waren für mich in vielerlei Hinsicht ein Freiheitsschlag. Zum einen hat es das Ende eines eher semi-optimal verlaufenen BWL – Studiums, das krankheitsbedingt mit dem Verpassen des ersten Semesters begonnen und dadurch, dass ich mit dem Kopf noch im LSH und mindestens jedes 2. Wochenende dort war, auch nicht großartige soziale Anbindung bedeutet hat, markiert. Zum anderen war es für mich auch hinsichtlich meiner Zurückhaltung anderen Menschen gegenüber ein Neuanfang. Ich bin dort, wo ich auf neue Menschen aller Nationalitäten traf, aufgelebt und aus mir herausgekommen. Da ich es meinen Eltern aber nicht zumuten wollte, an einem derart kostspieligen Ort zu studieren, bin ich nach Hamburg gezogen und habe an der „KAH“ (Kommunikations Akademie Hamburg) meinen Abschluss als Kommunikationswirtin gemacht. Damals war der Begriff „Event“ noch etwas diffus und so konnte ich zu einem Zeitpunkt Fuß in diesem Bereich fassen, zu dem noch alles ganz neu war. Die Kombination aus Organisieren und meinem, bestimmt der Zeit am Internat entstammenden, grundsätzlich unvoreingenommenen Interesse an anderen Menschen war wie für mich gemacht. Eine spannende Zeit, die mich geprägt und definitiv mein Selbstbewusstsein hat wachsen lassen! Nach einigen Jahren in einer Agentur habe ich mich mit der Illusion, dass eine Selbstständigkeit sich besser mit einem Familienleben vereinbaren ließe, selbstständig gemacht. Selbstverständlich war es keine komplette Illusion, aber durchaus ein kräftezehrender Spagat. Im Nachhinein weiß ich nicht mehr, wie ich das alles unter einen Hut bekommen habe! Als unsere Tochter 2018 sehr krank war, ich aber in einem großen Projekt steckte, aus dem ich mich auch nicht herausziehen konnte und fast verrückt geworden bin vor Sorge um mein Kind, war das der Auslöser dafür, kürzer zu treten und nunmehr überschaubare Projekte anzunehmen. Meine Kinder, meine Familie ist sowieso mein größter Schatz. Ich liebe unser Familienleben und bin zutiefst glücklich und dankbar für dieses großartige Leben!

Seit drei Jahren liegt mein beruflicher Schwerpunkt inzwischen auf der Entwicklung und Vermarktung unserer Ferienhäuser an der Ostsee und meine Eventmanagement Tätigkeit ist nach 25 Jahren abgemeldet. Ein ganz großer Vorteil der Ferienhäuser ist, dass ich damit meine Leidenschaft für das Gestalten von Wohnraum ausleben kann! Zudem ist unser Sohn studierender Weise aus dem Haus und unsere Tochter in der Oberstufe, wodurch viele Ämter an den Schulen der beiden entfallen – das dadurch frei gewordene Zeitfenster stelle ich sehr gerne dem LSH zur Verfügung, indem ich nun im Beirat tätig bin. Durchaus mit dem Gefühl, dadurch dieser Gemeinschaft, die wie eine Zweitfamilie für mich ist, etwas zurück geben zu wollen.


Arbeite ich nicht, so bin ich beim Sport (naja, nicht so viel, wie sich das hier anhört) oder mit dem Hund unterwegs oder oder… Nicht allein der Gesundheit wegen, sondern schlichtweg, weil ich es so sehr mag, in Bewegung zu sein. Wer sonst kann von sich behaupten, dass sein „stiller Ort“ einer ist, in den man laut platschend eintaucht?! An wenig Orten fühle ich mich so quicklebendig und leicht wie im Wasser, es ist einfach mein Element. Wohl kaum überraschend für eine Frau, die gerne Dinge in fließende Abläufe bringt. Obgleich ich durchaus innehalten und genießen kann – ganz besonders laue Sommerabende im Freien, die dürften meines Erachtens nie enden.

im September 2022

Roberta

Roberta

Meine Zielstrebigkeit ist von einer (Grund-)Einstellung zu einer Eigenschaft geworden. Sie ist einfach da, ich muss mir keinerlei Mühe geben, um so zu sein. Vielmehr arbeite ich daran, mir weniger Leistungsdruck zu machen. Der ist intrinsisch und war von Beginn der 1. Klasse in mir, ohne das mir jemals jemand Druck gemacht hätte. Ganz im Gegenteil: Meine Eltern sagen häufig „jede Note muss mal geschrieben werden“ zu uns drei Kindern.


