Silke Deburba

Rafaela


Ich habe zwei Muttersprachen – Deutsch und Organisieren.

Organisieren ist tatsächlich ein Reflex von mir, den ich kaum zu unterdrücken vermag.
Darum lacht mein Mann auch nur noch, wenn ich wieder mit einem weiteren Amt nach Hause komme. Da es mir leichtfällt, Struktur und Plan in Dinge zu bringen, sage ich diesbezüglich schnell „ja“. Das liegt aber auch daran, dass ich gerne mittendrin bin und mitmische. Dies zu lesen mag so manchen Menschen, der mich zu meinen Internatszeiten erlebt hat, überraschen – ich war eine eher schüchterne Mitschülerin, die Dinge und Menschen auf sich zukommen ließ. Ganz im Gegensatz zu meiner jüngeren Schwester Nicky, die immer in der Peer-Group war. Dies zieht sich nicht wenig durch unser gemeinsames Leben – Nicky war vor mir am Internat, sie war vor mir an unserem gemeinsamen Interimswohnort Paris und sie wurde 6 Monate vor mir zum ersten Male Mutter. All diese „vor mirs“ haben unserer engen Bindung nie Abbruch getan.


Die fünf Monate in Paris waren für mich in vielerlei Hinsicht ein Freiheitsschlag. Zum einen hat es das Ende eines eher semi-optimal verlaufenen BWL – Studiums, das krankheitsbedingt mit dem Verpassen des ersten Semesters begonnen und dadurch, dass ich mit dem Kopf noch im LSH und mindestens jedes 2. Wochenende dort war, auch nicht großartige soziale Anbindung bedeutet hat, markiert. Zum anderen war es für mich auch hinsichtlich meiner Zurückhaltung anderen Menschen gegenüber ein Neuanfang. Ich bin dort, wo ich auf neue Menschen aller Nationalitäten traf, aufgelebt und aus mir herausgekommen. Da ich es meinen Eltern aber nicht zumuten wollte, an einem derart kostspieligen Ort zu studieren, bin ich nach Hamburg gezogen und habe an der „KAH“ (Kommunikations Akademie Hamburg) meinen Abschluss als Kommunikationswirtin gemacht. Damals war der Begriff „Event“ noch etwas diffus und so konnte ich zu einem Zeitpunkt Fuß in diesem Bereich fassen, zu dem noch alles ganz neu war. Die Kombination aus Organisieren und meinem, bestimmt der Zeit am Internat entstammenden, grundsätzlich unvoreingenommenen Interesse an anderen Menschen war wie für mich gemacht. Eine spannende Zeit, die mich geprägt und definitiv mein Selbstbewusstsein hat wachsen lassen! Nach einigen Jahren in einer Agentur habe ich mich mit der Illusion, dass eine Selbstständigkeit sich besser mit einem Familienleben vereinbaren ließe, selbstständig gemacht. Selbstverständlich war es keine komplette Illusion, aber durchaus ein kräftezehrender Spagat. Im Nachhinein weiß ich nicht mehr, wie ich das alles unter einen Hut bekommen habe! Als unsere Tochter 2018 sehr krank war, ich aber in einem großen Projekt steckte, aus dem ich mich auch nicht herausziehen konnte und fast verrückt geworden bin vor Sorge um mein Kind, war das der Auslöser dafür, kürzer zu treten und nunmehr überschaubare Projekte anzunehmen. Meine Kinder, meine Familie ist sowieso mein größter Schatz. Ich liebe unser Familienleben und bin zutiefst glücklich und dankbar für dieses großartige Leben!

Seit drei Jahren liegt mein beruflicher Schwerpunkt inzwischen auf der Entwicklung und Vermarktung unserer Ferienhäuser an der Ostsee und meine Eventmanagement Tätigkeit ist nach 25 Jahren abgemeldet. Ein ganz großer Vorteil der Ferienhäuser ist, dass ich damit meine Leidenschaft für das Gestalten von Wohnraum ausleben kann! Zudem ist unser Sohn studierender Weise aus dem Haus und unsere Tochter in der Oberstufe, wodurch viele Ämter an den Schulen der beiden entfallen – das dadurch frei gewordene Zeitfenster stelle ich sehr gerne dem LSH zur Verfügung, indem ich nun im Beirat tätig bin. Durchaus mit dem Gefühl, dadurch dieser Gemeinschaft, die wie eine Zweitfamilie für mich ist, etwas zurück geben zu wollen.