So perfektionistisch und vielleicht in manchen Bereichen fast schon zwanghaft ich im Schulischen bin, so spontan bin ich in meiner Freizeit! Das Abgeben von Kontrolle kann etwas ganz wunderbar Befreiendes sein.
Das spüre ich insbesondere bei einer meiner sportlichen Hauptleidenschaften, dem Tanzen. Es ist ein ganz besonders erfüllender Moment, wenn mein Körper die Choreographie verinnerlicht hat und ich mich ganz und gar in die Musik geben kann. Ich war bis zu meinem Umzug an das Internat Solling sehr aktiv im Tanzen, da ich dank einer Rolle in dem Musical „Das Wunder von Bern“ in das Young Talent Programm der Stage School Hamburg aufgenommen wurde. Natürlich fehlt mir diese Bewegungsart hier nun sehr, ich weiß aber, dass ich innerhalb weniger Wochen Trainings wieder an bereits erlerntes anknüpfen könnte. Stattdessen bin ich hier viel und gerne im Fitnessraum, mache Yoga und trainiere mit meinem Körpergewicht. Tatsächlich mag ich Muskelkater, da dieser mir aufzeigt, dass ich etwas getan habe. Ebenso sehr mag ich es, „to do Klebezettel“ wegzuschmeißen oder Punkte von zu erledigenden Dingen auf einer Liste abzuhaken. Herrlich! Um mir diese Freude regelmäßig bereiten zu können, erstelle ich mehr Listen, als ich verschriftlichen mag. Vielleicht eventuell gibt es sogar eine darüber, was ich mir bei meinem nächsten Besuch bei meinen Eltern zu essen wünsche…


Zum Glück ist es mir bisher gut gelungen, in engem Kontakt mit Familie und Freunden in der alten Heimat zu bleiben. Dadurch sind die Heimfahrt-Wochenenden manchmal ein kleiner Menschen-Marathon, aber das nehme ich gerne dafür in Kauf, in die geborgene Vertrautheit eines jahrelangen Einanderkennens abzutauchen. Hier am Internat war es von erstem Moment ein „ankommen und drin sein“, es gab gar keine Zeit zum Fremdeln und auch für Heimweh ist kein Raum. Vielmehr habe ich nun zwei Orte, die ich „Zuhause“ nenne. Wie so viele Jugendliche habe ich in der Pubertät Internatslektüre verschlungen und nun lebe ich doch tatsächlich selber in einem. Verrückte Welt.
Was ich später machen werde, weiß ich noch nicht genau. Wobei ich mir aber sicher bin, dass es etwas Kreatives sein muss, um mich auch wirklich dauerhaft herauszufordern und zu erfüllen. Angesichts meines Notenschnittes käme auch ein „klassisches Karriere Studium“ in Frage, doch ist es mir so viel wichtiger, glücklich zu sein. Da ich mit Musik aufgewachsen bin und sie mich schon mein ganzes Leben lang begleitet, darf sie als ein wichtiger Bestandteil meines Lebens gerne auch beruflich eine Rolle spielen. Das steht auf einer meiner Wunschlisten, was daraus wird, wird letztendlich das Leben zeigen.

im August 2022

Annemieke Mock

Annemieke Mock

 
Ich habe meine Kindheit in China (da war ich noch sehr jung) und zum Großteil in Südafrika verbracht, somit liegen mir das Reisen und Leben in nicht deutschen Kulturen im Blut. Da unsere Eltern uns vier Kinder sehr darin bestärken, jede sich uns bietende Chance wahrzunehmen und uns Herausforderungen zu stellen, haben sie mich mit 13 Jahren unterstützt, als ich mich für entschieden hatte, für ein Auslandsschuljahr nach Kanada zu gehen. Nach meiner Rückkehr wollte ich nicht wieder zurück in gewohnte Bahnen und bewarb mich für ein Leistungsstipendium für das Internat Solling. So blicke ich nun auf meine Zeit am Internat Solling und stelle fest, dass ich hier länger mit meinem Freund am selben Ort gelebt habe, als mit meinen Eltern in der Zeit meiner Jugend und Kindheit, an die ich mich aktiv erinnern kann.
 