Arbeite ich nicht, so bin ich beim Sport (naja, nicht so viel, wie sich das hier anhört) oder mit dem Hund unterwegs oder oder… Nicht allein der Gesundheit wegen, sondern schlichtweg, weil ich es so sehr mag, in Bewegung zu sein. Wer sonst kann von sich behaupten, dass sein „stiller Ort“ einer ist, in den man laut platschend eintaucht?! An wenig Orten fühle ich mich so quicklebendig und leicht wie im Wasser, es ist einfach mein Element. Wohl kaum überraschend für eine Frau, die gerne Dinge in fließende Abläufe bringt. Obgleich ich durchaus innehalten und genießen kann – ganz besonders laue Sommerabende im Freien, die dürften meines Erachtens nie enden.

im September 2022

Roberta

Roberta

Meine Zielstrebigkeit ist von einer (Grund-)Einstellung zu einer Eigenschaft geworden. Sie ist einfach da, ich muss mir keinerlei Mühe geben, um so zu sein. Vielmehr arbeite ich daran, mir weniger Leistungsdruck zu machen. Der ist intrinsisch und war von Beginn der 1. Klasse in mir, ohne das mir jemals jemand Druck gemacht hätte. Ganz im Gegenteil: Meine Eltern sagen häufig „jede Note muss mal geschrieben werden“ zu uns drei Kindern.


So perfektionistisch und vielleicht in manchen Bereichen fast schon zwanghaft ich im Schulischen bin, so spontan bin ich in meiner Freizeit! Das Abgeben von Kontrolle kann etwas ganz wunderbar Befreiendes sein.
Das spüre ich insbesondere bei einer meiner sportlichen Hauptleidenschaften, dem Tanzen. Es ist ein ganz besonders erfüllender Moment, wenn mein Körper die Choreographie verinnerlicht hat und ich mich ganz und gar in die Musik geben kann. Ich war bis zu meinem Umzug an das Internat Solling sehr aktiv im Tanzen, da ich dank einer Rolle in dem Musical „Das Wunder von Bern“ in das Young Talent Programm der Stage School Hamburg aufgenommen wurde. Natürlich fehlt mir diese Bewegungsart hier nun sehr, ich weiß aber, dass ich innerhalb weniger Wochen Trainings wieder an bereits erlerntes anknüpfen könnte. Stattdessen bin ich hier viel und gerne im Fitnessraum, mache Yoga und trainiere mit meinem Körpergewicht. Tatsächlich mag ich Muskelkater, da dieser mir aufzeigt, dass ich etwas getan habe. Ebenso sehr mag ich es, „to do Klebezettel“ wegzuschmeißen oder Punkte von zu erledigenden Dingen auf einer Liste abzuhaken. Herrlich! Um mir diese Freude regelmäßig bereiten zu können, erstelle ich mehr Listen, als ich verschriftlichen mag. Vielleicht eventuell gibt es sogar eine darüber, was ich mir bei meinem nächsten Besuch bei meinen Eltern zu essen wünsche…


Zum Glück ist es mir bisher gut gelungen, in engem Kontakt mit Familie und Freunden in der alten Heimat zu bleiben. Dadurch sind die Heimfahrt-Wochenenden manchmal ein kleiner Menschen-Marathon, aber das nehme ich gerne dafür in Kauf, in die geborgene Vertrautheit eines jahrelangen Einanderkennens abzutauchen. Hier am Internat war es von erstem Moment ein „ankommen und drin sein“, es gab gar keine Zeit zum Fremdeln und auch für Heimweh ist kein Raum. Vielmehr habe ich nun zwei Orte, die ich „Zuhause“ nenne. Wie so viele Jugendliche habe ich in der Pubertät Internatslektüre verschlungen und nun lebe ich doch tatsächlich selber in einem. Verrückte Welt.
Was ich später machen werde, weiß ich noch nicht genau. Wobei ich mir aber sicher bin, dass es etwas Kreatives sein muss, um mich auch wirklich dauerhaft herauszufordern und zu erfüllen. Angesichts meines Notenschnittes käme auch ein „klassisches Karriere Studium“ in Frage, doch ist es mir so viel wichtiger, glücklich zu sein. Da ich mit Musik aufgewachsen bin und sie mich schon mein ganzes Leben lang begleitet, darf sie als ein wichtiger Bestandteil meines Lebens gerne auch beruflich eine Rolle spielen. Das steht auf einer meiner Wunschlisten, was daraus wird, wird letztendlich das Leben zeigen.

im August 2022

Annemieke Mock

Annemieke Mock

 
Ich habe meine Kindheit in China (da war ich noch sehr jung) und zum Großteil in Südafrika verbracht, somit liegen mir das Reisen und Leben in nicht deutschen Kulturen im Blut. Da unsere Eltern uns vier Kinder sehr darin bestärken, jede sich uns bietende Chance wahrzunehmen und uns Herausforderungen zu stellen, haben sie mich mit 13 Jahren unterstützt, als ich mich für entschieden hatte, für ein Auslandsschuljahr nach Kanada zu gehen. Nach meiner Rückkehr wollte ich nicht wieder zurück in gewohnte Bahnen und bewarb mich für ein Leistungsstipendium für das Internat Solling. So blicke ich nun auf meine Zeit am Internat Solling und stelle fest, dass ich hier länger mit meinem Freund am selben Ort gelebt habe, als mit meinen Eltern in der Zeit meiner Jugend und Kindheit, an die ich mich aktiv erinnern kann.
 
Dies liegt auch daran, dass meine Schwester Greta leider im Alter von einem Jahr erkrankt ist und eine lange Chemotherapie durchstehen musste. Deswegen war meine Mutter insgesamt fast eineinhalb Jahre mit ihr in Deutschland – in dieser Zeit wurde auch mein kleinster Bruder geboren. Zu dieser Zeit lebten wir in Südafrika und mein Vater war beruflich gebunden. Er blieb zusammen mit mir und meinem jüngeren Bruder in Südafrika. Trotz dieser emotional so schwierigen Zeit habe ich eine enge Bindung zu Südafrika. Tatsächlich träume ich davon, dort später zu leben und meine eigene Familie zu gründen. Ich liebe die Herzenswärme der Afrikaner und die Grenzenlosigkeit dieses Landes, auch wenn diese sowohl positiv als auch negativ sein kann.
 
Meine kleine Schwester Greta ist mein Vorbild. Sie zeigt mir immer wieder aufs Neue, dass Träume und Willen tatsächlich Grenzen überwinden können. Sie gibt nicht nur nie auf, sondern ist voller Überzeugung, dass sie später als Onkologin anderen Patient:innen auf deren Weg helfen wird, den sie selber beschreiten musste. Wenn ein Mensch dies vollbringt, so ist das unsere Greta – die immer und bei allem sagt: „Wir schaffen das!“.
 
Auch wenn mein Abiturzeugnis mir durchaus ein Medizinstudium ermöglichen würde, so hält mich meine Abneigung gegen Blut und Spritzen nachhaltig davon ab. Vielmehr träume ich davon, den Master in International Development an der Sciences Po (Paris School of International Affairs) zu machen. Mir ist Bildung, insbesondere politische Bildung, sehr wichtig. Ich bin davon überzeugt, dass Menschen das heutige Weltgeschehen nur dann erfassen können, wenn sie sich auch mit der Vergangenheit beschäftigt haben. Darum würde ich sehr gerne daran mitarbeiten, vielen Menschen die Möglichkeit zu geben, sich zum Beispiel über Ausstellungen zu informieren. Nur wer um die Vergangenheit weiß, kann positiv auf die Zukunft Einfluss nehmen und hat auch für sich persönlich das Rüstzeug, Chancen zu erkennen und wahrzunehmen. Natürlich weiß ich, dass im Leben nicht alles nach Plan verläuft, träume aber davon, mich in diesem Bereich einbringen zu können. 
 