Dies liegt auch daran, dass meine Schwester Greta leider im Alter von einem Jahr erkrankt ist und eine lange Chemotherapie durchstehen musste. Deswegen war meine Mutter insgesamt fast eineinhalb Jahre mit ihr in Deutschland – in dieser Zeit wurde auch mein kleinster Bruder geboren. Zu dieser Zeit lebten wir in Südafrika und mein Vater war beruflich gebunden. Er blieb zusammen mit mir und meinem jüngeren Bruder in Südafrika. Trotz dieser emotional so schwierigen Zeit habe ich eine enge Bindung zu Südafrika. Tatsächlich träume ich davon, dort später zu leben und meine eigene Familie zu gründen. Ich liebe die Herzenswärme der Afrikaner und die Grenzenlosigkeit dieses Landes, auch wenn diese sowohl positiv als auch negativ sein kann.
 
Meine kleine Schwester Greta ist mein Vorbild. Sie zeigt mir immer wieder aufs Neue, dass Träume und Willen tatsächlich Grenzen überwinden können. Sie gibt nicht nur nie auf, sondern ist voller Überzeugung, dass sie später als Onkologin anderen Patient:innen auf deren Weg helfen wird, den sie selber beschreiten musste. Wenn ein Mensch dies vollbringt, so ist das unsere Greta – die immer und bei allem sagt: „Wir schaffen das!“.
 
Auch wenn mein Abiturzeugnis mir durchaus ein Medizinstudium ermöglichen würde, so hält mich meine Abneigung gegen Blut und Spritzen nachhaltig davon ab. Vielmehr träume ich davon, den Master in International Development an der Sciences Po (Paris School of International Affairs) zu machen. Mir ist Bildung, insbesondere politische Bildung, sehr wichtig. Ich bin davon überzeugt, dass Menschen das heutige Weltgeschehen nur dann erfassen können, wenn sie sich auch mit der Vergangenheit beschäftigt haben. Darum würde ich sehr gerne daran mitarbeiten, vielen Menschen die Möglichkeit zu geben, sich zum Beispiel über Ausstellungen zu informieren. Nur wer um die Vergangenheit weiß, kann positiv auf die Zukunft Einfluss nehmen und hat auch für sich persönlich das Rüstzeug, Chancen zu erkennen und wahrzunehmen. Natürlich weiß ich, dass im Leben nicht alles nach Plan verläuft, träume aber davon, mich in diesem Bereich einbringen zu können. 
 
Auch wenn ich es durchaus sehr genießen kann, einfach mal nichts zu machen und einen Tag zu vertrödeln, so möchte ich doch stets die Aussicht darauf haben, wieder etwas zu unternehmen. Stillstand behagt mir eben so wenig wie eine zu starre Planung – es würde mich in den Wahnsinn treiben, wenn ich jetzt schon wüsste, was ich das gesamte nächste Jahr mache. Da ich sehr gut darin bin, neue Möglichkeiten und Wege zu entdecken, die vielleicht auf den ersten Blick versteckt sind, gehe ich meiner Zukunft recht gelassen entgegen. Sollte mir doch einmal etwas Sorgen bereiten, so laufe ich mir einfach den Kopf frei. In meiner Familie sind alle Läufer, natürlich mit einer Laufuhr am Arm; nur ich laufe, ohne die Zeit zu nehmen. Mir geht es einfach nur darum, in Bewegung zu sein.

Lara Krause

Lara Krause

Mein Ridgeback Massai war ursprünglich gar nicht mein Hund, sondern der meiner Eltern. Da ich vor Antritt meiner Tätigkeit am Internat Solling häufig zu Hause war und ihn mitbetreut habe, hatte er regelrechten Liebeskummer, als ich durch die Kam-Arbeit und das Wohnen in Holzminden nunmehr nur noch einmal die Woche zu Besuch kam. Irgendwann fassten meine Eltern sich dann ein Herz und sagten: Du bist sein Mensch. Im Nachhinein haben wir von einer Züchterin erfahren, dass sich diese Rasse immer einen Menschen in seinem Rudel aussucht und an diese eine Person bedingungslos bindet. Dass ich diese Person bin erfüllt mich mit tiefer Freude. Die täglichen Hunderunden sind viel mehr als eine liebe Pflicht, ich komme so auch vom Gelände und kann Abstand zum Alltag nehmen. Massai ist meine Ruhequelle.
 
So ist zu den vielen positiven Aspekten meiner Arbeit am Internat Solling noch ein weiterer hinzugekommen: Ich kann hier mit meinem Hund leben! Am allerwichtigsten ist aber, dass ich es liebe, hier die Möglichkeit zu haben, unsere Schüler:innen individuell fördern und fordern zu können. In unserem 24/7 haben wir tatsächlich die Möglichkeit, Persönlichkeiten formen, was eine Aufgabe weit über jedweden Lehrplan hinaus und für mich eine Bereicherung ist. Im Unterricht gibt es immer wieder diesen einen Moment, der mich in meiner Berufswahl bestärkt: Wenn die Schüler:innen mir Ideen offenbaren, auf die ich selber gar nicht gekommen wäre und ich dadurch merke, dass in ihrem Verständnis Dinge und Informationen ineinandergreifen. Im gemeinsamen Miteinander ist mir eines am wichtigsten: keine Lügen. Angelogen zu werden ist der eine und einzige Weg, mein jeder Person gerne geschenktes Vertrauen nachhaltig zu erschüttern. Eicgentlich vergesse und verzeihe ich schnell, lediglich in diesem Punkt ist das „Schwamm drüber“ ein sich zu erarbeitender Prozess – der zum Glück bisher selten nötig war!

Dass ich hier in Holzminden bin ist insofern witzig, als dass ich nur knapp 20 Kilometer von hier aufgewachsen bin, aber gar nicht wusste, dass es das Internat Solling gibt. Nun genieße ich die Kombination aus meinem Leben hier auf dem Gelände und der räumlichen Nähe zu meiner Familie und meinen Freunden. Diese Nähe ist insofern wichtig, als dass ich wirklich nur dann abschalten kann, wenn ich nicht auf dem Gelände bin. Auch wenn der Schutzraum des freien Tages wirklich toll akzeptiert wird, brauche ich für mich auch räumlichen Abstand. Insbesondere in den Ferien bin ich weg! Am allerliebsten belade ich meinen Wohnwagen und fahre in die Berge. Somit mache ich nun leidenschaftlich gerne genau das, was ich als Jugendliche total spießig und langweilig fand! Nach Hotel- und Fernurlauben habe ich festgestellt, dass die Freiheit und der eigene, fahrbare Lebensraum im Wohnwagen für mich persönlich den tollsten Urlaub darstellen. Nach erwandertem Weitblick mit Massai an meiner Seite freue ich mich dann immer wieder darauf, in das lebendige Bienenstockleben am Internat einzutauchen.
 