Auch wenn ich es durchaus sehr genießen kann, einfach mal nichts zu machen und einen Tag zu vertrödeln, so möchte ich doch stets die Aussicht darauf haben, wieder etwas zu unternehmen. Stillstand behagt mir eben so wenig wie eine zu starre Planung – es würde mich in den Wahnsinn treiben, wenn ich jetzt schon wüsste, was ich das gesamte nächste Jahr mache. Da ich sehr gut darin bin, neue Möglichkeiten und Wege zu entdecken, die vielleicht auf den ersten Blick versteckt sind, gehe ich meiner Zukunft recht gelassen entgegen. Sollte mir doch einmal etwas Sorgen bereiten, so laufe ich mir einfach den Kopf frei. In meiner Familie sind alle Läufer, natürlich mit einer Laufuhr am Arm; nur ich laufe, ohne die Zeit zu nehmen. Mir geht es einfach nur darum, in Bewegung zu sein.

Lara Krause

Lara Krause

Mein Ridgeback Massai war ursprünglich gar nicht mein Hund, sondern der meiner Eltern. Da ich vor Antritt meiner Tätigkeit am Internat Solling häufig zu Hause war und ihn mitbetreut habe, hatte er regelrechten Liebeskummer, als ich durch die Kam-Arbeit und das Wohnen in Holzminden nunmehr nur noch einmal die Woche zu Besuch kam. Irgendwann fassten meine Eltern sich dann ein Herz und sagten: Du bist sein Mensch. Im Nachhinein haben wir von einer Züchterin erfahren, dass sich diese Rasse immer einen Menschen in seinem Rudel aussucht und an diese eine Person bedingungslos bindet. Dass ich diese Person bin erfüllt mich mit tiefer Freude. Die täglichen Hunderunden sind viel mehr als eine liebe Pflicht, ich komme so auch vom Gelände und kann Abstand zum Alltag nehmen. Massai ist meine Ruhequelle.
 
So ist zu den vielen positiven Aspekten meiner Arbeit am Internat Solling noch ein weiterer hinzugekommen: Ich kann hier mit meinem Hund leben! Am allerwichtigsten ist aber, dass ich es liebe, hier die Möglichkeit zu haben, unsere Schüler:innen individuell fördern und fordern zu können. In unserem 24/7 haben wir tatsächlich die Möglichkeit, Persönlichkeiten formen, was eine Aufgabe weit über jedweden Lehrplan hinaus und für mich eine Bereicherung ist. Im Unterricht gibt es immer wieder diesen einen Moment, der mich in meiner Berufswahl bestärkt: Wenn die Schüler:innen mir Ideen offenbaren, auf die ich selber gar nicht gekommen wäre und ich dadurch merke, dass in ihrem Verständnis Dinge und Informationen ineinandergreifen. Im gemeinsamen Miteinander ist mir eines am wichtigsten: keine Lügen. Angelogen zu werden ist der eine und einzige Weg, mein jeder Person gerne geschenktes Vertrauen nachhaltig zu erschüttern. Eicgentlich vergesse und verzeihe ich schnell, lediglich in diesem Punkt ist das „Schwamm drüber“ ein sich zu erarbeitender Prozess – der zum Glück bisher selten nötig war!

Dass ich hier in Holzminden bin ist insofern witzig, als dass ich nur knapp 20 Kilometer von hier aufgewachsen bin, aber gar nicht wusste, dass es das Internat Solling gibt. Nun genieße ich die Kombination aus meinem Leben hier auf dem Gelände und der räumlichen Nähe zu meiner Familie und meinen Freunden. Diese Nähe ist insofern wichtig, als dass ich wirklich nur dann abschalten kann, wenn ich nicht auf dem Gelände bin. Auch wenn der Schutzraum des freien Tages wirklich toll akzeptiert wird, brauche ich für mich auch räumlichen Abstand. Insbesondere in den Ferien bin ich weg! Am allerliebsten belade ich meinen Wohnwagen und fahre in die Berge. Somit mache ich nun leidenschaftlich gerne genau das, was ich als Jugendliche total spießig und langweilig fand! Nach Hotel- und Fernurlauben habe ich festgestellt, dass die Freiheit und der eigene, fahrbare Lebensraum im Wohnwagen für mich persönlich den tollsten Urlaub darstellen. Nach erwandertem Weitblick mit Massai an meiner Seite freue ich mich dann immer wieder darauf, in das lebendige Bienenstockleben am Internat einzutauchen.
 
im Juli 2022
 

Vincent Flamme

Vincent Flamme


Auch wenn ich mit hoher Wahrscheinlichkeit alle Anspielungen auf meinen Nachnamen bereits gehört habe: Ein Stück weit trifft es tatsächlich auf mich zu, dieses „Nomen est omen“ – interessiert mich ein Thema, so brenne ich lichterloh dafür und informiere mich umfassend. Aktuell sauge ich Informationen zu Hunden und ihrer Erziehung auf, da unser neues Familienmitglied Albert uns nicht nur erfreut, sondern durchaus auch positiv fordert. Derzeit bin ich wöchentlich mit ihm in der Hundeschule und erwäge sogar, die Ausbildung zum Hundetrainer zu absolvieren.
Meine Begeisterung für das Internat Solling wurde über die Liebe geweckt – meine Partnerin Charlotte ist hier tätig und so habe ich das Internatsleben zunächst als Gast kennen- und schnell schätzengelernt. Dieser Heimvorteil hat mit sich gebracht, dass ich der erste im Referendariat war, der schon vor dem Ablegen der letzten Prüfungen einen Vertrag und somit einen festen Zukunftsplan in der Tasche hatte; für die Schüler:innen hat meine Position als Lehrkraft bedeutet, von „Vincent“ zu „Herr Flamme“ wechseln zu müssen und für mich, mein Halbwissen um die Tagesabläufe um das Erfahren dieser zu ergänzen. An der Gesamtschule noch mit über 30 Schüler:innen konfrontiert, irritierte es mich anfangs doch, dass die Anwesenheit in meiner 10. Klasse bei acht Lernenden innerhalb von Sekundenbruchteilen überprüft war. Nun genieße ich es sehr, mit Menschen zusammen zu arbeiten und zu leben, die ich zuvor als Freunde kennengelernt habe.
Meine Liebe zum Sport war letztendlich mein Einstieg in den Lehrberuf, da ich früh begonnen habe, Sportgruppen anzuleiten. So leitete und gestaltete ich sieben Jahre lang neben dem Studium eigenverantwortlich das sportliche Angebot einer Grundschule und lernte auf diese Art auch die Kleinen der Kleinen kennen. Soziales Tun wurde mir aber auch in die Wiege gelegt – mein Vater ist selbst Lehrer und meine Mutter ist in einer Lebenshilfeeinrichtung tätig. Auch meine Fähigkeit, schnell Zugang zu Menschen zu finden, was meiner Meinung nach eine Grundvoraussetzung für den Lehrberuf darstellt, kann ich hier im Internatsleben einbringen. Ich habe die Erfahrung gemacht, dass Beziehungsarbeit der Schlüssel zu gutem Unterricht sein kann. Stimmt das Gemeinschaftsgefühl in einer Klasse und haben Lehrperson und Schüler:innen eine gemeinsame Ebene, so ist es möglich, die Begeisterung für das Fach zu wecken. Gerade das Fach Deutsch bildet mit seinen literarischen Gegenständen vielfältige Anknüpfungspunkte, um den Schüler:innen eine kulturelle und ästhetische Bildung zu ermöglichen. In unserem gemeinsamen Leben hier am Internat ist es leichter, eine solche Ebene zu erreichen, da wir einander auch über den Unterricht hinaus begegnen und die Möglichkeit haben, Freizeitaktivitäten miteinander zu genießen. Zum Beispiel bin ich auf dem hiesigen Fußballplatz oder in der Sporthalle anzutreffen, denn ein Dauerfeuer in meinem Leben stellt der Sport dar. Ich bin heilfroh, endlich wieder das Gemeinschaftsgefühl zu haben! Angefangen über die Minikicker verschlug es mich mit 15 Jahren zum Volleyball, wo ich es bis in die Regionalliga beim VBC Paderborn schaffte. Meines Erachtens weckt Sport Emotionen, die man sonst im Alltag in dieser Form nicht erfährt. Aus diesem Grund besuche ich sehr gerne Fußballstadien, auch um meinen Verein, Arminia Bielefeld, leidenschaftlich zu unterstützen.
Eine bzw. 12 Dauerflamme(n) meines Lebens müssen noch hierher umziehen – ich habe seit meinem 16. Lebensjahr Vogelspinnen – somit wird ein „Du spinnst wohl!“ von mir grundsätzlich mit einem freudigen „Ja!“ beantwortet. Mich fasziniert die Artenvielfalt mit den unterschiedlichen Lebensräumen, die es in den Terrarien möglichst naturnah zu gestalten gilt. Ich möchte gerne einen Beitrag dazu leisten, Vorurteile gegenüber diesen Tieren abzubauen, die sehr viel gutmütiger und individueller sind, als die meisten Menschen glauben. Personen, die unter Arachnophobie leiden, sei versichert: Vorstellung ist, die Spinnen sicher und artgerecht in einem dafür geeigneten Raum leben zu lassen. Um die Idee mal weiterzuspinnen: Ich möchte gerne züchten und viele andere Menschen für dieses haarige Thema begeistern.