im Juli 2022
 

Vincent Flamme

Vincent Flamme


Auch wenn ich mit hoher Wahrscheinlichkeit alle Anspielungen auf meinen Nachnamen bereits gehört habe: Ein Stück weit trifft es tatsächlich auf mich zu, dieses „Nomen est omen“ – interessiert mich ein Thema, so brenne ich lichterloh dafür und informiere mich umfassend. Aktuell sauge ich Informationen zu Hunden und ihrer Erziehung auf, da unser neues Familienmitglied Albert uns nicht nur erfreut, sondern durchaus auch positiv fordert. Derzeit bin ich wöchentlich mit ihm in der Hundeschule und erwäge sogar, die Ausbildung zum Hundetrainer zu absolvieren.
Meine Begeisterung für das Internat Solling wurde über die Liebe geweckt – meine Partnerin Charlotte ist hier tätig und so habe ich das Internatsleben zunächst als Gast kennen- und schnell schätzengelernt. Dieser Heimvorteil hat mit sich gebracht, dass ich der erste im Referendariat war, der schon vor dem Ablegen der letzten Prüfungen einen Vertrag und somit einen festen Zukunftsplan in der Tasche hatte; für die Schüler:innen hat meine Position als Lehrkraft bedeutet, von „Vincent“ zu „Herr Flamme“ wechseln zu müssen und für mich, mein Halbwissen um die Tagesabläufe um das Erfahren dieser zu ergänzen. An der Gesamtschule noch mit über 30 Schüler:innen konfrontiert, irritierte es mich anfangs doch, dass die Anwesenheit in meiner 10. Klasse bei acht Lernenden innerhalb von Sekundenbruchteilen überprüft war. Nun genieße ich es sehr, mit Menschen zusammen zu arbeiten und zu leben, die ich zuvor als Freunde kennengelernt habe.
Meine Liebe zum Sport war letztendlich mein Einstieg in den Lehrberuf, da ich früh begonnen habe, Sportgruppen anzuleiten. So leitete und gestaltete ich sieben Jahre lang neben dem Studium eigenverantwortlich das sportliche Angebot einer Grundschule und lernte auf diese Art auch die Kleinen der Kleinen kennen. Soziales Tun wurde mir aber auch in die Wiege gelegt – mein Vater ist selbst Lehrer und meine Mutter ist in einer Lebenshilfeeinrichtung tätig. Auch meine Fähigkeit, schnell Zugang zu Menschen zu finden, was meiner Meinung nach eine Grundvoraussetzung für den Lehrberuf darstellt, kann ich hier im Internatsleben einbringen. Ich habe die Erfahrung gemacht, dass Beziehungsarbeit der Schlüssel zu gutem Unterricht sein kann. Stimmt das Gemeinschaftsgefühl in einer Klasse und haben Lehrperson und Schüler:innen eine gemeinsame Ebene, so ist es möglich, die Begeisterung für das Fach zu wecken. Gerade das Fach Deutsch bildet mit seinen literarischen Gegenständen vielfältige Anknüpfungspunkte, um den Schüler:innen eine kulturelle und ästhetische Bildung zu ermöglichen. In unserem gemeinsamen Leben hier am Internat ist es leichter, eine solche Ebene zu erreichen, da wir einander auch über den Unterricht hinaus begegnen und die Möglichkeit haben, Freizeitaktivitäten miteinander zu genießen. Zum Beispiel bin ich auf dem hiesigen Fußballplatz oder in der Sporthalle anzutreffen, denn ein Dauerfeuer in meinem Leben stellt der Sport dar. Ich bin heilfroh, endlich wieder das Gemeinschaftsgefühl zu haben! Angefangen über die Minikicker verschlug es mich mit 15 Jahren zum Volleyball, wo ich es bis in die Regionalliga beim VBC Paderborn schaffte. Meines Erachtens weckt Sport Emotionen, die man sonst im Alltag in dieser Form nicht erfährt. Aus diesem Grund besuche ich sehr gerne Fußballstadien, auch um meinen Verein, Arminia Bielefeld, leidenschaftlich zu unterstützen.
Eine bzw. 12 Dauerflamme(n) meines Lebens müssen noch hierher umziehen – ich habe seit meinem 16. Lebensjahr Vogelspinnen – somit wird ein „Du spinnst wohl!“ von mir grundsätzlich mit einem freudigen „Ja!“ beantwortet. Mich fasziniert die Artenvielfalt mit den unterschiedlichen Lebensräumen, die es in den Terrarien möglichst naturnah zu gestalten gilt. Ich möchte gerne einen Beitrag dazu leisten, Vorurteile gegenüber diesen Tieren abzubauen, die sehr viel gutmütiger und individueller sind, als die meisten Menschen glauben. Personen, die unter Arachnophobie leiden, sei versichert: Vorstellung ist, die Spinnen sicher und artgerecht in einem dafür geeigneten Raum leben zu lassen. Um die Idee mal weiterzuspinnen: Ich möchte gerne züchten und viele andere Menschen für dieses haarige Thema begeistern.

im August 2022

Anna Schütz

Manchmal denke ich, meine Aufgabe am Internat Solling fügt alles auf wunderbare Weise zusammen.

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Dirk Hebeler

Dass ich momentan mit Krebs kämpfen muss ist ärgerlich, aber angesichts der Tatsache, dass ich bisher nie ernsthaft krank war, nur eine hinzunehmende Aufgabe.

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