im August 2022

Anna Schütz

Manchmal denke ich, meine Aufgabe am Internat Solling fügt alles auf wunderbare Weise zusammen.

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Dirk Hebeler

Dass ich momentan mit Krebs kämpfen muss ist ärgerlich, aber angesichts der Tatsache, dass ich bisher nie ernsthaft krank war, nur eine hinzunehmende Aufgabe.

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Alexandre von Treuenfels (LSH 1969 – 1973)

Alexandre von Treuenfels

Es gibt mich nicht ohne „Sehnsucht“. Bin ich in Deutschland, so sehne ich mich nach der Lebensart und den unendlichen Weiten Brasiliens, wo ich geboren bin und die ersten 15 Jahre meines Lebens zwischen Kaffeeplantagen verbracht habe. In Brasilien wiederum fehlen mir die Menschen, die mein deutsches Leben seit vielen Jahren bereichern und der leichte deutsche Akzent zeigt auf, dass ich ebenso sehr in Deutschland verwurzelt bin. Meinem kreativen Schaffen kommt dies entgegen – diesem Spannungsfeld entwachsen viele meiner Bilder.
Im Anschluss an mein Abitur am Internat Solling habe ich zunächst in Brasilien Landwirtschaft studiert. Die Malerei war, so wie auch die Musik, meine „mitnehmbare“ Konstante. Selbst der Abschluss als Diplomlandwirt in Göttingen und einige Jahre Berufserfahrung hinderten mich nicht an dem Entschluss, mich eines Tages an der Kunstakademie „Escola Panamericana de Arte“ (EPA) in São Paulo einzuschreiben. Abends unterrichtete ich Deutsch in einer Sprachschule, die Tage gehörten der Kunst.
 
Eine herrliche Zeit, die mich beflügelte und ihre Bestätigung durch eine Ehrenurkunde „Menção Honrosa“ für mein Engagement an der EPA erhielt. Dieser Rückenwind wurde durch eine Einladung eines deutschen Industriellen und Mäzens, dem meine Bilder gefielen, vervielfältigt. Ein Angebot, meine Werke im „Brenners Park“ in Baden-Baden auszustellen, veranlassten mich, alles andere stehen und liegen zu lassen, und wie im Rausch die nötige Anzahl von Bildern anzufertigen. Sie wurden in Überseekisten verpackt und erreichten mit mir unseren „Stammhafen Hamburg“. 
 
Die Ausstellung war ein voller Erfolg und führte dazu, viele weitere Jahre hauptsächlich in Hamburg zu leben und später zahlreiche weitere Ausstellungen durchzuführen. Doch für den Lebensunterhalt bedurfte es zunächst noch weiterer Tätigkeiten des reinen Gelderwerbs. Irgendwann war dann aber der Zeitpunkt erreicht, an dem ich nicht mehr bereit war, beruflich etwas für andere zu tun. 
 
Ich bin nunmehr ganz und gar Maler! Neben dem Verkauf von Bildern, die mit der von mir entwickelten „Lima-Technik“ („Lima“ ist das lat. Wort für Feile, Künstlerische Ausarbeitung) entstehen, mit der ich mithilfe von Ölfarbe Figuren aus einer Ebene von Spachtelmasse herauswachsen lasse, lebe ich von der Portraitmalerei. In dieser, heißt es, kommen meine Stärken „Einfühlungsvermögen“ und „Empathie“ zum Tragen. In diesen Auftragsarbeiten verwirkliche ich mich nicht als Maler, sondern versuche vielmehr, den Menschen in seinem Wesen zu erfassen und abzubilden. 
Die Thematik in meiner freien Malerei ergibt sich sowohl aus dem von mir Erlebten und den 
daraus gewonnenen Erkenntnissen als auch aus der griechischen Mythologie.
Beide sind Ausdruck
– einer Sehnsucht nach einer Welt in Harmonie von Mensch und Natur
– einer Besorgnis über das zunehmende Platzgreifen der hoch technisierten Welt
– eines Bemühens um einen Gegenentwurf zur ökonomisierten Zivilisation und nicht zuletzt
– eines Aufrufs zur Rückbesinnung auf unsere Natürlichkeit und Kreatürlichkeit
 
In meinen Bildern taucht immer wieder der Stier auf, als Symbol der Mutter Erde mit ihrer Kraft, ihrer Beständigkeit und ihrer duldenden Belastbarkeit. Der oftmals als Tanz inszenierte Kampf zwischen Stier und Mensch ist Sinnbild für die Beziehung zwischen Mensch und Natur: einerseits aufeinander angewiesen, andererseits in aggressiver Konkurrenz.
Natürlich gab und gibt es in meiner Laufbahn auch Ebbe und Flut, die Auftragslage ist oft saisonal, doch kann ich sagen, von meinem Schaffen leben zu können. Mein Leben findet mittlerweile zum größten Teil in Mecklenburg-Vorpommern statt, wo unsere Familie nach der Wende zu ihren Wurzeln zurückgekehrt ist und die Möglichkeit hatte Wald zurück zu erwerben. Das renovierte ehemalige Forsthaus, in dem ich zurzeit lebe, dient uns dafür als Ankerpunkt.
 

Blicke ich jetzt auf mein Leben, so bin ich dankbar und froh, diesen Weg gegangen zu sein. Ich werde nicht mit dem Gefühl aus dem Leben gehen, ihn nicht gewagt zu haben. Dieses Wissen bedeutet einen immensen inneren Reichtum.

im April 2022
 

David Witham (LSH 1987 -1996)

David Witham

Es gibt nicht allzu viele LSHler, die dies von sich behaupten können: Ich war interner Externer, der im Internat Solling in die Wiege gelegt wurde. Die Auflösung ist: Meine Eltern waren betreuendes Ehepaar einer Kam und mein Vater Lehrer am Internat; ich bin in Holzminden geboren und von klein auf durch unser wunderschönes Gelände geflitzt. Bis auf die Mahlzeiten, die wir zwei Jungs mit unserer Mutter eingenommen haben, habe ich an sämtlichen Internatsaktivitäten teilgenommen.

Ja, auch am Aussteigen. Selbstverständlich! Um nicht am Elternschlafzimmer, das sich an der Wohnungstür befand (bessere Akustik – Verbindung zur Kam) vorbeischleichen zu müssen und damit die Mission zu gefährden, habe ich ein Seil aus dem Fenster meines Kinderzimmers geschmissen und mich gen Freak abgeseilt. An dieser Stelle Dank an meinen älteren Bruder Mike, der mich darin unterwiesen hat! Für uns, die wir am Internat lebten, gab es über die Jahreszeiten Frühling, Sommer, Herbst und Winter hinaus die der Ferien. In der Schulzeit ist das gesamte Gelände ein einziger, riesiger Bienenstock, in dem es summt und brummt; es herrschen ständig Bewegung und Flirren in allen Ecken. In den Ferien hingegen ist es eine sehr ruhige, idyllische, schlichtweg traumhafte Parkanlage mit beeindruckenden Gebäuden.

Nach meinem Abitur habe ich das Internat insofern mit in den neuen Lebensabschnitt genommen, als dass ich mit meinem besten Freund Timo Singer gemeinsam nach Hamburg und dort eine WG gezogen bin. Wir hatten eine tolle Zeit, in der wir jeweils eine Ausbildung (ich im kaufmännischen Bereich) gemacht haben. Im Anschluss daran trennten uns die Studienwege räumlich, ich blieb für ein BWL Studium in Hamburg. Die Betonung „räumliche Trennung“ ist kein Zufall – nie wieder, weder zuvor, noch nach der Zeit am Internat, habe ich so ehrliche und tiefe Freundschaften geschlossen, wie die aus Zeit am Internat Solling es waren und sind. Mittlerweile pflege ich diese von Siegburg bei Bonn aus, wo es mich beruflich hin verschlagen hat. Als betriebswirtschaftlicher Kundenberater eines Verbandes für Sanitätshäuser bin ich nicht unmittelbar mit Betroffenen in Kontakt, kann aber dafür sorgen, dass die von mir betreuten Häuser finanziell gesund und bestens aufgestellt dafür sorgen können, Menschen mit Beeinträchtigungen eine größtmögliche Lebensqualität zu bieten. Selbstverständlich erfahre ich auch von persönlichen Schicksalen, die mich berühren. Umso schöner ist das Wissen darum, dass ich wirklich helfen kann! Etwas, das meines Erachtens seine Wurzeln in meiner „Herz und Hand“ – Zeit am Internat geschlagen hat – gerne helfen und der Blick auf soziales Miteinander.

Tatsächlich haben die fünf Jahre, die ich Mitglieder der LSH-THW-Gruppe war, mir so manche Türe geöffnet und sind in Gesprächen immer auf positive Resonanz gestoßen. Nach einem Arbeitstag, in dem es aufgrund der vielen Menschenkontakte durchaus mal sehr menscheln kann, bin ich froh, mit meinem Sohn Robert in die von uns gemeinsam erschaffene (da bin ich sehr gerne und durchaus eigennützig Sponsor) Playmobil – Welt abzutauchen. Jede unser rund 50 Figuren hat einen Namen und wir Zwei große Freude daran. Um mich fit zu halten steige ich neuerdings nicht mehr „nur“ auf mein Rennrad, sondern auch in den Boxring! Ein phänomenaler Sport, dessen Kombination aus Schnelligkeit, Bewegungsabläufen und Kraft mich fasziniert. In all meinen Tätigkeiten zieht sich eines durch: Ich finde schnell Zugang zu Menschen und verknüpfe gerne Informationen, Nachfrage und in Frage kommende Personen. Etwas, für das ich bei Altschülertreffen kaum Gelegenheit habe, werde ich doch immer mit Fragen nach dem Wohlergehen meines Vaters und Anekdoten aus der Zeit mit ihm bombardiert. Dies bestätigt meine Meinung, dass meine Eltern wertvolle Mitglieder der LSH-Gemeinschaft waren, dass ein LSHler immer ein LSHler ist und auch meinen Stolz auf meine Eltern. Um ihnen die Geborgenheit meiner Kindheit zurück geben zu können, spiele ich tatsächlich mit dem Gedanken, jetzt, da sich mit ihrem Alter die Fürsorge ein wenig umkehrt, mit meiner Familie gen Holzminden zu ziehen. Dann wäre unser Sohn wiederum ein externer LSHler und ein kleiner Lebenskreis würde sich schließen.

im Mai 2022

Johann Oppermann (LSH 2019 – 2021)

Schubladendenken und Vorurteile liegen mir fern. Es ist mir wichtig, mich nicht von einem ersten visuellen Eindruck beeinflussen zu lassen, sondern nach Möglichkeit den Menschen dahinter kennenzulernen.

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